Religionsunterricht in höheren Schulen.
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Werthe, welche Abwege zu vermeiden sein mögen. Da ergiebt sich selbstverständlich,weiter die Frage, wie der Umfang des Lehrstoffs genau abgegrenzt und auf dieverschiedenen Nassen vertheilt werden müße, und welche Methode dabei zweckmäßigerscheine. Dies führt dann auf die Beschaffenheit der Lehrer und ihrer natürlichenBundesgenoffen, der Lehrmittel. Außerdem möchte man fragen, ob nicht noch be-sondere Mittel und Einrichtungen neben oder in dem Religionsunterricht den-selben nützlich werden könnten, indem sie zur Erweckung des religiösen Sinnesund der religösen Erkenntnis beitragen. Auf diesen Punct richten wir zunächstunsere Aufmerksamkeit, ehe wir den oben näher bezeichneten besonderen Aufgaben unszuwenden.
III. Mittel und Einrichtungen zur Erweckung und Belebung christ-lichen Sinnes und christlicher Erkenntnis. Der Religionsunterricht, sahenwir, will den Schüler zum Verständnis des Kirchenglaubens, womöglich zu vollerAneignung desselben hinleiten. Nun ist aber der Glaube Zusammenschluß der Per-sönlichkeit mit Gott, Gemeinschaft mit der Gnade des Heiligen, hingebendes Leben inseiner Liebe, gleichsam ein seliges Ruhen des harmlosen Kindes an treuer Elternbrust.Wie soll da ein Bewußtsein, ja nur eine gefühlsmäßige Ahnung von der Wonne undHerrlichkeit solch eines in sich und seinem Gott verborgenen Lebens möglich werden,ohne lebendige, reiche Anschauung seiner Aeußerungen? Denn nur das erkennen wir,worin wir uns bewegen, nur das gründlich, was unsere Liebe anregt und uns dasHerz abgewinnt. So muß denn schon deshalb die Schule als Ganzes, so lange sieihres geschichtlichen, christlichen Charakters sich bewußt ist, ein Leben in der Gottes-gemeinschaft darleben und ihre Schüler die ihm entsprießenden guten Werke schauenlassen, auf daß sie den himmlischen Vater darum preisen, d. h. der christliche Re-ligionsunterricht fordert zu rechter Wirksamkeit einen christlichen Geistder ganzen Anstalt, welcher er nur als Glied eines größeren Organismusangehört.
Mithin muß die gesammte Disciplin der Schule das Gepräge liebevollenErnstes tragen: Lob und Strafe, Censuren und Abiturientenzeugnisse, die Wahl derAufgaben und die Behandlung der Correcturen, der ganze Verkehr der Lehrer untersich wieder zwischen Lehrern und Schülern, endlich die gewissenhafte Verwaltung derSchülerbibliotheken *) und das sorgfältige Jnnehalten der für die einzelnen Lectionenbestimmten Zeit und die Ordnung und Sauberkeit in sämmtlichen Schulräumen, dieEinrichtung der Schulfeierlichkeiten — das alles muß Zeugnis geben, daß man dasWort k'r- im Herzen trage. Ebenso soll jeder Unterricht ein
christlicher sein, so gut wie fast jede Unterrichtsstunde an einer deutschen Anstaltauch dem Deutschen zu Gute kommen muß. Ich meine das nicht so, wie man Wohlgesagt hat, jede Wissenschaft, wissenschaftlich betrieben, weise durch ihren idealenCharakter auf Gott zurück und sei nichts anderes als eine Theodicee. Es liegt ja indiesen Worten eine gewiße Wahrheit; indes bei aller Virtuosität wissenschaftlicherForschung und Darstellung bleibt Entfremdung, ja Feindschaft gegenüber der Offen-barung Gottes nach den Thatsachen der Erfahrung gar Wohl möglich. Aber einsittlicher, religiöser Hauch kann vermöge der Persönlichkeit des Lehrers durch jedeStunde hindurchwehen: ein Christ muß sich überall in der Lauterkeit seines Thunsals Kind des Lichtes erweisen. Sodann giebt es in so manchen Unterrichtsgebietenbestimmte Anknüpfungspunkte für das Evangelium, und es liegt hinwiederum wohl inallen wissenschaftlichen Fächern die Gefahr einer Entgegensetzung gegen das Christen-thum vor. Darum soll der Mathematiker auch das Vorhandensein lebendigerGeisteswirkungen neben den festen, unerbittlichen Gesetzen seiner großartig einseitigenWissenschaft anerkennen und nicht etwa eine mathematische Demonstration für das
*) Vgl. die anregenden Winke von Heiland. Ztschr. f. d. Gymn.-Wes. 18 SK, S. 81^