Sachsen.
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Deutschland bereits eifrig ergriffen und zwar in ihrer Bedeutung tiefer begriffen, alsin jenem Lande. Denn während die italienischen Gelehrten die klassische lateinischeSchreibweise vor allem sich anzueignen trachteten, um damit eine neue Herrschaft überdie andern Völker sich zn begründen, wurden in Deutschland von vornherein jeneStudien als die Grundlage der höheren geistigen Bildung, als das Feld, von welchemjedes verbessernde Streben auf dem Gebiete der Kirche und der Religion ansgehenmüsse, betrieben.*) Allerdings den Sieg hatte zunächst Italien errungen, daß die lern-begierigen Deutschen auf seinen Schulen die begehrte Kunst und Weisheit suchen mußten.Mehrere, die dies gethan, werden auch unter den Meißner» erwähnt.
Der Leipziger Jurist Johann von Breiten bach hatte den Studenten inPerugia die bewundernde Anerkennung abgenöthigt, daß er wahrhaft gelehrt sei.**)Albrecht der Beherzte sandte selbst seinen Sohn Friedrich nach Siena. Derältere Sohn Georg der Bärtige war Kenner und Förderer der humanistischenStudien. Um so mehr scheint zu verwundern, daß er als Regent seines Landes einso hartnäckiger Gegner und zuweilen tyrannischer Verfolger der Reformation wurde.Ein gerechtes Urtheil stellt freilich gewiß, daß er nicht in anderer Weise dem Lichteder evangelischen Wahrheit Feind gewesen und geworden ist, als in welcher die be-deutendsten Humanisten, z. B. Erasmus, sich gegen Luther erklärten. Daß er dieProfessuren der griechischen und hebräischen Sprache in Leipzig aufhob, ***) dazu hatihn die Richtung kirchlicher Reaction, der er sich völlig hingegeben hatte, veranlaßt.Denn vorher hatte er Konrad Celtes, den bedeutendsten Vertreter, Verbreiter,Förderer der altclassischen Studien, welcher von Heidelberg nach Leipzig gekommenwar, und Johann Rhag oder Rhack aus Sommerfeld in der Neumark (Ulmgäusidssticamxianus) gegen die Anfeindungen des finsteren mönchischen Geistes zu haltengestrebt und es höchst ungern gesehen, daß 1511 Hermann Busch (vom Busche),der später mit Ulrich von Hutten innige Freundschaft schloß und um die humanistischenStudien in unserm Sachsen sich die wesentlichsten Verdienste erwarb, Leipzig verlassenmußte.-s) Später 1515 berief Georg den Engländer Richard Crocus und denberühmten Petrus Mosellanus (1524), dessen eingehende Würdigung nicht andiese Stelle gehört, an die Leipziger Universität. Nachdem wir in der Kürze daraufhingewiesen, daß zunächst in Leipzig die Buchdruckerkunst einwandertech-j-) und ihrePressen schnell vermehrte, demnach die Bildungsbednrftigen im Volk, dem Auswendig-lernen und Abschreiben enthoben, leichter die Mittel fanden ihr Wissen zn vermehrenund ihre Fertigkeit zu üben, kehren wir zu den Schulen zurück. Das größte Ver-dienst um dieselben erwarb sich Paul Schncevogel (nach damaliger Sitte Mavissich nennend), indem er zuerst die Jugend statt der aus dem Mittelalter und derspätesten römischen Litteratur herrührenden Compendien zn den alten klassischenSchriftstellern führte und eine geschmackvollere und eingehendere Interpretation übte.Er lehrte um 1486 in Chemnitz, war aber auch an der Universität in Leipzig alsLehrer der lateinischen und griechischen Sprache thätig. Der erwähnte Aufenthaltvon Paul Niavis in Schneeberg in Verbindung mit der bezeugten Thatsache, daßGeorg Fabrik ins, der zweite Rector der Fürstenschule zu Meißen, dort denGrund zu seiner ausgebreiteten und gründlichen Gelehrsamkeit gelegt habe, beweist,daß die Schule zu Chemnitz einen festen Bestand gewonnen hatte. In Dresden
*) Fr. Kraner: narrativ äs ünwanitatis stuäiorniu gninto st ssxto äsoiiuv saseulo inOermams. origins et iuäols. krogr. Llisnias 1843.
v. Langcnn, Albr. d. B. S. 392 und 398.
***) Böttiger I. S. 54 t.
si) Böttiger I. S. 481 f.
44) Böttiger I. S. 385. v. Langen», A. d. B. S. 393 f. Gründlicher Falkenstein: Gesch.der Buchdruckerkuust S. 480.