Sachsen.
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nungen die Negierung seines Sohnes Christian I. 1584—91, indem dieser die Re-gierung fast gänzlich dem bekannten Canzler Krell überließ. Mag man über dessenAbsichten urtheilen wie man will, das kann niemand leugnen, daß Krelldurch stürmischesDareinfahren statt eine Aussöhnung zwischen den protestantischen Parteien zu stiften,den heftigsten Unfrieden anrichtete und infolge dessen selbst das Leben auf dem Blut-gerüste endete (1601). Des Herzogs Sohn Christian II. 1591—1611 (bis 1601unter der Vormundschaft des streng lutherischen Herzogs Friedrich Wilhelm vonSachsen-Weimar) stellte das Regiment Augusts wieder her. Zur Verwirklichung dieserAbsicht gehörte 1601 (jedenfalls nach einer Visitation) die Erlassung einer Schul-ordnung an die drei Fürstenschulen, welche an der von 1580 nichts wesent-liches änderte, sondern nur die auf das Religiöse bezüglichen Bestimmungen präcisirteund verschärfte.*) Auch die aus dem 1602 gebildeten Geistlichen Geheimen Rath1607 hervorgegangene Errichtung des Oberconsistoriums zu Dresden blieb nicht ohneEinfluß auf die Schulen, da ihm die Oberinstanz und die Oberaufsicht über dieselbenmit übertragen ward. Man hat nicht Unrecht, wenn man das Abnehmen des Stu-diums der alten Sprachen bemerklich macht. Die Polemik über theologische Gegen-stände nahm die Geister zu sehr gefangen und die Streitigkeiten hielten bedeutendeGelehrte von Sachsen fern oder hießen sie bald eine neue Heimat suchen. An dembekannten Wittenberger Professor Taubmann (1565—1613) vermißt man nicht voll-ständige Herrschaft über die Sprache, doch die mehr im Gedächtnis gebliebene Scur-rilität beweist eine weite Entfernung von dem Geiste, der einen Philipp Melanchthonbeherrschte. Mehr Ruhm ernteten die Gelehrten in den realen Wissenschaften, wieder Schüler Adams Riese N. Wilhelm Avianus, Rector an der Thomasschulezu Leipzig, und der Annaberger Lucas Brunn durch sein in deutscher Sprache ver-öffentlichtes Werk über die Perspective.**) Unter dem Bruder Christians II. JohannGeorg I. 1611—56 kam das schwerste Unglück über Sachsen. Zwar blieb es imAnfang dem Kriege fern, aber seit 1630 wurde es völlig in denselben hineingezogenund als die Politik des Kurfürsten, die, mag man sie auch kurzsichtig nennen, wenig-stens das Ehrenprädicat einer deutschen verdient, 1635 den Prager Separatfriedenmit dem Kaiser abgeschlossen, war das Land bis zum Waffenstillstand von Kötzschen-broda den wüthendsten Anfällen und Verwüstungen der Schweden bloßgestellt. Es istein merkwürdiger Gegensatz, wenn wir lesen, daß 1627 der Cantor Spillner in Schnee-berg durch die Schüler ein von ihm verfaßtes Schauspiel: Luther vor dem Reichstagin Worms aufführen ließ und 1628 von den Schülern zu Freiberg sogar mehrerewiederholte Vorstellungen gegeben wurden: ***) man ahnte das Heraufziehen des Ge-witters nicht, welches sich so furchtbar entladen sollte. Welche Blüte die sächsischenSchulen erreicht hatten, wie sie auf Gesinnung und Herz einwirkten und durch dieBeschränkung auf die Alten die Fähigkeit zu deutscher Dichtung nicht brachen, sondernförderten, dies zu beweisen, brauchen wir nur die aus ihnen hervorgegangenen MännerPaul Flemming und Paul Gerhards) zu nennen. Ganz besonders rühmenswertherscheinen die Männer, welche auch während des Kriegs in treuer Ausübung ihrerLehrerpflichten ausharrten. Ohne tiefste Ehrfurcht zu empfinden, kann ich in unsrer
ich des — 1577 -in Annaberg Rector gewesenen Alb. Lhttich ooiupsuiliaria Araoeas §ram-malieas isuAvAS <Kämmel S. 540). Von Dresser erschien übrigens 1574 eine griechische Chresto-mathie O^muasmata littsraturas Zraeeas (Kammel S. 550). ,
*) So viel ich weiß, ist dieselbe nicht gedruckt, sondern nur in den Archiven vorhanden.Benützt hat sie kalui cks vstsrs Lloläani äisoiplina. Grimma 1850.
**) Gretsch. II S. 403.
***) Gretsch. II S. 405.
ch) Prof. Lorenz hat erwiesen, daß G. bis 1627 Zögling der Fürstenschule zu Grimma war.Auch Philipps vonZesen könnten wir gedenken, da sein Wirken für die deutsche Literaturnicht ganz einflußlos gewesen ist.