Druckschrift 
7 (1869) Reinlichkeit - Schule
Entstehung
Seite
27
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Religiöse Unterweisung in der Familie.

der Befehl gegeben, den Namen des Herrn allen, die im Hanse Wehnen, zu verkün-digen; den Eltern ist zunächst die Aufgabe gestellt, ihre getauften Kinder, die sie inder Zucht und Vermahnung zum Herrn auferziehen sollen, mit GotteS Gesetz undEvangelium bekannt zu machen. Die Kirche freilich, die allen Menschen die Hülfezur Seligkeit bringen soll und die mit dem Hause durch die Taufe der darin gcbornenKinder zuerst in Berührung gekommen ist, kann sich der religiösen Unterweisung amWenigsten entziehen, sic kann sich mit dem, was im Hause geschieht, nicht genügen lassen.Sie hat dafür zu sorgen, daß sie fort und fort aus den Häusern neue, lebendige Glie-der erhalte, daß die ans den Häusern in die Kirche tretenden Kinder nicht im Hauseunkirchliche Anschauungen empfangen, daß die Mängel der häuslichen Unterweisung,ob sie nun durch mangelnde Erkenntnis oder-durch eine falsche Richtung des Lebensentstanden sind, aufgehvben werden. Die Kirche steht über den Familien anregend, lei-tend, läuternd, zusammensassend. Aber die Kirche kann ohne die vorbereitende und be-gleitende Hülfe der Familie keine nachhaltige Wirkung auf die Jugend üben. Wie willsie offne Thüre finden, durch welche ihre Diener in die Häuser eintreten und durchwelche die Kinder aus den Häusern zur Kirche kommen, wenn die Eltern die Thürenicht aufthun? Auch die Schule, so lange sie in christlichem Geiste gehalten wird,kann die religiöse Unterweisung nicht unterlassen. Sie wird den dringenden Wunschhaben, ihrem sonstigen Unterricht, der nicht bis in die heiligsten Tiefen der Menscheneindringt, den religiösen zuzusügcn, welcher eine weihende, vertiefende und erwärmendeKraft hat, sie wird auch der religiösen Motive zur Erziehung nicht entbehren können,und woher soll sie dieselbe nehmen, wenn sie nicht religiösen Unterricht giebt, Wenn sienicht durch diesen das gesummte Schulleben in daS Glaubensleben einzutauchen sucht?Aber die Schule empfängt gerne die Kinder aus Häusern, in denen die Eltern auchfür die religiöse Erkenntnis schon vorgearbeitet haben, und nichts ist ihr schmerzlicher,als wenn sie die Schüler in solche Häuser entlassen muß, in welchen das empfangeneCapital an religiöser Erkenntnis verschleudert wird. Die Geschichte des Christenthumsist ein fortwährendes Zeugnis, daß die Kirche kein edleres Gefäß für das Leben hat,das sie mittheilen soll, als das Hans, und daß immer wieder, wenn sie selbst zumleeren Gefäß zu werden in Gefahr war, ans den Familien ihr treu bewahrte Fülledes religiösen Lebens zurückgeströmt ist. (Vgl. die Artikel: Pädagogik des Alten undPädagogik des Neuen Testaments.)

Wenn Clemens von Alexandrien gläubigen Ehegatten gemeinschaftliches Gebet undBibellesen als tägliche Morgenbeschäftigung empfiehlt, wenn auf einem altchristlichenSarkophage ein christlicher Familicngottesdienst dargestellt wird, auf der rechten Seitevier Männer mit Schriftrollen in der Hand, lesend oder singend, auf der andern dreiFrauen und eine leierspielende Jungfrau, wenn Tertullian in dem Bilde der christli-chen Ehe, das er im Briefe an seine Frau entwirft, sagt, daß sie zusammen beten,einander belehren, ermahnen, daß sie miteinander im Singen von Psalmen und Hym-nen wetteifern, so läßt sich aus solcher Gestalt des Familienlebens aus eine religiöseUnterweisung der Hausgenossen ein Schluß bilden (vgl. Schaff, Geschichte der altenKirche, Leipzig 18t-7, S. 281 f.). Und die und bekannt gewordenen ausgezeichnetenMütter, jene Nonna, die Mutter des Gregor von Nazianz, welche diesen ihren Erst-gebornen, sobald sie konnte, in der Kirche Gott weihte und das Evangelienbuch in dieHand des Kindes legte, jene Emmelia, welche ihre Enkelkinder Basilius von Cäsareaund Makrina im Evangelium unterrichtete, jene Anthusa, des Chrysostomus, und Monica,des Augustinus Mutter, werden nicht die einzigen gewesen sein, welche herzlich wünschten,daß ihre Kinder von Kind auf die heilige Schrift wüßten (vgl. Neanders Denkwürdig-keiten, 2. Band). Uebrigens sagt Lechler (s. d. Art. Hausgottesdienst, III, S. 338):Die Kirchengeschichte ist auf diesem Gebiete noch völlig unangebaut und die Literaturdarüber so gut wie nicht vorhanden." Auch aus dem deutschen Mittelalter sind dieNachrichten über religiöse Unterweisung im Hause sehr dürftig. Das deutlichste