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7 (1869) Reinlichkeit - Schule
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Religionsunterricht in höheren Schulen.

Mit Religionsaufsätzen wird man vorsichtiger zu verfahren haben, obwohles ja ganz statthaft ist auch für die deutschen Aufsätze die Themata mitunter aus derReligionslehre nicht minder wie aus der Weltgeschichte oder dem Bereich der altclassischenLectüre zu entnehmen, zumal wenn mehrere Aufgaben zur Wahl gestellt werden.*)Häusliche Aufsätze in den Religions stunden anfzugeben erscheint mir bedenklich,da ohnehin die Primaner mit Aufgaben oft zu viel belastet sind, so daß sie zu dem soanfrischenden selbständigen Arbeiten nicht Zeit behalten. Eben so möchte ich die all-gemeine Einführung **) von Religionsaufsätzen bei der Abiturientenprüfun g, wiesie (wohl durch den Einstuß der katholischen Kirche) in der Rheinprovinz, in West-falen und Bayern üblich sind, doch Widerrathen, da jenes Examen ohnehin weitläufiggenug angelegt ist. Ein tüchtiger Lehrer wird es auch zu etwas befriedigendembringen ohne besondere Abgangsprüfung, wie vielfache Erfahrung es bestätigt. Daßaber der Religionsunterricht bei dem mündlichen Abgangsexamen nicht minder alsbei sogenannten öffentlichen Prüfungen, bei welchen die Freunde der Schule Gelegen-heit erhalten, die Leistungen derselben kennen zu lernen, nicht unvertreten bleibe, erscheintals durchaus berechtigt. ***) Die hier und da vorkommende Besorgnis vor solcher Prü-fung muß, wie es uns bedünkt, wenn sie nicht aus Gleichgültigkeit oder Feindschaftgegen die Religion stammt, lediglich auf einer Begriffsverwechselung beruhen, indemman sich Prüfung in Neligionskenntnissen nicht getrennt von einem inquisitorischenForschen nach dem Herzensglauben vorzustellen vermag. Wie verwerflich das Letzteresei, brauchen auch wir nicht erst zu sagen.

Zum Abschluß dieses ganzen Abschnittes noch die Mahnung, wenn irgend möglich,nicht Combinationen im Religionsunterrichte eintreten zu lassen, wie denn über-haupt übervolle Elasten oder Abtheilungen von Schülern erheblich verschiedener Bil-dungsstufen als ein sehr bedeutendes Hindernis für den Unterricht angesehen werdenmüßen. „Bloß die beiden untersten Elasten etwa, in welchen 10—12jährige Knabensitzen, können wohl ohne großen Nachtheil combinirt werden. Äst es aber unmöglich,die Eombinationen ganz zu beseitigen, weil es an ausreichenden Lehrkräften fehlt, wasnamentlich bei Gymnasien eintritt, wo nur wenige evangelische Schüler sind, so müßendie Combinationen doch möglichst gleichartige Schüler umfassen."

IV. Umfang und Bertheilung des Lehrstoffs. Aus dem Zweck desReligionsunterrichts muß sich der Umfang des in ihm mittheilbaren Lehrstoffs be-stimmen und mit Rücksicht auf den Standpunct der einzelnen Elasten in kleinere Pensasondern lassen. Hatten wir nun oben als Ziel des gesammten Unterrichts in dieser

*) So habe ich außer Predigtreferateil die weltgeschichtliche Bedeutung Israels, die Zeit derWiederherstellung eines jüdischen Gemeinwesens nach der babylonischen Gefangenschaft sowie (metrisch)den Tod Simsons in Prima behandeln lassen und in Tertia folgende Aufgaben gestellt: Ge-schichte der Reformation bis zur Uebergabe der Augsburger Confesston (Classenaufsatz); Johannesder Täufer als Vorläufer Jesu und (für die 1. Abtheilung) Kindheit und Jugend Jesu alsVorbereitung für seinen Erlöserberuf; die Geschichte der Siindflut nach 1. Mos. und für die 1. Ab-theilung Vergleich der Siindflutsgeschichte nach 1. Mösts und nach Ovid; (für die 1. Abth.)vergleichende Skizze des Heldenlebens des Simson und des Hercules; Erzählung und Erklärungdes Gleichnisses vom verlorenen Sohn und (für die 1. Abth.) welchen Gang wird das ReichGottes nehmen? dargestellt nach den Parabeln Matth. 18; zur Privatbearbeitung empfohlen:die Entrückung Heuochs nach dem Muster von Herders Tod des Moses, worauf ich eine sehransprechende Arbeit erhielt. — Aehnlich haben sich Schüler und Schülerinnen häufig bereit findenlasten zu freiwilligen Vorträgen, namentlich ans der Missionsgeschichte (z. B. über Williams unddie weitere Mission in der Slldsee), wie zum freiwilligen Memoriren von Perikopen, anderenzusammenhängenden Bibelstellen und Kirchenliedern.

**) Dringend verlangt von M. Stier und schon früher von Bouterwek, welcher dadurchzugleich der Kirche ihr Anfsichtsrecht über den Religionsunterricht erleichtern will. Sollte dasnicht auch anders sich genügend ausüben lassen?

***) S. unsere obige Anmerkung. D. Red.