466
Sachse».
formatiert in den deutschen Schulen des Kurfürstenthums Sachsen anzustellen sei.»)Für den Geist, welcher in den Gelehrtenschulen bezüglich der Betreibung der altenSprachen herrschte, sind die zahlreichen Ausgaben all moäum Ninsllii bezeichnend genug.Kann man sich freuen, daß das Lesen an Umfang gewonnen hat, so ersieht manandererseits daraus die geistlose, einpfropfende Methode. Jndeß zeigt sich auch eineHinkehr zum Bessern. Des tüchtigen Schulmanns Cellarius (fi 1707) Schriftenfinden wir in den Schulen Sachsens, obgleich er nicht im Gebiete des heutigen König-reichs Sachsen wirkte, vielfach und Benjamin Hederich (geb. 1675 zu Geithen beiMeißen, fi 1746 als Rector zu Großenhain) begann damals seine lexikalischen Arbeiten,die über ein Jahrhundert lang fast zahllosen Jünglingen bei ihren Studien gedienthaben.**) Auch mit der Universität gieng es vorwärts. Nicht allein, daß eine MengePrivatstiftungen für dieselbe gemacht und die Professuren bedeutend vermehrt wurden;die Humanitätsstudien gewannen bedeutenden Aufschwung. Zwar Joh. Math.Gesner lehrte an denselben nur kurze Zeit, aber durch Erklärung von Classikernwirkte der Jurist Kortte (fi 1721) nicht unbedeutend und bald begann auch Joh.Friedrich Christ (geb. 1701 zu Koburg, 1729 ao. Prof, der Geschichte, 1739ordentl. Prof, der Poesie fi 1756)*"**) seine zuerst die Erklärung antiker Kunstwerke inden Bereich der Altcrthumsstudien hereinziehende Wirksamkeit. Wir erwähnten derGeschichtsprofessur. Wie der Sinn für sie erwacht war, beweist die von JohannJacob Mascov (fi 1761) seit 1726 unternommene Geschichte der Deutschen, welchezwar jetzt durch die stannenswerthen Forschungen unserer Tage weit überholt, aberimmer ein Werk emsigen und feinen Geistes und geschmackvoller Darstellung ist.fi)Auch für die specielle sächsische Geschichte herrschte viel Eifer. Johann BurkhardMenkens sorixtoros msäii usvi, Heinrich Gottlieb Franke's sächsische Ge-schichte und die historischen Arbeiten des Rectors der Kreuzschule Joh. KonradKnauth können noch jetzt von keinem Forscher unberücksichtigt bleiben.fifi) Der be-rühmte Literarhistoriker Christ. Gottlieb Jöcher ward 1730 Prof, in Leipzig undzu gleicher Zeit arbeiteten Christian und Johann Hübner an ihren Grundlegenden genealogischen Schriften. Und dürfen wir hier des seit 1724 in Leipzigwirkenden Gottscheds vergessen? Ein aufgeblasener, steifer Pedant war er, aberum die deutsche Sprache und Litteratur hat er sich Verdienste erworben und bezeichneteine nothwendige Durch- und Uebergangsperiode.
Weit verderblicher ward die Regierung Friedrich Augusts II. (1733—1763).Denn sein Vater hatte bei allem, was wir zu beklagen haben, doch immer eine groß-artig angelegte Natur, sein Sohn aber beweist sich schwächlich, ganz in prächtigenFesten und Lustbarkeiten aufgegangen. Freilich fällt die schwerste Schuld auf denallmächtigen Minister Grafen Brühl, der um seiner Macht willen die wichtigstenInteressen des Landes vernachläßigte und das Volk, um seinen Herrn in Schlaf zuwiegen, aber auch wie sich nach seinem Sturz erwies, um seines Privatinteresses willenaussaugte. Einigen Ersatz dafür bieten die jetzt noch vorhandenen Kunstsammlungenund Kunstinstitute, aber für die Universitäten und Schulen hatte Brühl'keinen Sinnund in keiner der vorhergehenden und nachfolgenden Regierungen Annalen sind sowenige dieselben betreffenden Erlasse verzeichnet, als in dieser. Je weniger aber vonder Regierung für die Bildungsanstalten geschah, um so mehr zeigte sich Liebesthätig-keit unter dem Volke. Eine Menge Stiftungen für die Universität und für die Schulenrühren aus jener Zeit her, um so ehrenwerther, je drückender die Lasten waren: ein
«) Gretsch. Ilk S. 82.
Vgl. auch Kämmel a. a. O. S. 542.***) Gretsch. III S. 149.
-s) Gretsch. II S. 646 und III S. I4S.chsi) Gretsch. II S. 647.