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Religionsunterricht in höheren Schulen.
Roepe*) stellt Schiller dem Christenthum doch zu nahe hin. Daß man sehr wohl eineauf gründliche Kenntnis gestützte Begeisterung für vaterländische Sprache und Literaturhaben kann, ohne das Christenthum irgend zurückzustellen, hat Vilmar**) in seinerLiteraturgeschichte glänzend bewiesen, welche darum billig für den Unterricht sorgsamausgebentetwerden sollte.***) Wie nöthig ist doch für den unreifen Gymnasiasten derCompaß kräftiger Charaktertüchtigkeit auf dem wüsten Meere der neueren Literatur,Wenn er sich nicht verirren oder gar Schiffbruch leiden soll. Es ist von allergrößterWichtigkeit für die religiöse Erziehung, daß der Primaner auch im Deutschen angeleitetwerde, vor den Heineschen Gemeinheiten zurückzuschaudern und in Geibel, Gerok u. a.Dichter zu erkennen, welche nicht etwa trotz ihres Christenthums, sondern in ihrerchristlichen Gesinnung auch als Dichter groß sind. Und Schriften wie Lessings Nathanoder seine Erziehung des Menschengeschlechts soll man dem Primaner ebenso wenigbloß rühmen, als sie ihm entziehen,)-) wohl aber in das rechte Licht desChristenthums stellen,)-)-) weil diese Schriften so sehr in das allgemeine Bewußtseinder Gebildeten eingedrungen sind. Endlich wäre zu erinnern, daß der hebräischeUnterricht durch rationalistische Bemerkungen in der Weise des Lesebuchs von Geseniuseben so schaden kann (vgl. den Art. von Oehler, Bd. III, S. 378), wie er durch rechteGehaltenheit und liebevolles Eingehen auf den Inhalt der Religionslection zu dienenvermag. So wird namentlich der theologisch gegründete Lehrer bei der Lection derPsalmen in Prima nicht versäumen, ihren tiefreligiösen Gehalt nach Anleitung etwades Commentars von Delitzsch nachzuweisen und Zweifel wegen der Berechtigungder Fluchpsalmen oder der Vorstellung von dem Strafgericht des Messias auch hierkurz widerlegen. — Doch, was wir hier schildern, sind Ideale; in der Wirklichkeitkann man leider Wohl nur selten darauf rechnen, daß das ganze Lehrercollegium einerAnstalt im lebendigen Glauben stehe. Da muß denn aber wenigstens die Forderungmit Nachdruck geltend gemacht werden, daß kein Lehrer, welcher an der nun einmalchristlichen Anstalt wirkt, dem christlichen Religionsunterricht geflissentlich entgegen-arbeite. „Wenn er nichts versteht und kein Interesse für die heilige Sache hat, sobewahre er wenigstens seine Lippen vor frivoler Rede; denn sonst „„wäre ihm nützer,daß man ihm einen Mühlstein an den Hals hängete und würfe ihn ins Meer, denndaß er dieser Kleinen einen ärgere."" (Nägelsbach Gymn.-Päd. S. 162.) Istaber selbst das nicht zu erreichen, was ja in der That vorkommt, so bleibt auch indieser Trübsal dem Christen die freilich schwierige welche zur Herrlichkeit
führt.)--!-)-)
*) Derselbe, welcher eine Rettung Goezes gegen Lessing geschrieben, in der lesenswerthenAbhandlung „Schillers Götter Griechenlands ein Zeugnis für die gute Sache des Christenthums."Abdruck aus dem Progr. der Rcalsch. zu Hamburg 1853.
**) Wir weisen bei dieser Gelegenheit auf Vilmars und Heilands Schulreden hin, diszur Ergänzung unserer Erörterungen verglichen werden mögen, auch auf Heilands Schrift„Zur Frage über die Reform der Gymnasien." 1850, bes. S. 89 ff.
***) Dom christlichen Standpuucte aus wird man doch gegen den auch von Heiland Ref.d. Gymn. S. 89 empfohlenen Leitfaden Webers Bedenken haben, so geschickt das Büchlein sonstgearbeitet ist. Auch das sehr brauchbare Buch von Werner Hahn „Gesch. der poetischen Li-teratur der Deutschen" ist nicht eigentlich christlich zu nennen; aber es zeichnet sich vor Weberdurch maßvolle Objektivität aus.
s) Gegen E. Köpke. Ztschr. f. d. Gymn.-Wes. 1856. S. 181 ff.
-f-j-f Beiträge dazu liefern Beyschl ag „Lessings Nathan d. W. u. d. positive Christenthum,"(Berlin 1863; aber ungerecht gegen das A. Testament und Lessings theologische Bedeutungüberschätzend), K. v. Raumer (Ztschr. f. Prot. u. K. 1864 Juli. S. 74 ff.) und Köpke, imProgr. der Ritterakademie zu Brandenburg 1865. jVgl. d. Art. Lessing, Bd. IV, S. 414. D. Red.)
Vgl. Off. 2oh. 1, 9. — Referat über die Versammlung des evang. Schulvereins zuCharlotteuburg 6. Oct. 1865, S. 4 f. „Prof. Cassel erwähnt der großen Schwierigkeiten,welche dem gläubigen Religionslehrer von ungläubigen College» in den Weg gelegt würden, da