Rettungsanstaltcn. XVI.
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werde. In diesem Berichte darf nichts von dem fehlen, was jeder mit Recht in eineröffentlichen derartigen Berichterstattung erwarten kann. Dahin gehören die Abrechnungüber Einnahme und Ausgabe, die Namen des Verwaltungsrathes und alles statistische,was über den Bestand des Hauses und seinen Gang im letzten Jahre, soweit es dieFreunde und Wohlthäter interessiren kann, zu sagen ist. Ob die an Jahresfestengehaltenen Predigten und erbaulichen Ansprachen und dergleichen hincingehören, könntesehr in Frage gestellt werden. Den meisten derartigen Berichten sieht man an, daßdergleichen allgemein gehaltene Zusätze nur Lücken füllen sollen und daß sie von solchengeschrieben sind, die nicht selbst mitten in der Anstalt leben, sondern von solchen,welche nur von Ferne zusehen oder denen doch die Detailkenntnis fehlt. Die Haus-väter sollten im allgemeinen für die Abfassung dieser Berichte nicht in Anspruch ge-nommen werden; allein dieselben sollten verpflichtet sein, in der Form von Tagebücherneine Hauschronik das ganze Jahr hindurch zu führen, worin ohne alles weitere nurThatsächliches, aber exact, mit Fleiß und Urtheil geschrieben würde. Das Tagebuchkönnte für den Vorstand als Grundlage einer regelmäßigen Besprechung mit demHausvater dienen. Auf Grund solcher Unterlagen würden andere Berichte, als diemeisten bisherigen, zum Vorschein kommen; es würde denselben an Gehalt und reichemStoff nicht fehlen. In spätern Verwaltungsjahren wird es genügen, ausführlicheBerichte nur in größeren Zwischenräumen von mehreren Jahren zu erstatten, und einegeschickte Hand, ein scharfes Auge und ein der Sache mit Liebe ergebenes Herz würdeden Gegenstand dann immer wieder reich und bereichernd mittheilen und nicht in Ver-legenheit gerathen, Werthvolles darzubieten. Die Berichte könnten so ein pädagogischerSchatz über Anstaltserziehung werden. Wenn hier eines erheblichen Mangels,der sich in diesen zahllosen Veröffentlichungen findet, gedacht ist, darf doch auch nichtverschwiegen werden, daß aus allen Theilen Deutschlands und der Schweiz, wennauch nicht viele, doch auch nicht ganz wenige Beispiele einer besseren inhaltreicherenRedaction vorliegen, von denen wir keine einzelnen nennen wollen. Zu den bessernBerichten der Art gehören diejenigen, welche wenigstens in früheren Jahren wiederholtauf Grund von Tagebüchern solcher Hausväter, wie sie eben empfohlen worden, vongeschickter und sorgsamer Hand verfaßt worden sind. Sehr ansprechend waren diefrüheren, wenn auch in ganz anderer Art bearbeiteten Berichte des seligen Dr. Barth,die derselbe jährlich über die Anstalt zu Stammheim bei Calw abzustatten pflegte. Sehransprechend znsammenfassende Berichte sind nach dem 25jährigen Verlauf einigerschweizerischen Anstalten von der schweizerischen Gesellschaft in Zürich her aus gegebenworden.
XVI.
An den Schluß dieser Erörterungen stellen wir einige Wünsche für die Zukunftder evangelischen Rettungshäuser. Bei der weiten geographischen Ausdehnungder Anstalten über alle Theile Deutschlands und über dessen Grenzen hinaus, bei derverhältnismäßigen Neuheit und vollständigen Freiwilligkeit dieser ganzen Arbeit ist eserklärlich, daß in der Durchführung eine große Verschiedenheit stattfindet und zugleichauch mannigfache Willkür sich geltend macht. Ohne die Mannigfaltigkeit hindern zuwollen, wird es doch die Aufgabe sein, der bloßen Willkürlichkeit zu wehren, die ausAnlaß der unbedingten Freiwilligkeit sich freilich nie ganz wird überwinden lassen.Unter der Voraussetzung, daß die Rettungshäuser im christlichen Bekenntnis beharrendeAnstalten verbleiben, heben wir einige bestimmte Desiderien hervor, deren Erfüllungerstrebt werden muß, wenn die Sache selbst nicht zuletzt, wenigstens an vielen Stellen,gefährdet werden soll.
1. Voran ist zu stellen die künftige gründliche, sowohl theoretische als praktischeVorbereitung der anzustellenden Hausväter und Gehülfen, die nur möglich ist, wenndie Auszubildenden mehrere Jahre zugleich Mitarbeiter in einer für diesen Zweck ein-Pädag. Encyklopädie. VII. 28