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Religionsunterricht in höheren Schulen.
finden dabei noch sehr verschiedene Methoden statt, so ist bei einem Unterrichte von sowenigen Stunden wenig Frucht zu erwarten. Man concentrirt nicht bloß dadurch, daßman viele Stunden in einer Classe in dieselbe Hand legt, sondern auch dadurch, daßman denselben Gegenstand durch mehrere aufeinander folgende Classen demselben Lehrerüberträgt. — Eine allein gültige Methode*) wird sich aber für die Wahl der Neli-gionslchrer nicht aufstellen lassen; die individuellen Verhältnisse erfordern hier besondersgenaue Beachtung. Aber das kann man verlangen, daß dieser wichtigste Lehrgegen-stand nie einem Manne vertraut werde, der die Religionslectionen als Nebenstundenabmacht. Hat der Religionslehrer (vgl. E. Haupt: Langbein. Archiv a. a. O. S. 164)aber im Glauben echte Begeisterung für sein Fach, neben gründlichem Wissen auch dienöthige Geduld und ein Herz und Auge für die Bedürfnisse seiner Schüler, so wirdes ihm an Segen nicht fehlen, selbst wenn er ihn oft so bald nicht verspürt.
VII. Die Arbeit des Lehrers wird auch bei der besten Methode erleichtert durchzweckmäßige Lehrmittel. Nach unserem Plane ergeben sich als nothwendig für denSchüler: Bibel, Katechismus, Gesangbuch (wo möglich das des Ortes, sonstwohl am einfachsten die „80 Kirchenlieder", **) dazu in den unteren Classen, worüber heutekaum noch Streit ist, eine bibelgetreue b ibl is ch e G esch ich te, am besten eine solche, welcheAntiquarisches und Geographisches, (wie N. Graßmann) auch Repetitionsfragen für diehöheren Schulen verarbeitet hätte. Außerdem wird wenigstens für die oberen Classenein Leitfaden***) nöthig sein, um nicht mit Dictaten anfznhalteu: dennzu den Repe-titionen muß der Schüler einen festen Anhalt haben; für die mittleren ist ein solchereher entbehrlich. Der Leitfaden müßte die Heilsgeschichte, Andeutungen zumVerständnis einzelner Bücher, vielleicht auch Winke für den Katechismus,jedenfalls den Text der Augustana und der 3 ökumenischen Symbole mithistorischer Einleitung und eine Skizze der Kirch engeschichte ch) (nach dergewöhnlichen Anschauung auch eine Glaubenölehre) enthalten, ferner eine Ileber-sicht über Kirchenjahr))) und Cnltus, sowie Andeutungen zur biblischen.Geographie (nebst Karte). Am meisten entspricht diesen Forderungen bisher Hollcn-bergs Hülfsbnch, das ganz wohl von Quarta an benutzt werden kann. BiblischeBilder (z. B. von Schnorr) und Wandkarten (z. B. von Kiepert, für Klei-nere von Handtke) treten in der Schule hinzu. Die Lnthersche Bibel mit Revi-sion S noten zu versehen und so dem Schüler zu geben, möchte ein beachtenswcrtherVorschlag sein; aber dabei muß man mit vieler Behutsamkeit vergehen.
Brauchbare Bücher sind schon zu Ende des geschichtlichen Rückblicks aufgcführt.Für den Lehrer ist es wünschenSwerth, bestimmte Hülfsmittel zu haben, da es ihmoft an den ausreichenden Bibliotheken fehlen wird, er auch nicht immer Zeit habenkann, zu einzelnen Stunden eine Menge von Büchern zu studiren. Doch wird hiernoch auf mancherlei praktische Thätigkeit zu rechnen sein, indem einzelne Lehrer sich
*1 Pastoren mit dem Unterrichte zu betrauen ist freilich immer als Nothsache anznsehen,.da sie dem Collegium und der Anstalt doch zu ferne stehen werden.
**) Scheffers Schnlgcsangbnch (Leipzig 1864) hat zu viel Ncndernngcn, empfiehlt sich aberdurch Hinweisungen auf die betreffenden Bibelstellen. Ein anderes Schulgcsangbuch von Blume(zugleich für das Hans) erschien 1842 und ist jüngst neu aufgelegt.
Zum Gebrauche bei der Repetition der gelesenen Schriftabschnitte für mittlere Classen undals Grundlage für den Vortrag der Heilsgeschichte in den oberen ist im August 1867 erschienenein sebr knapper „Grundriß der bibl. Gesch. von M. Stier."
)) Besondre Leitfäden der Kirchengeschichte von Knrtz und Lohmann. — Die Tabellenvon Uhlemann (Berlin 1815) sind allzu überladen für Schüler.
))) Das Kirchenjahr ist für Schüler in einem Leitfaden von Scheffer behandelt. Leipzig 1884,dis Liturgie populär in einem Separatabdrnck ans den „christlichen Vcrcinsberichten" 1863 Nr. 1—3.Der cmpfehlenswerthe Aufsatz ist znm Particnpreise von ',2 Sgr. von dem Pastor Straubein Falkenhagen bei Petershagen in der Mark zu beziehen.