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7 (1869) Reinlichkeit - Schule
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Sachsen.

ordnung kirchlich begangen werden, alle Jahrmärkte der Stadt je zwei Tage, in denHundstagen die Mittwochnachmittage, die Nachmittage der Sonnabende und heiligenAbende (Feierabende), an welchen sich aber Lehrer und Schüler zum Singen und zurVesper einzufinden haben. Der Schulstunden sind täglich 6, am Vormittag von 69,Nachmittags 123. Daß bei dieser jetzt anstößigen Verlegung der Stunden*) diedrücksicht auf die Eltern gewiß die Mehrzahl welche ihre Kinder im Hause mitanstellen und gebrauchen müßen, vorgewaltet habe, erkennen wir aus der Eltern undLehrern gestatteten Vergünstigung, die ganz jungen Kinder, die ABCdarien der erstenElaste, von der ersten Morgenstunde zu dispensiren und zur Winterszeit dieselben et-was später in die Schule zu schicken oder kommen zu lassen.

Indem ich mich zu dem eigentlichen Schulplan wende, kann ich die Fürsorge fürdie Sicherheit des Fortschreitens nicht genug rühmen. Wie trefflich wird überall dieRepetition des Vorhergegangenen betont, wie genau die besten Winke über die Anstellungsolcher gegeben, wie fein das Maß zwischen zu wenig und zu viel eingehalten. Wenndie Leistungen der sächsischen Schulen Jahrhunderte lang allgemeine Anerkennung ge-funden haben, so verdanken sie dies nur der durch die Schulordnung eingeführten Unter-richtsmethode, welche denn auch noch jetzt nicht genug dem Studium derer, welche inein Schulamt eintreten oder sich darauf vorbereiten, empfohlen werden kann. Energischwird diese Methode sogleich in Elaste I durch die Vorschrift vorgezeichnet, daß mit denSchülern, welche lesen lernen, die Lectionen nicht verändert, sondern alle 6 Stundenalle Tage nur darauf gewendet werden sollen,bis die Knaben des Lesens und Schreibensin dieser Elaste ganz fertig werden". Als erstes Schulbuch dient der Lutherische Ka-techismus, der durch ein vorgedrucktes Alphabet zugleich ABC-Buch ist. Das Sylla-biren beginnt mit dem Pater noster. Gewöhnung an Reinheit der Aussprache**) undsanftes glimpfliches Unterweisen derer, welche durch Naturfehler gewisse Buchstaben aus-zusprechen gehindert sind, wird dringend anempfohlen. Die so beschäftigten Knabenbilden eine besondere Decurie (oräo), wenn sie aber fest und sicher geworden, gehensie in den zweiten oräo über, wo ihnen der Donat zu syllabiren, in einer Lection auchdas ABC-Büchlein syllabatim, dann neben dem Donat auch die guuesttoues ArummutienoUüiiizM zu lesen und täglich ein Stück aus dem deutschen Katechismus zu lernen undzu recitiren aufgegeben wird. Sind sie mit dein Donat fertig, so werden sie als oräo IIIallein in den grmostiouos Arammutiono geübt und erhalten nach Vollendung derselbenden Cato ***) zu lesen. Das Schreiben wird mit allen oräinibus zugleich betrieben.Wenn der Knaben zu viele sind, als daß ihnen einzeln vorgeschrieben werden könnte,so erfolgt dies an der Wandtafel und müßen die Schüler in eigne Büchlein schreiben(nicht auf einzelne Blätter) und von Tag zu Tag dem Lehrer das Geschriebne vor-legen. Der Grundsatz, daß jeder Sprachunterricht von Aneignung eines Wortschatzesauszugehen habe, findet sich in unsrer Schulordnung, indem alle Tage vor dem Nach-hausegehen den kleinsten zwei lateinische Wörter aus Aäami 8ii)ori nomsnolatura, denandern aber aus der iwmonolaturg, Lobulär Ho^äsirr oder eprtomo Aärium äuurr (auchL,. nomouelatoris) an die Tafel vorgeschrieben, von ihnen in besondere Büchlein ein-

*) Der Vers, dieses Artikels hat in der Stadtschule, wo er seinen ersten Unterricht erhielt,alle Tage im Sommer von 6, im Winter von 7 Uhr an beginnen müßen. Für Beleuchtungwar nicht gesorgt; jeder Knabe mußte sich sein Licht mitbringen. Da hatte der eine ein Oel-lämpchen, der andere ein Unschlittlicht. Was wurde mit dem Licht gespielt und welche Lust ver-breitete sich im Zimmer!

**) Tie Wortedamit die Knaben nicht ihrer Muttersprache, sondern der lateinischen Sprach-art nach die Vooulss und donsouautss unterschiedlich und deutlich aussprechen" sind von Ent-wöhnung des bäurischen Volksdialekts zu verstehen, wie denn in den Verpflichtungen der Lehrer(S. SV3) der Ausdruckbäurische Aussprache" geradezu gebraucht wird.

***) Die aus dem Mittelalter herübergekommene, auf den Namen des Cato geschriebeneSammlung von ssatsutüs und Oistioüis.