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7 (1869) Reinlichkeit - Schule
Entstehung
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459
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Sachsen.

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gezeigt haben, so finden wir in der Schulordnung dies ganz klar und herrlich ausge-sprochen, sogleich im ersten Satzvom Ambt der Präceptoren in gemein", daß dieLehrer, weil sie an die Stelle der Eltern treten, auch ein väterliches Herz gegen dieSchüler haben und beweisen, sie als nicht allein von der Obrigkeit, sondern zuerst vonGott sich anvertraut betrachten sollen, damit sie dieselben nach dem Befehl desheiligen Apostels in der Lehre und Zucht des Herrn unterweisen; ja in der Instructiondes Rectors wird dies unter 3 noch viel ernster und prägnanter ausgesprochen, daßer die Schüler, wie seine eignen leiblichen Kinder betrachten soll. Statt weiter zuzeigen, wie bei allem Ernst und aller Strenge, doch stets die Geduld und die Liebefestgehalten wird, heben wir nur den 10. Satz der Vorschriften für Die Lehrer hervor:die Vermahnungen sollen ohne Bitterkeit, die Strafe ohne Schmach, die Züchtigungohne zornige Worte sein. Die Beschränkung, daß Lehrer keine eignen Zöglinge inihrem Hause halten sollen (20), geht aus der nur zu billigenden Ansicht hervor, daßjeder mit den Schülern in seiner Classe genug zu thun habe zumal ihnen an andererStelle aufgegeben wird, daß sie täglich einen oder zwei zu sich kommen lassen, mitihnen sich über ihre Fortschritte und Anliegen unterhalten und sie zu Fleiß und gutenSitten ermahnen sollen; indes ist doch bald die Erlaubnis ertheilt worden, daßSchüler an dem Unterricht Theil nehmen, aber als Extraneer im Hause eines Lehrerswohnen. In der Instruction für den Rector fällt jetzt vielleicht auf, daß er sleißigstalle die Autoren, besonders (juintiliannm lesen soll, welche geschrieben haben, wie dieSchulen anzustellen und die Jugend recht und billig erzogen werden soll. Manersieht, wie groß das Ansehen Quintilians in der damaligen Zeit war, und be-greift, warum er unter den Schiftstellern ist, welche auf der Universität zu er-klären die Professoren der philosophischen Facultät angewiesen werden.*) Der Zweckaller christlichen Schulen, demnach auch der Fürstenschulen, wird scharf undbestimmt als ein dreifacher hingestellt: 1) Gottesfurcht und wahrhaftiger Glaubeund Religion, 2) äußerliche Zucht, 3) daß die Schüler gelehrte und verständige LeuteWerden. In Bezug auf 1 wird verordnet, daß der Grund christlicher Lehre Wohleingebildet werden soll, auf daß die Knaben, wo nicht mehr doch die Hauptstückechristlicher Lehre mit fortbringen und alle ihr Leben lang sie nützlich gebrauchen können.Auch hier ist der Sonnabend und Sonntag zum Religionsunterricht bestimmt und fol-gende Bücher zu gebrauchen:das güldne Büchlein des kleinen Catechisimi vr. Lutheri,"die schönen köstlichen und lehrhaften Sprüche der heiligen Schrift, in welcher be-griffen ist, was ein Christ glauben und in seinem ganzen Leben thun oder lassen soll,die Psalmen Davids, die Sprüche Salomonis, die Sprüche aus dem Buch JesusSirach, die sonntäglichen Evangelien und Episteln, dann ein ganzes Evangelium odereine Paulinische Epistel oder Prudentius, Nazianzeni Gedichte oder Nonnus. Gebetezu Morgen und Abend, vor und nach der Lection, vor und nach Tische sollen in einerForm von allen gelernt und gesprochen Werden. Mit den Morgen- und AbendgebetenWird die Lesung eines CapitelS aus der heiligen Schrift deutsch und lateinisch ver-bunden. Unsere Väter kannten noch nicht die Weisheit heutiger Pädagogen, welchenichts lernen lassen wollen, als was vollständig verstanden sei, und vom Beten, außerwenn es aus innerem Herzensdrang hervorströme, nichts halten: sie wußten, daß dasKind vom Gelernten mehr verstehe, als es reflectirend wieder zu geben vermögeund daß die in früher Jugend dem Gedächtnis eingeprägten Gebete und Sprüche invielen Lagen des spätem Lebens, ja in der Todesstunde zur Handhabe des Trosteswerden. Man ist gewohnt die Disciplin der Fürstenschulen sich als eine überausstrenge, noch finsterer, als die der Klöster, vorzustellen. Abgesehen davon, daß beim

*) Quintilian wird auf den Schulen wohl noch gelesen, aber meist nur das 10. Buch. Ichbin nicht dafür, daß die Schullectiire aus ihm erweitert werde, aber den Lehrern, besonders denangehenden, ist die Lectüre gewiß zu empfehlen.