Religionsunterricht in höheren Schulen.
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Unzucht? Das müßte den Gymnasiasten doch beides recht deutlich werden zu Gunstender christlichen Lehre!"*) (Evg. Kztg. 1866. S. 270.) Aber auch Platon, Aeschylosund Sophokles sollen dem Jünglinge nicht als die größten sittlichen Ideale dastehen;vielmehr weise der Lehrer nach, wie dies Hi ecke im Unterricht lebendig entwickelte,daß doch die hellenische Ideenwelt arm und gering ist im Vergleich mit der christlichen,daß z. B. Goethe in seiner Iphigenie den Euripides gutentheils vermöge der christlich-humanen Weltanschauung aus dem Felde geschlagen, die jenem noch nicht zu Gebotestand. (Vgl. Schöne. Ausgcw. Tragödien des Euripides. I. 1851. S. 126. Jung.Jahrb. f. Phil. u. Päd. 1856, II, S. 257. — Zu dem ganzen Abschnitt über diealten Classiker vgl. Evg. Kztg. 1865 No. 25. „Elastisches Alterthum und Christen-thum in unseren Gymnasien," auch Luthardt. Apologet. Vorträge. Bortrag VIII.Seibert: Griechenthum und Christenthum (diese Leiden Bücher auch zur Lectüre fürSchüler sehr empfehlenswertst, endlich NägelsLachs Werke über die homerischeund die nachhomerische Theologie.) Wie nahe liegt weiterhin in der Geschichte desAlterthums und in der Weltgeschichte überhaupt die Gefahr einer Ueberschätzung desMenschlichen, und andrerseits wie leicht wird sie den Gläubigen eine Erläuterung zuder Lehre von der Weltregicrung Gottes. Da möge der Lehrer nicht stehen bleibenbei dem Herderschen Humanitätsstandpunct in seinen Ideen zur Philosophie der Ge-schichte der Menschheit, sondern die Weltgeschichte nach dem Typus der GeschichteIsraels betrachten, wie sie die Königsbücher zeichnen,**) und die großartigen WinkePauli zur Würdigung der Völkergeschichte im Briefe an die Römer oder Apgsch. 14,15—17. und 17, 22—31. beherzigen. „Paulus ist einer der größten Genien, dieGott der Menschheit geschenkt hat, und die Fäden, welche von Petrus und Paulus aus-gehen, sind wichtiger für die Geschichte als die Thaten Cäsars und Karls des Großen."(Worte aus Hieckes Unterricht, dessen Wirksamkeit in seiner Greifswalder Zeitmanches leistete von dem, was wir hier wünschen. Fischers Skizze seines Lebens(Greifswald Progr. 1862^j bleibt bei dem Aeußerlichen stehen.) Wie beklagenswerth,aber, wenn solche Anschauungen einem Manne nicht lebendig sind, welcher über dieReformation oder das Zeitalter der Aufklärung vorzutragen hat! Für das Alterthumaber zeige die christliche Auffassung, daß auch die Besten nicht über ein Gefühl derLeere und der Sehnsucht nach Erlösung hinausgekommen sind, so daß auch die Ent-wicklung des antiken Geistes in Christo ihre rechte Erfüllung fand.
Nicht minder wichtig ist vom Standpuncte des Religionsunterrichtes wie deschristlich-pädagogischen Interesses überhaupt die Behandlung der deut schen Literatur.Für sittliche Würdigung derselben hat der um den deutschen Unterricht so hochverdienteHi ecke viel geleistet, wie das namentlich die nach seinem Tode durch Wendt heraus-gegebenen „Aufsätze zur deutschen Literatur" und die „Reden und Aufsätze" zeigen.Aber auch er hat nicht scharf genug zwischen Christenthum und Humanismus unter-schieden. Schiller und Goethe sind eben nicht als christliche Dichter anznsehen, ob-wohl sie in ihren Schöpfungen dem Christenthume so viel verdanken;***) selbst
*) Leider ist mir auch nicht eine Schulausgabe des Horaz bekannt, welche Andeutungen zurchristlichen Behandlung des Dichters gäbe. Begnügt man sich mit der geistreich LsthetistrendenAusgabe von C. W. Nauck, so ist es wohl möglich, den Schüler für den Dichter einzunehmen,zumal er darnach mit Grammatik verschont bleibt, aber man läuft große Gefahr in Betreff dersittlichen Einwirkung. Der Primaner sieht dann gar zu leicht in Horaz sein Evangelium.
**) Man vergleiche den belehrenden Aufsatz „Athalja" in der Erlanger Ztschr. fürProt. u. Kirche. 1883 Dec. S. 357—367. Beachtenswerth in dieser Richtung ist ferner dasgedrängt geschriebene Buch des Erlanger Theologen v. Hofmann, „Lehrbuch der Weltgesch. fürGymnasien" (2. Aust. 1843, 1844), welches Nägelsbach (Gymn.-Päd. S. 152) das beste,gedachteste nennt, das er kenne. Noch einmal erwähnen wir Lut har dt a. a. O., endlich ausGeroks Palmblättern „Sind das die Knaben alle?" <da ist christliche Geschichtsphilosophie)oder Geibels „Tod des Tiberius" und „Sehnsucht des Weltweisen" in seinen „Neuen Gedichten."
***) Wir verweisen auf die Art. Göthe, Schiller. D. Red.
Pädag. EncyklopLdie. VII.
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