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Sachsen.
Synodenstube das Bild des Rectors Merk nicht anblicken. Auf seinem Antlitz tretenuns die Furchen entgegen, welche von den zahllosen auf ihn einsturinenden Sorgengewühlt sind, aber Ernst, Festigkeit, Kraft blicken aus seinem Auge und thronen auffeiner Stirn. Ansgehalten hat er, als seine Schule aufgelöst flüchten mußte, ausge-harrt, obgleich das Entlaufen zu den Soldaten, ja sogar die Ermordung einzelnerdurch Räuberhände seinen Cötus verringerte, und nie sind seine Gedanken von demUnterrichte und der Führung der ihm von Gott anvertrauten Schüler abgezogen ge-wesen. Der aussaugende Charakter des Kriegs schlug auch den Schulen tiefe Wun-den. Wie viele zu ihrem Unterhalt ausgesetzte, von frommer Liebe gestiftete Capitaliensind seitdem spurlos verschwunden! und leider nicht allein durch die räuberischen Händedes Feindes, sondern auch durch die gewissenloseste Gewinnsucht der Verwalter.*)Das allerschlimmste aber und beklagenswertheste blieb die Verschlechterung des Geistesund der Sitten im Volk. Unter den Studirenden der Universität Leipzig war einesolche Verwilderung eingerissen, hatte ein so abscheulicher Pennalismus Platz er-griffen, daß demselben kcins der seit 1653 und 1661 dagegen erlassenen Strafgesetzezu steuern vermochte. Rohheit, Schwelgerei, Gleichgültigkeit gegen das Heilige, Ab-hängigkeit vom Ausland waren die Reste, welche die wilden fremden und heimischenSoldatenhaufen hinterließen.
Wenn es das beste Zeugnis für die Unverwüstlichkeit des deutschen Geistes ist,daß Deutschland trotz des dreißigjährigen Krieges nicht zu Grunde gegangen, daß esanfs äußerste erschöpft und zerschlagen, vom übermüthigen Ausland verhöhnt undmißhandelt, dennoch seinen geistigen Kern wahrte, so muß dem sächsischen Volke diesrühmliche Zeugnis vor allen Stämmen zu Theil werden und ein dankbares Gedächtnisgebührt den Fürsten Johann Georg II. (1656—1660), Johann Georg III.(1680—91), Johann Georg IV. (1691—94), weil sie allen Fleiß aufwandten, diegeschlagenen Wunden zu heilen und die mannigfaltigen Schäden auszubessern. Diegrößte Schwierigkeit bereiteten die Finanzen: dennoch ward für die Aufrichtung undUnterhaltung der Fürstenschulen das Möglichste gethan. **) Im Visitationsdecret von1658 wird znm erstenmal Vortrag der Geschichte anbefohlen, aber auch hier noch dieEintheilung nach den vier Weltmonarchieen festgehalten. Als sehr gelehrte MännerWerden die Rectoren der Kreuzschule zu Dresden Joh. Böhme (Uoüomns -s 1676)und dessen Nachfolger Egenolf (p 16>9) genannt. Der elftere war kaiserlicher ge-krönter Poet und gab 1643 die Oden des Horaz in deutschen Uebersetzungen durchseine Schüler heraus. Die ferner von ihm verfaßten Schulbücher: Hoinsriuni etVir^iliani oxsrum a,nalM8 ckioliotomiou Aonorulis (1652) und üomariani operistotius unglxsis äieliotomioa Agnoralis (1664) kennzeichnen die damals in der Inter-pretation der alten Schriftsteller herrschende Methode, wornach eine dreifache Analyse,die grammatische, die rhetorische und die dialektische für unumgänglich gehalten wurde. ***)Eine bedeutendere Wirksamkeit entwickelte jedenfalls als Rector der Thomasschule JacobThomasius (geb. 1622), da er schon seit 1643 als Lehrer der Philosophie an derUniversität sich von dem vorherrschenden Ramismus unabhängig gemacht und einefeinere und tiefere Behandlung angebahnt hatte. Darf man übrigens zwar nicht denSchulen die Leistungen ihrer einstigen Schüler zurechnen — denn wie mancher wirdnicht trotz der Schule ein tüchtiger Mann und Gelehrter — so erwähne ich doch zuSachsensund Grimma's Ehre den großen Samuel von Puffendorf,-s) zumal da
*) In einem Aktenstück unserer Schule findet sich die Bemerkung: wolle man untersuchenwie die Einkünfte so verringert worden, so mäße man tief in aroana hineingreifen.
**) Gretschel II S. 520.
Kämmet a. a. O. S. 550.
-s) Er hieß eigentlich Samuel Puffendörfer, und wurde erst kurz vor seinem am26. Oct. 1694 in Berlin erfolgten Tode in den Freiherrenstand erhoben. Zögling von Grimmawar er von 1645—1650. Lorenz Grimmenser Album S. 142.