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Religionsunterricht in höheren Schulen.
Steht es so schon mit dem Gottesdienst, so wird eine Schulcommunion erstrecht nicht befohlen werden können. ^) Das wäre ein Frevel am Heiligthum; **) mansoll eben nicht die Absolution stehlen und die Perle vor die Säue werfen: die Worte„für euch" erfordern eitel gläubige Herzen. Entsetzlich für ein protestantisch Gewissen,zu hören, daß zum Sacrament des Leibes und Blutes Jesu Christi, in dem wirdoch nichts wollen als hinnehmen und empfangen, aufgefordert wird als zu einem„guten Werk," oder die Anordnung zu vernehmen: „An der Schülercommunion nehmendie confirmirten Schüler Theil," die wohl gar zur Rede gestellt und bedroht werden,wenn sie ferne bleiben. Erfreulich ist es, daß demgemäß schon bei der ersten pomme-rischen Directorenconferenz (vgl. das Protokoll S. 62 ff.) hervorgehobenward, die Schule sei freilich eine Gemeinschaft, deren Gedeihen auf christlichem Geisteberuhe, und werde daher, wenn sie wirklich christlich sei, auch auf Abendmahlsbesuchals etwas dem Christen natürliches Hinweisen; aber das ganze Verhältnis sei so zart,daß es nicht durch Zwang, sondern nur im Geiste der Freiheit Förderung gewinnenkönne. Die Schule werde durch Locken und freundliches, echt seelsorgerliches Ziehenund durch Festsetzung einer Communion für Lehrer das ihrige thun, an welche sichSchüler anschließen können. So feiert z. B. das Stettiner Gymnasium jährlich eingemeinsames Abendmahl, zu dem der Director die, welche sich innerlich dazu bereitfühlen, auffordert. Hören wir zum Beschluß über diesen Punct noch die classischenWorte Luthers in der Vorrede zum kleinen Katechismus:^) „Wir sollen niemandzum Glauben oder Sacrament zwingen, auch kein Gesetz noch Zeit noch Stätte be-stimmen, aber also predigen, daß sie sich selbst ohne unser Gesetz dringen und gleichuns Pfarrherren zwingen das Sacrament zu reichen, welches thut man also, daßman ihnen sagt: Wer das Sacrament nicht suchet noch begehret zum wenigsten einMal oder vier -s) des Jahres, da ist zu besorgen, daß er das Sacrament verachte undkein Christ sei; gleichwie der kein Christ ist, der das Evangelium nicht glaubet oderhöret."
Bis dahin haben wir von Förderungsmitteln gesprochen, welche sich naturgemäßaus dem Geiste des Glaubens ergeben. Vielleicht bieten sich außerdem mehr äußer-liche Einrichtungen als zweckmäßig dar, deren sich der Unterricht überhaupt zurgrößeren Belebung des Interesses bei den Schülern bedient.
Da liegt zunächst das namentlich in unteren Elasten so viel angewandte Certiren.Gewiß, dasselbe spornt und regt an, aber auf Kosten der echten Sittlichkeit, für welcheWeckung des Ehrgeizes ein unberechenbarer Schade ist, wie das Nägelsbach(Gymn.-Päd. S. 55 ff.) so fein ausführt. Für die Religionsstunden erscheint esdoppelt verwerflich, da es leicht die denselben nöthige Weihe zerstört und die Be-theiligung gar zu äußerlich macht. Das scheint man auch in Bayern zu fühlen, wo(s. Bd. I S. 453) bei der Berechnung der Fortschritte zur Ermittelung des Locations-
ligionsnnterricht auf den Gymnasien S. 1—84) 1838, S. 15. Die Schrift ist überhaupt nochsehr lesenswertst.
Bgl. die hiemit nicht völlig übereinstimmende Darstellung in dem Art. Abendmahl. D. Red.
**) So habe ich mich schon 1865 auf der erwähnten Charlottenburger Versammlung aus-gesprochen, ebenso in den damals anonym veröffentlichten Bemerkungen „über Schulcommunionen"Ltschr. f. d. Gymn.-Wes. 1366, S. 72 f. Vgl. auch das vortreffliche, innige Commnnionbuchvon Franz Delitzsch.
Sie ist abgedruckt z. B. in der Ausgabe des Katechismus (mit Bildern von Sp eckter),welche 1859 im Rauhen Hause erschienen ist. Vgl. S. 4 f.
D D. h., wie Vilmar in seinen pastoraltheologischen Blättern schlagend nachgewiesen hat,
etwa viermal. Wir vergleichen 1 M. 24, 55, wie Luther Q'Q* <8spt.: Mk'p-rx
chskl ök'xce. Vulg. saltom ckscsm äios) „einen Tag oder zehn" übersetzt. — Der lat. Texteinfach: guutsr sä Minimum.