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Rcttrnigsai,statten. XII.
der Entlassung ans dem Rettnngshanse für gewöhnlich das volle Gegentheil von dem,was sie bis dahin im Rettnngshanse erfahren haben, namentlich die Sittenlosigleitihrer beruflichen und gesellschaftlichen Umgebung und die Glanbenslosigkeit der Häuserund Lebenskreise, in die sie hineingerathen, und nicht selten die schamloseste Befehdungalles dessen, was ihnen bis dahin als heilig und als eine rettende Lebensmachtbekannt geworden, in erschreckender Weise entgegen. In dieser verderblichen Art wirkennicht bloß die nächsten oder fernen persönlichen Umgebungen, sondern auch so vieleLocalblätter, die in unfern Tagen von jedermann, auch von diesen entlassenen Zöglingen(sie finden sie, wenn sie in großen Städten wohnen, in jedem Hause, in dem sic ver-kehren) gelesen werden. In ihnen tritt an diese Kinder die ganze Macht der öffent-lichen Meinung heran, die, wie oft! in der geringschätzigsten Weise über Gott undseine Offenbarung, über sein Lieben und seine Gnadenthat in Christo und über gött-liche und himmlische Dinge sich vernehmen läßt und zu Zeiten auch solche Personenund Sachen, die den Zöglingen bis dahin achtnngswerth und zu Dank verpflichtenderschienen, mit Spott, Verachtung und Verleumdung behandeln. Anderntheils begegnetihnen nicht selten in vielen christlichen Häusern das Uebermaß der Anforderungen, dieman an Kinder, die aus Rettnngshäuscrn kommen, glaubt stellen zu dürfen. Wieein württcmbergischer Bericht klagt — und viele Berichte aller Länder klagen mit ihmoder könnten mit ihm klagen — nur „halbe Engel" will man in diesen Kindern sehen,die in keinem Punete mehr fehlen dürfen, weil sie in jedem Augenblick den Beweis zustellen haben, daß das Rettungshans verstehe, seine Aufgabe zu lösen. Es ist daneben aberauch die andere Erfahrung nicht zu verschweigen, daß leider oft die Eltern, nächstenVerwandten und "Vormünder selbst für die Kinder diejenigen sind, die am meistenund grundsätzlich dazu thun, die zarten Glaubenswurzeln wieder aus den Herzen zureißen. Selbst in den Häusern der Eltern, auch in denen der „gebildet" sich nennenden,hören die Kinder nach ihrer Entlassung das Pietismus und Aberglauben schelten, wasim Rettnngshause ihnen als der Weg zum ewigen Leben dargeboten worden.Ja, es kommt vor, daß die Eltern von ihnen fordern, sich fortan nicht mehr der „heiligen",sondern der „fröhlichen" Welt gleichzustellen, um nun, nachdem sie „gebessert", imElternhause ihres Lebens wieder froh zu werden. Das Band mit dem Rettnngshansewird in solchen Fällen absichtlich zerschnitten und den Kindern aller, mitunter selbstbrieflicher Verkehr mit demselben verboten. Sind das auch, Gott Lob, keineswegs dieeinzigen Erfahrungen, so kommen sie doch auch nicht selten vor, oder wiederholen sichim wesentlichen in der verschiedensten Gestalt in den Häusern der Herrschaften, Lehr-herren und in der Gemeinschaft der Arbcitsgenossen, namentlich der Gesellen in Werk-stätten und Herbergen. Und wo dies alles nicht wäre, begegnet den Ansgetretenenzu allermeist bei denen, die sie in Dienst und Lehre nehmen, doch die dnrchgebildeteGleichgültigkeit am Seelenheil überhaupt und an dem ihren, dem der Kinder inbesondere;das bcdauernswerthe Gegentheil jener andern Praxis in christlich gerichteten Häusern,in denen ein vielfach krankhaftes, oft gesetzliches Christenthum im Widerspruch mit dem,was die Kinder im Rettnngshause kennen gelernt, vielleicht ebenso schädlich wirkt.Die Gesammtheit dieser Verhältnisse muß man sich vergegenwärtigen, wenn von denentlassenen Zöglingen, die aus der Anstaltsfamilie ausgetreten sind, und ihrer Beauf-sichtigung die Rede sein soll. Begreiflicher Weise hat in allen derartigen Fällendie Aufsicht und der fortgehende seelsorgerische Verkehr mit den Kindern, wo beidesüberhaupt noch gestattet wird, einen harten Stand. Am günstigsten gestaltet sich dieBeaufsichtigung bei einem Theil männlicher und weiblicher Zöglinge für solche Anstalten,die in der oben (Abschnitt V.) angegebenen Nähe großer Städte angelegt worden, vor-ausgesetzt, daß nicht die Confessionsverschiedenheit zwischen Anstalt und Stadt (die z. B.die evangelische Anstalt Düsselthal von der daran grenzenden katholischen Stadt Düssel-dorf in hohem Maaße abtrennt) diesen Vortheil wieder aufhebt. Wo das Verhältniszwischen beiden Stellen das günstige ist, können die Knaben bei Handwerksmeistern