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7 (1869) Reinlichkeit - Schule
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Religionsunterricht in höheren Schulen.

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Disciplin auf höheren Schulen eine bewußte Aneignung des Kirchcnglaubens, wenigstensmit dem Verstände, in einer der sonstigen Bildung des Zöglings gleichartigen Weisezu bezeichnen: so muß natürlich der kirchliche Glaube, die Lehre der kirchlichen Kon-fession jedenfalls Gegenstand des Unterrichtes sein, derselbe auf allen Stufen kirchlichgehandhabt werden. Nun stützt sich aber die evangelische Kirche gänzlich auf die heiligeSchrift als auf ihre Norm, und in steter Beziehung auf die heilige Schrift entwickelt,bereichert, gestaltet sich ihr Glaube: darum muß noch mehr die Bibel, eben weil sienormatives Ansehen besitzt, Gegenstand der Belehrung sein. Der Schüler muß zueinem gründlichen selbständigen Studium derselben angeleitet sein und sie theilweisewirklich lesen und in ihrer Uebereinstimmung mit dem kirchlichen Bekenntnis verstehen.Die Bibel ist aber eine Sammlung geschichtlicher Urkunden, welche eine in sich zu-sammenhängende Geschichte des Heils in organischer Entwicklung enthalten. Darum willsie nicht bloß in einzelnen Theilen gelesen sein, sondern ihr geschichtlicher Gesammt-inhalt muß möglichst quellenmäßig dargestellt werden: die Bibellectüre muß imSinne der Bibel selbst getrieben zur Heilsgeschichte hinführen, wie sie andrerseitsmit den kirchlichen Bekenntnissen zusaimnengehalten sein will, vor allem mitden gangbaren, welche wirklich Eigenthum der Gemeinden geworden sind d. h. zuerstmit dem ja auch für die Jugend ganz besonders bestimmten Katechismus derOrts gemeind e, also in den östlichen Provinzen Preußens, in dem größten Theilvon Hannover, in Mecklenburg, Sachsen, Bayern (außer der Pfalz) und sonst ohneFrage mit dem kleinen Katechismus Luthers, der ja auch noch immer alsSchulbuch Geltung hat. Daran würde sich vor allem, wenigstens für einen ge-reifteren Standpunct, die Augsburger Confession anschließen, da sie als Grund-symbol der Protestanten gelten darf und am meisten übersichtlich gehalten ist, auch beiden Reformirten Anerkennung gefunden hat. Es versteht sich, daß in reformirtenLändern leicht der H eidelberger Katechismus, in Landschaften mit Consensus-union, wie sie in Westfalen und am Rhein zumeist herrscht, noch mehr in Nassauund Baden, der Unionskatechismus an die Stelle des lutherischen treten wird,wie ein solcher z. B. in Baden erschienen, ein anderer von der rheinisch-westfälischenSynode herausgegeben ist. *) Die gegenwärtige Lage der Kirche ist aber eine ge-schichtlich gewordene, nicht etwa so in der heiligen Schrift aufzufinden. Deshalb be-darf es einer kirchen geschichtlichen Darstellung, um zu erkennen, welche Be-dingungen auf die Herstellung der vorhandenen Form der Kirche und ihres Bekennt-nisses von bestimmendem Einstuß gewesen sind, weshalb zuvörderst vorzüglich dieReformationsgeschichte der Behandlung Werth erscheint, namentlich für uns,die wir auf seinen Katechismus angewiesen sind, das Leben Luthers, sodann, dadie evangelische Kirche nichts anderes sein will als die Fortsetzung der apostolischen,eine gründliche Darstellung des apostolischen Zeitalters, welches ja typischund normativ ist für alle Folgezeit, mithin selbst noch das Reformationszeitalter anBedeutung übertrifft. Weiterhin lebt die Kirche jetzt ein Leben in eigenthümlichenFormen, in denen schon der junge Christ aufwächst: er macht mit derselben ihrKirchenjahr durch und kann nur in ihrer Gottesdienstordnung mit ihren Kirchengesängenseine öffentliche Erbauung finden: demnach will auch eine Erörterung des Kirchen-jahrs und der Liturgie, sowie die Einführung in den kirchlichen Lieder-schatz ihre Stelle in dem Lehrplan finden.

„Wo bleibt dann aber der systematische Unterricht in Dogmatik undEthik, sowie der in der Symbolik?" so höre ich manchen Leser fragen. Syste-

*) Doch Vilmar bei Huther S. 6ö: Ja selbst die reformirte Kirche wird, wenn sieanders sich und das Bedürfnis ihrer Glieder kennt, sich für den Primärnnterricht diesem ans deraltchristlichen Kinderlehre gebauten Katechismus Luthers zuwenden, wenn sie auch für die höherenStufen des Unterrichts den Heidelberger Katechismus, dieses köstliche'Probebuch eines erfahrenem(nicht eines noch zu erziehenden) Christen, benutzt.