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7 (1869) Reinlichkeit - Schule
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Sachsen.

1539 wurde die Instruction für die neue Visitation erlassen, welche das Kirchen- undSchulwesen im ganzen Meißner Lande reformirend für tüchtige Lehrer sorgen undihnen sichere Einkünfte anweisen sollte. Außer den Meißncrn Edlen Kaspar von Schön-berg und Rudolf von Rechenberg wurden die dem Kurfürstenthnm angehörigen Ur.Jonas, Georg Spalatin und vr. Melchior von Creuz zu dem Geschäfte ausersehen.Wo hätte man zunächst nach der Universität das Werk wirksamer beginnen sollen, alsin der Stadt Meißen, dem Sitz des Bisthums. Der Kurfürst Johann Friedrich mitseinem Bruder Johann Ernst und Heinrich der Fromme mit seinen beiden Söhnen Morizund August begaben sich selbst am 14. Juli dahin, um durch ihre Gegenwart dieFeierlichkeit zu erhöhen und von ihrer einträchtigen Festigkeit Zeugnis abznlegen. Nach-dem sie am 15. Juli dem ersten evangelischen Gottesdienst in der Domkirche beige-wohnt hatten, verließen sie wieder die Stadt und die Visitatoren begannen die Unter-handlungen. Das Münster zu St. Afra fügte sich schnell, das Domstift wollte unterBerufung ans seine Reichsunmittelbarkeit Widerstand leisten, doch die Säcularisirungerfolgte.*)Wir heben aus den Visitationsacten hervor, wie die Visitation erklärte,daß sie über die uffgerichte Schul in der Stadt keine andere Schule weder uff demDhumb noch zu sanct Affren leyden will."'*) Die vorher erwähnten beiden Schulen zuMeißen hörten auf: eine Stadtschule trat an die Stelle. Indem wir von weiterenEinzelheiten absehen, erwähnen wir noch, daß die Landstände (im Nov. 1539) überdie Religionsvcrhältnisse und die Patronatsrechte verhandelten und dabei die Verwen-dung der geistlichen Güter für Kirchen und Schulen dringend anriethen. Heinrichder Fromme mußte die Vollendung des begonnenen Werks bei seinem Tod (18. Aug.1541) seinem Sohne Moriz überlassen (15411553), da er durch sein Testamentdie alte, Theilungen unter den Söhnen festsetzende Erbordnung abgeschasft hatte. Dieweltgeschichtliche Bedeutung dieses größten sächsischen Fürsten zu würdigen, ist hiernicht der Ort. Die lutherische Kirche verdankt ihm ihr Bestehen und auf dem Gebietedes Unterrichtswesens rief er die Anstalten und Normen ins Leben, welche noch jetztihre segensreiche Kraft bewähren und nicht allein für das eigne Land, sondern für ganzDeutschland als mustergültig Anregung und Beispiel gaben. Mit Recht wird er alsder zweite Gründer der Universität Leipzig gepriesen.***) Nicht allein, daß erdie Einkünfte derselben vergrößerte, die Bibliothek aus den Klosterbibliotheken vermehrte,die Statuten in wahrhaft ersprießlicher Weise umwaudelte, auch für die Berufung dertüchtigsten wissenschaftlich gebildeten Lehrer trug er gewissenhaft und scharfsichtig Für-sorge. Bekanntlich haben die Reformatoren das Studium der klassischen Sprachenals die nothwendige Vorbildung zur Erkenntnis des Evangeliums, um mit Luther zu reden,als die Scheide, in welcher das Schwert des Geistes steckt, gewürdigt. Dasselbewurde von ihnen als Grundlage aller höheren Bildung empfohlen und Melanchthonwar, indem er auf unübertreffliche praktische Weise in seinen Büchern für die Durch-führung wirkte, der praöeßptor Eernmni-w, der Grundleger zu dem höheren Schul-wesen Deutschlands bis in die Gegenwart geworden. Lehrer, in seiner Schule ge-bildet, zur Ausübung einer Wirksamkeit, wie die seine war, für die Universitäten zugewinnen, mußte das Augenmerk aller Regenten sein, welchen die Bildung ihres Volkswahrhaft am Herzen lag. Einen solchen gewann denn auch Moriz für Leipzig 1541in Joachim Camerarius, welchen ihm Melanchthon empfohlen hatte.-p) Als imgleichen Geiste mit ihm wirkend (besonders für Erklärung des Neuen Testaments)werden der Schotte Alesius, Bernhard Ziegler und Pfeffinger genannt.

*) Gretschel, Geschichte des sächsischen Staates und Volks. I. S. 477 f. Wenn auch derZ. Band von Bülau herriihrt, werde ich doch denselben um der Kürze willen mit Gr. bezeichnen.

**! Ocrtel in der früber angeführten Schrift S. 23 f. und 120 f.

***) v. Langenn, Kurfürst Moritz II. S. 102 f.

ch) Gretschel I. S. eil616.