Druckschrift 
7 (1869) Reinlichkeit - Schule
Entstehung
Seite
417
Einzelbild herunterladen
 

Rettungsanstaltcn. XII.

417

sonen möglichst bekannt sind, die verschiedensten Ansichten verlauten und zuletzt Ver-handlungen entstehen können, deren Resultat sein muß, daß das Veste sein würde,über alles darauf bezügliche zu schweigen und das Urtheil dem zu überlassen, derallein ins Verborgene zu sehen im Stande ist. Als Bestes würde sich demnach er-geben, von aller Zahlenstatistik auf diesem Gebiete abzusehen. Und das ist wirklichdie Ansicht, welcher die meisten, die wissen, was für Aufgaben einem Rettungshausegestellt sind, beipflichten. Dagegen könnte es passender erscheinen, eine Realstatistik zuversuchen, welche in einer Reihe von Gesammtbildern die späteren Verhältnisse vonentlassenen Zöglingen aufstellte. In solchen Bildern könnte dann freilich übergenügenddargethan werden, was für ein Reichthnm von guten Früchten aus der Arbeit einesRettungshauses im Verborgenen und Offenbaren herauswächst; es würde nicht schwersein, zu zeigen, wie viele gute Bürger und achtbare Personen des verschiedensten Be-rufes, wie viele christliche Familien, wie viele treue Menschen, die ein Segen für ihreUmgebung sind und für sich selbst durch Gottes Gnade ein gereinigtes Gewissen wie-dergefunden haben, aus diesen Anstalten hervorgehen. Allein so reiche Zeugnistemancher, auch Schreiber dieses dafür aufstellen könnte es würde dennoch das Be-denken wiederkehren, ob solche Beispiele nicht lauter einzelne Fälle seien, während die-jenigen, welche mit ernster Aufmerksamkeit auch die umfangreiche Arbeit sehen, mehrGewißes wissen und hören wollen, sei es auch nur um Zweifler zufrieden zu stellenund das Maß der daran gewandten Opfer zu rechtfertigen. So tritt also trotz allerjener Einwendungen der Wunsch nach Zahlen immer auf's neue wieder in den Vor-dergrund. Soll deswegen dieser Anforderung genügt werden, so muß jenes tiefereMaß der Beurtheilung nicht festgehalten, sondern muß ein Maß angenommen werden,das m Zahlen sich ausdrücken läßt. Die Frage zielt dann nicht mehr auf die Ge-sinnung, sondern auf die in die Augen fallende Darstellung eines bürgerlich gerechtenLebens. Indem wir uns darein' fügen, entsteht aber eine andere Schwierigkeit, weildie Quellen fehlen, aus denen solche Angaben entnommen werden könnten. Die Jahres-berichte nämlich, die einzigen literarischen und zugleich amtlichen Quellen, aus denensolche Nachrichten über Rettungshäuser zu entnehmen wären, enthalten über diesenPunct aus verschiedenen Gründen, wenn überhaupt etwas, doch immer nur mehr All-gemeines, aber nie, oder nur selten einmal umfassendere, weiter rückwärts blickende Zahlen.Es blieb also dem Verfasser vorläufig nichts übrig, als sich mit einem Th eile der ihmzugänglichen Rettungshäuser direct in Verbindung zu setzen, um eine statistischeGrundlage zu gewinnen, auf der, als einem aus einem erheblichen Theilc des Ganzengewonnenen Resultate, ein nicht leicht anzuzweifelnder Schluß auf das Resultat desGanzen gemacht werden kann. Das so gewonnene Ergebnis theilen wir weiter untenmit. Diese Vorlage wäre noch umfassender geworden, wenn alle dafür in Anspruch ge-nommenen Anstalten die gestellten Fragen beantwortet hätten. Da uns überdies bisjetzt kein derartiger Zugang zu irgend einer bisher begründeten, in der oben H. II an-geführten Uebersichtbezeichneten ungefähr LOrömisch-katholischen Rettungsanstalten Deutsch-lands eröffnet ist, haben wir uns ausschließlich an evangelische Anstalten deutscherZunge halten müßen. Es existiren deren ungfeähr 320; da im Nachfolgenden eine Re-sultatsübersicht über 79 Anstalten hat gegeben werden können, so repräsentiren dieseungefähr 80 Institute genau den 4. Theil aller im deutschen Sprachgebiete liegendenRettungshäuser. Die Bedeutung der gegebenen Zahlen ist um so ersichtlicher, da diehier zusammengefaßten aus dem weitesten Umkreis entnommen sind. Es ist in ihnendas ganze Deutschland und im Nordosten noch das Bereich der russischen Ostseepro-vinzen, im Süden die Schweiz und zwar aller Orten in bekannten und geachteten An-stalten vertreten. Zu bedauern ist, daß einige der größeren Anstalten entweder nichtgeantwortet oder sich außer Stand erklärt haben, solche Angaben zu machen. Der beidieser Uebersicht angelegte Maßstab hat, wie schon bemerkt, den Gradmesser christlichenPädag. Emyklopiidic. VII. 27