Religionsunterricht in höheren Schulen.
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Außer Disciplin und Unterricht verdient die Schulandacht hier eine besondereErwähnung.*) Hat der große Erlanger Theologe v. Hofmann volles Recht, inseinem Schriftbeweise als erste Bethätigung des christlichen Verhaltens das Gebet zubezeichnen, so kann es keinem Zweifel unterliegen, daß eine christliche Schule dasBedürfnis hat, sich in gemeinsamem Gebete zu Gott zu erheben, weshalb wenigstensin den einzelnen Elasten zu Anfang und Schluß des Schultages, sowie bei dem Be-ginn **) jeder Religionsstunde gebetet werden soll, am besten wohl vom Lehrer, da dieSchüler es gar zu.leicht ohne alle Würde bloß abmachen. Da aber die gesammte Schuleeinen Organismus bildet, so dürfte es am angemessensten sein, der Sitte einzelner Schulenzu folgen, welche tägliche***) Morgenandachten für den gesammten Cötus abhalten. Ueberdie nähere Einrichtung derselben wollen wir hier nicht streiten, wofern nur in einerden Schülern zugänglichen Weise Christus damit verkündigt wird.Am Ende wie am Anfang der Woche wird es sich empfehlen, wenn man auch sonstetwa auf Gesang und Gebet, vielleicht noch auf würdiges Vorlesen einer Schrift-stelle sich beschränkt, auf die Zeit des Kirchenjahres hinzublicken und auf die festgesetztenPerikopen einzugehen, auch bedeutsame Ereignisse im Leben der Schule, wie Abiturien-tenprüfungen, der Tod eines Schülers u. dgl., sowie wichtige Begebenheiten im Vater-lande, z. B. Kriegsgefahr und verheerende Seuchen, nicht zu übersehen.
Selbstverständlich sollen die Schulgottesdienste der Schüler nicht vom Kirchen-besuch abhalten (s. den Art.) und dem Gemeindebewußtsein entfremden. Im Gegen-theil wird die Schule nicht anders können, als den Besuch des Gottesdienstes (wirsagen absichtlich nicht bloß der Predigt) ihren Schülern dringend empfehlen,-s) weileinem Christen derselbe ebenso sehr Bedürfnis und Erquickung, als Pflicht und Förde-rung ist; denselben anznordnen und zu überwachen scheint uns nicht gerathen, weilman dadurch gar zu leicht mit den Eltern in Conflict gerathen möchte und wirklichin deren Rechte eingreifen dürfte, ^-s) In größeren Städten ist ohnehin solche Maß-regel unthunlich; anders steht es freilich mit Alumnaten, welche ja die Stelle derFamilie zu vertreten haben. Doch scheint auch hier liebevolles Locken evangelischerals unbedingter Zwang. Denn was läßt sich schlimmeres denken, als daß man denGottesdienst dem jungen Menschen zum oxns oxsrutnm werden läßt und ihn vielleichtmittelbar zu Heuchelei und Unfug verleitet? s-j-s)
sie oft gerade das Entgegengesetzteste lehrten; ermahnt aber, wie schon einst der berühmteBengel, nur immer das reine Evangelium zu predigen, endlich bringe es doch seine Frucht;denn Gottes Wort solle nicht leer zurückkommen."
*) S. den Art. Schulgottesdienst. D. Red.
**) Ein würdiger College sagte mir, er bete auch zu Ende jeder Religionsstunde; sei er nichtdazu gestimmt, so halte er die Stunde für verloren.
***) Dagegen Hu ther S. ISS, welcher fürchtet, es werde dadurch vielleicht für die meistendie Andacht eine bloße Sache der Gewohnheit werden, welche gegen die Macht des Wortes undGebetes abstumpfe.
s) Natürlich sollten alle Lehrer ein gutes Beispiel geben, namentlich Religionslehrer undDirectoren. In Bayern sind (s. d. Art. Bd. I, S. 4S0) Schüler und (seit 1850) Lehrer zuregelmäßigem Kirchenbesuch verpflichtet.
s"f> Wir sind freilich in Deutschland in dieser Beziehung auf ein Extrem der Freiheit gerathenund wir möchten daher an das treffende Urtheil von Wiese (Deutsche Briefe S. 107) erinnern,der dem Borwurf, welchen man den Engländern macht, ihr Beten sei eine Gewohnheitssach e undihre Kirchlichkeit eine mechanische, die Frage gegenüberstellt: „Wohin hat uns das entgegengesetzteStreben, die Scheu vor Form und Gebot, das Pochen auf subjective Geistesfreiheit gebracht?Es hat vor allem dem Familienleben den Segen religiöser und kirchlicher Sitte genommen, dieman nun von außen wieder hineinzubringen sich bemüht. Das ist es eben, was man in Englandweiß und glaubt, daß mit der Form zu leicht auch der Geist entflieht, daß aber die Geboteden auch halten, der sie hält." D. Red.
sff) Dgl. Axt, Ueber den Zustand der heutigen Gymnasien (I. Gedanken über den Re-