Druckschrift 
7 (1869) Reinlichkeit - Schule
Entstehung
Seite
442
Einzelbild herunterladen
 

442

Sachsen.

Wird die Schule zum Heiligen Kreuz (jetzt Kreuzgymnasium) 1452 zuerst erwähnt.Wahrscheinlich hatte sie bis kurze Zeit vorher nur zeitweilig bestanden, wenn sich eintüchtiger Schulmeister, wie der obengenannte Peter von Dresden, fand. DerRector jener Kreuzschule Götz (von Werdau) ward von Herzog Albrecht dem Be-herzten seinem Sohne Friedrich als Begleiter nach Siena beigegeben. * **) ***) ) AehnlicheVerhältnisse sind, wie wir aus der Folgezeit zu schließen berechtigt sind, an den beidenSchulen zn Leipzig, in Freiberg und Annaberg eingetreten, den Vorrang aber vorallen andern Städten gewann Zwickau. Der Reichthum, welcher in Folge der imwestlichen Erzgebirge eröffneten Bergwerke dort znsammenströmte, ward nicht zuschnödem Luxus verwendet, sondern die Einwohner erkannten in der Gnade Gottesden Antrieb, sür seine Ehre und der Mit- und Nachwelt bleibendes Wohl zu wirken.Der Hauptmann zu Zwickau, Martin Römer, dessen Reichthum fast sagenhaft ge-worden, verwandte mehr als 100000 fl. auf geistliche und Wohlthätigkeitsanstaltenund baute unter anderem die Schule auf dem Franenkirchhof. An dieser Schulefinden wir bald Stephan Rothe als Lehrer der lateinischen und Georg Agri-cola (Bauer)''"^) als Lehrer der griechischen Sprache unter allgemeinster Anerkennungwirkend. Den lebendigen Eifer für Erweckung und Unterstützung wissenschaftlicherStudien beweist das hier 1484 am Dienstag nach St. Franciskentag beim Ratheerrichtete Testament des früheren Pfarrers zu Zwickau, später Domdechanten bei St.Paul-Georg zn Altenburg LI. Gregor Schurz ans (Schurzuff), wornach 100 fl.jährlich nach seinem ALscheiden für 5 über 20 Jahre alte und zum Lernen geschickteStudenten, zunächst aus seinen Verwandten, in Ermangelung solcher aber Bürger-söhne von Zwickau, als Stipendien vergeben werden sollten, wobei noch bestimmt war,daß wenn ein solcher in welschen Landen stndire, ihm zwei solcher Stipendien znzu-weisen seien, -s) Ein Empfänger eines und später zweier solcher Stipendien war derberühmte Jurist Halo and er, der erste Begründer der Kritik des JustinianischenRechts, welcher, nachdem er 152123 in Leipzig seine Studien begonnen hatte, nachItalien zu ihrer Fortsetzung gieng, aber in die Heimat nicht wieder zurückkehrte,sondern 1531 in Venedig starb.-s-s) Wir glauben genug angeführt zu haben zumBeweis, daß in den Ländern, welche das jetzige Gebiet des Königreichs Sachsen um-faßt, so viel wissenschaftlicher Sinn und Bildung vorhanden war, daß die Refor-mation den Boden nicht ganz unvorbereitet fand.

Die Theilung in die ernestinische und albertinische Linie hatte zwar eine Schwächungder Macht des Hauses Wettin zur Folge, wirkte aber doch höchst vortheilhaft durchAnregung lebendigen Wetteifers zwischen den Fürsten. Manchem mag es bedauerlicherscheinen, daß gerade in der wichtigsten Angelegenheit ein Gegensatz und Zwiespalteintrat, eine ruhige vorurtheilslose Prüfung jedoch wird einigen Trost darin finden,daß manche Neberstürznng verhütet und ein langsameres, aber um so herrlicheres undgediegneres Reifen der Frucht dadurch vermittelt ward. Der Schmerz, welchen Kur-fürst Friedrich der Weise darüber empfand, daß bei der Theilung mit Leipzigdie Universität dem albertinischen Sachsen zngefallen war, trug nicht wenig bei, daß

*) Böttiger I. S. 380. v. Langem:, A. d. B. S. 383 und 392 f.

**) v. Langem:, A. d. B. S. 383.

***) v. Langenn, A. d. B. S. 383. Er war aus Glauchau gebürtig und vereinte nachder Sitte der Zeit mit dem Studium der alten Sprachen das der Arzueikunde und der Natur-wissenschaften. Er ward der Schöpfer der Mineralogie, indem er die Fossilien nach ihren äußerenKennzeichen ordnete. Böttigerl. S. 547. Einer seiner berühmtesten Schüler war Janus Cor-narius.

p) Unverliehene Stipendien wurden vom Rath zur Unterhaltung seiner Schule mit verwendet.

stsil Daß Haloander Gregor Melzer oder Mälzer geheißen, sowie seine Lebensverhältnisse unddas Schnrzauf'sche Stipendium hat zuerst völlig aufgeklärt B. Schmidt in dem 1887 zu Leipzigerschienenen Programm: 8xmbolas vitnm Oregorii Unloanäri,