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7 (1869) Reinlichkeit - Schule
Entstehung
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Sachsen.

errichtete.*) Die zwölf Knaben derselben wurden nur zu dem Kirchendienst und demSingen verwendet und außer den zu diesen beiden Verrichtungen nothwendigenUebungen und Unterweisungen erstreckte sich der Unterricht höchstens noch auf Auswendig-lernen der wichtigsten Kirchcndogmen und -satzungen. Daß aber der Stifter auf etwashöheres gerechnet habe, können wir aus dem schließen, was schon der zweite Propstdes Klosters, Albert (12231243), ausführte, die Gründung einer höheren Schule zurAusbildung von Geistlichen, gewissermaßen einer Pflanzstätte für künftige Augustiner-Chorherrn (seüola, intsrior, elaustri, solwlsrinm puorornm). Denn die 24 Knabenerhielten Kost und Wohnung im Kloster und lernten so ganz nach der Regel leben.Ein Rector und ein Cantor ertheilten Unterricht nicht allein in den für den öffentlichenGottesdienst nothwendigen Gegenständen, der Musik und dem Recitiren, sondern auchin der Kalligraphie, den alten Sprachen, der Theologie und Philosophie. Diese Schulemuß sogleich nach ihrer Eröffnung eine hohe Blüte und lebendige Anziehungskraft fürbegabte junge Leute**) erlangt haben, da das Domcapitel, wie oben erwähnt, in derBulle des Papstes Nikolaus III., welche die in St. Afra errichtete Anstalt bestätigte,eine Repressivanordnung gegen das Ueberlaufen ihrer Schüler durchsetzen zu müßenglaubte. Obgleich wir nur wenige Rectoren namentlich und darunter keinen von be-sonderer wissenschaftlicher Bedeutung kennen, ***) so ist dennoch der Schluß nicht gerecht-fertigt, daß die Schule an Bedeutung und Wirksamkeit verloren habe, zumal vieleandere Erscheinungen, besonders die Beschaffung einer nicht unbedeutenden Bibliothek p),beweisen, daß die Chorherrn von St. Afra den Bestrebungen des 15. Jahrhundertsnicht fremd blieben. Das oben erwähnte große Ansehen, dessen sich die Chorherrnvon der Regel St. Augustin erfreuten, findet seine Bestätigung darin, daß in Leipzigbald nach dem Münster zu St. Afra 1213 ein gleiches zu St. Thomas errichtet wurdenEine höhere Schule war mit demselben nicht verbunden -j-s), wenigstens müßte sie erstspäter errichtet worden sein; ganz gewiß aber fehlte die niedere zur Ausbildung vonChorknaben nicht. Die Stiftung, nach welcher die Sonnabendsmesse mit 8 Schülerngesungen und gewisse Festtagemit Gelüchte, Gelüte, mit Orgelgesange ehrbarlichbegangen werden solle," -j-j-j) beweist die Existenz einer solchen, wie sie den Ursprung nochjetzt bei der berühmten Gesangesschule zu St. Thomas bestehender Einrichtungen con-statirt. Daß aber das Bedürfnis höheren Unterrichts in jener durch den Handel früh-zeitig bedeutend gewordenen Stadt sich regte, wird dadurch erwiesen, daß der Rath1395 vom Papst Bonifacius IX. ein Privilegium zur Errichtung einer Schule undder Anstellung von Lehrern der Grammatik und der freien Künste ohne Einmischungdes Propstes von St. Thomas sich auswirkte. In solch frühe Zeit hinauf reicht dasnoch jetzt in Segen bestehende Gymnasium zu St. Nikolai, wenn auch wahrscheinlichdie eigentliche Vollendung der Schule noch einige Zeit Hindernisse fand. Eine nichtgeringe Zahl junger Leute aus dem Meißner und Osterland mögen damals schon aufauswärtigen Universitäten ihren Durst nach Wissenschaft zn stillen gesucht haben.Die bei so vielen beklagenswerthen doch nie zu vergessende eine gute Folge der Zer-splitterung Deutschlands, daß jeder Fürst und jedes Fürstenthum den andern keinenVorzug zu lassen, was jene geschaffen, auch bei sich ins Leben zn rufen strebten, tratauch hier ein. Wer die politischen Zustände jener Zeit kennt, wird den Markgrafen

*) Es ist Oertels (a. a. O. S. SO) Verdienst, diese Verhältnisse vollständig aufgeklärt zuhaben.

**) Daß, wie iu jenen Zeiten an andern Orten, auch hier oft schon ältere Jünglinge denStudien sich widmeten, beweist der von Oertel (a. a. O. S. 76) angeführte Fall, daß ein-Schüler, Andreas Faber, unter den Zeugen einer Rechtsurkunde vorkommt.

***) Oertel a.- a. O. S. 76, 84, 86 f.ch) Oertel a. a. O. S- 88 ff.

chchi Oertel a. a. O. S. 52.

chjch) Böttiger, Gesch. von Sachsen I. S. 280.