Druckschrift 
7 (1869) Reinlichkeit - Schule
Entstehung
Seite
426
Einzelbild herunterladen
 

426

Nettungsanstaltcn. XIV.

scheinen aber so wenig mit dem weiter oben (Abschnitt II. Seite 333) näher ange-führten Standpunkte der bayerischen Negierung übereinzustimmen, daß als wünschens-wert!) bezeichnet werden darf, diese Gesichtspunkte hätten auch in diesen Fällen, woMaßregeln für vernrtheilte Kinder getroffen werden sollten, maßgebend sein mögen.Es kommt hinzu, daß neben jenen 4 Anstalten auch andere freie Rettungshäuser, wieuns z. B. von der Anstalt in Schweinfurt und von der zu Haßloch in der Pfalz be-kannt ist, verurtbeilte Kinder ganz so, wie es in Preußen und Hannover geschehen, insich zur Erziehung ausgenommen. Der Haßlocher Anstalt wurden behufs Erweiterungihrer Räumlichkeiten 1400 fl. aus Staatsmitteln zu Theil:daß hierbei dem evange-lischen Liebeswerke keine andere Schranke auferlegt wurde, als die Gottes Wort schonvorher uns auferlegt, erkennt der Bericht (im Sickinger Boten 1868) mit Dank aus-drücklich an." Von vorbildlicher Bedeutung ist in diesem Zusammenhänge der Vor-gang Frankreichs, wo die Regierung nach Eröffnung der oftgenannten Anstalt zuMettray ihre für jugendliche Vernrtheilte bestimmten Gefängnisse nimmer weiter auf-gethan und ohne weitere bureaukratische Behinderungen auf gesetzlicher Grundlage eineimmer größere Zahl jener Kinder den von Privaten gegründeten und geleiteten Oolouisgxonitoutiulros überlassen hat.

XIV.

Das Verhältnis der Rettungshäuser zur Kirche und der Kirche zu denRettungshäusern hat bei ihrem Entstehen und währeitd der drei ersten Jahrzehnte, inwelchen diese Anstalten sich zur Lebensfähigkeit entwickelt, nie Veranlassung zu irgendwelchen Schwierigkeiten gegeben. Anders aber wurde es seit dem I. 1848 und 1849,seit welchem Jahre auch diese Verhältnisfrage oft aufgeworfen wurde, nachdem in dertheologischen Welt die bis dahin mehr zurückgehaltenen Verhandlungen über das kirch-liche Amt mit Lebhaftigkeit in den Vordergrund traten. Die Frage hat nur insofernein Interesse, als je nach ihrer Verneinung oder Bejahung und nach der Art derselbennicht wenige Geistliche sich verschieden zu den Rettungshäusern gestellt haben und auchheute die Zahl derer noch immer nicht ganz gering ist, die von Rettungshäusern nichtswissen wollen,Weil sie nicht kirchlich sind" oder die sich solche Stellung zu ihnen geben,daß sie dieselben kirchlich gestalten wollen." Die Frage ist also wenigstens hie undda nicht ganz ohne praktisches Interesse, da sie an einigen wenigen Stellen die Existenzder Anstalten in Frage gestellt hat und noch in Frage stellt. Es giebt, wenn auchnur einzelne Anstalten im nördlichen Deutschland, wo Geistliche sich grundsätzlich nichtmit einer in ihrer Gemeinde gelegenen Anstalt befassen, weil sie nicht von der Kirche, d. h.nicht von ihnen ausgehen. Die Frage darf deswegen hier, wo es sich um den Stand derAngelegenheit in der Gegenwart handelt, nicht ganz mit Stillschweigen übergangenwerden, wird sich aber für den Unbefangenen ohne erhebliche Schwierigkeit erledigenlassen. Freilich gehen wir dabei nicht, wie diese Geistliche der evangelischen Kirche vondem katholischen Grundsätze eines Hirscher (a. a. O. S. 13 f.) aus, nach welchem dieOrganisation selbstverständlich nur vom Bischof ausgehen muß und nur von ihm lebendigerhalten werden kann, danur Er in seinen in alle Gemeinden ausgegangenen Seel-sorgern in allen Gemeinden gegenwärtig ist, nur er durch diese Seelsorger diese Kinderaufsuchen und aufzeichnen, nur er diesen Anstalten Vorsteher und Erzieher geben kann"u. s. w. Nach evangelischer Ordnung sind die im Glauben der Kirche gegründetenund geleiteten Anstalten, von wem sie auch ausgegangen sein mögen, für alle, die ihrerpflegen, kirchliche Anstalten, aber nicht in dem Sinne, als ob sie von der organisirtenKirche gestiftet, durch sie beamtet und deswegen auch von ihr aus kirchlichen Mittelnerhalten werden müßten. Ja die Kirche ist, wenn man diese Forderungen näher be-leuchten wollte, sowohl zu dem einen wie zu dem andern unfähig. Woher wollte sie, dieKirche als solche, die persönlichen und dergleichen Mittel zu irgend welcher derartigerUnternehmung nehmen? Freilich haben einzelne evangelische Geistliche viel, und hie