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7 (1869) Reinlichkeit - Schule
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Religionsunterricht in höheren Schulen.

aber gegenüber der Real- und höheren Bürgerschule theils eine auf den oberen Stufendie Philosophie berücksichtigende, theils auf den Urtext der Bibel zurückgehende Weiseam Platze sein wird. Kurz der Religionsunterricht auf höheren Schulensoll die Zöglinge in den Stand setzen, sich von dem kirchlichen Glaubenihrer Konfession ein ihrer allgemeinen Bildung gemäßes, ans gründ-lichem Wissen beruhendes Bewußtsein zu bilden und sie durch solchBewußtsein eben jenem Glauben zuführen. Mit dieser Fassung der Aufgabestimmt sehr wohl die Forderung des Reglements für die Abiturienten preußischerGymnasien (a. a. O. S. 26, 33), dieselben sollen vom Inhalte und Zusammenhängeder h. Schrift sowie von den Grundlehren der kirchlichen Confession, welcher sie an-gehören, eine sichere Kenntnis zeigen. Vollends der Protestant muß solche Hervor-hebung der heiligen Schrift gutheißen, da sie ihm nicht bloß ein wesentliches Förde-rungsmittcl des Glaubens, sondern die einzige Richtschnur in allen Angelegenheitendes christlichen Lebens und Glaubens ist. Daß aber nur nach Kenntnissen, nicht nachder inneren Stellung des Herzens zum Glauben examinirt werden soll, ist so natür-lich, daß sich dagegen von echt Evangelischen keine Einsprache befürchten läßt. *)

Es fragt sich nun, nachdem wir das Ziel unserer Disciplin erkannt haben, aufwelchem Wege dasselbe zu erreichen sei, welche Mittel hierbei besonders empfehlens-

*) Anm. der Red. Mit Obigem schließt der Hr. Vers, des Art. diejenige Weise desReligionsunterrichts von selbst aus, die man als „allgemeinen Religionsunterricht» zu be-zeichnen Pflegt. Wir sind mit diesem Ausschluß natürlich einverstanden, aber wir glauben dieGründe desselben noch beifügen zu müßen, da bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge dieserPunct nicht stillschweigend beseitigt werden kann. Jene Allgemeinheit soll einen Gegensatzbilden entweder zu einer positivchristlichen, auf der geschichtlichen, biblisch beurkundeten Offen-barung ruhenden Neligionslehre überhaupt, oder doch zu einer specisisch confesfionellen Behand-lung derselben. Im ersten Fall ist das, was man geben will, nichts als die sog. natürlicheReligion, eine Erörterung über Gott, Tugend und Unsterblichkeit; im andern Fall will man nurbiblische Wahrheit im Unterschiede von aller kirchlichen Fassung, also, wie man meint, nurgöttliche Wahrheit im Unterschiede von aller menschlichen Gestaltung derselben geben. Beidesaber ist nichts als Abstraction. Eine natürliche Religion hat es in Wirklichkeit nie gegeben;mit ihr steht der, der sie bekennt, somit auch der Zögling, der sie von seinem Lehrer empfangenhat, völlig isolirt da, er gehört keiner Kirche an, während doch jede wirkliche Religion zur Ge-meinschaft treibt und in ihr ihren Halt hat. Aber auch in dieser Jsolirung ist die natürlicheReligion nicht ihrer selbst sicher und gewiß; auch was der alte Rationalismus von Religionnoch gerettet hat, jene drei Ideen, das ist vom modernen Materialismus vernichtet; in unsererZeit kann niemand auf diesem Standpunct verharren, es zieht ihn entweder nach oben odernach unten. Aber auch abgesehen davon muß solch ein allgemeiner Religionsunterricht aus eineMengeder wichtigsten und wirksamsten religiösen Ideen verzichten; der Glaube an eine göttliche Liebe,an eineVorsehnng entbehrt seiner festesten Grundlagen; für diewichtigsten Tugendenfehlen die mäch-tigsten Motive, die eben nur in der christlichen Heilslehre gegeben sind. — Versteht man aberunter allgemeiner Religionslehre nur eine aus der Quelle der Schrift geschöpfte, an kein kirch-liches Bekenntnis sich anschließende Behandlung des christlichen Lehrstoffes, so beruht das nurauf einer Selbsttäuschung; der Lehrer setzt dann an die Stelle des gemeinsamen Bekenntnisses,das aus dem einer Kirche gemeinsamen Verständnis der Schrift hervorgegangen ist, seine eigenesubjective Theologie, und je exclusiver er behauptet, daß nur seine Deutung die rechte sei, umso gcwißer ist, daß er seine eigenen Ideen, mitunter auch Schrullen, in die Schrift hineinlegt.So viel Recht aber hat die christliche Gemeinde, die Kirche, d. h. das christliche Volk, auchan die höher» wie an die nieder» Lehranstalten, daß sie ihre Jugend nicht jeder Privatansicht,,die ein Lehrer (wenn auch im Dünkel höherer, alleingiiltiger Weisheit) haben mag, Preis zugeben gezwungen sein darf, daß sie vielmehr verlangen muß, in dem, was sie als Kirche fürWahrheit erkennt, auch ihre Jugend unterwiesen und gegründet zu sehen. Daß das Bekenntnisder Kirche seinem Wiffensgehalte nach einer stetigen Emendation und Neubildung bedarf, leugnet-kein Vernünftiger, kein Sachkundiger; aber das Bekenntnis zu reformiren, das Dogma znrevidiren ist niemals ein Beruf der Schule, also auch nicht des einzelnen Lehrers an derselben»