Reizbarkeit.
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Es liegt theils in der Constitution der psychischen Organe im Gehirn, theilS inder Unreife der geistigen Energie, daß dem ganzen Jugendalter eine große Erregbarkeitder psychischen Vorgänge mit dem Charakter lebhafter und zahlreicher, dem hemmendenund dem bestimmenden Einfluß der eigentlichen Geistesthätigkeit mehr oder wenigerentzogener Vorstellungen und Gefühle natürlich ist. Dieses sanguinische Naturellgründet sich nach seiner somatischen Seite auf die Besonderheit der Ernährung, nament-lich auf den raschen Stoffverbranch und großen Stoffbedarf in den Fasern und Gang-lienzellen des psychischen Gehirns. Schon im Jugendalter ergicbt sich aber überdieshäufig eine eigenthümliche Constitution, die nervöse. Während das Längenwachsthumsich normal verhält oder selbst ein unverhältnismüßiges Wachsen der langen Knochennach ihrer Längenrichtung eintritt, bleibt die Entwicklung der Muskeln zurück, ihreLeistungen sind gering und namentlich nicht nachhaltig; die unwillkürliche psychischeThätigkeit ist eine gesteigerte und die Ernährnngsvorgänge der ganzen Nervensubstanzgeschehen mit entsprechender großer Lebhaftigkeit; sobald aber die von den Berdauungs-apparaten assimilirten Nahrungsstoffe und die Production von rothen Blutkörpern inden blntbereitenden Drüsen auch den Bedarf der Nervensubstanz nicht mehr völligdecken, giebt sich eine Anomalie der Nervcnernährung theils durch die gesteigerteReflexthätigkeit der Reflexcentren und die gesteigerte psychische Erregbarkeit, überdiesdurch die gestörte Coordination eine Ataxie der combinirten Bewegungen, theils durchdas rasche Ermüden aller psychischen und willkürlichen motorischen Thätigkeitsänßerungcnzu erkennen. Wir stehen hier an der Grenze der noch innerhalb der Breite der Ge-sundheit fallenden und der anerkannt pathischen, „pathologischen" Zustände. An derGrenze zwischen der nervösen Constitution und der Blutarmut — Anämie oder Chlor-anämie — und Nervenschwäche besteht bei einem solchen Individuum eine große„Vulnerabilität" der Haut und der Schleimhäute, d. h. eine Neigung, unter gering-fügigen Schädlichkeiten zu erkranken und langsam zur Norm znrückzukehren; so sprichtder Mediciner von einer Disposition zur Skrophulose und zwar von der erethischen.Es ist einleuchtend, daß bei nervöser Constitution, noch mehr bei Blutarmut undNervenschwäche weitere Einflüsse, theils solche, welche dis Thätigkeit der Nerven starkin Anspruch nehmen, theils solche, welche die Ernährung beeinträchtigen, theils endlichperipherische Reizungen und Reizzustände durch ihre Einwirkung auf daS Nervencentrumdie Symptome der gesteigerten Nervenreizbarkeit in höherem Grade Hervorrufen.Hierher gehört jede individuell allzu intensive oder extensive psychische Thätigkeit beimLernen; diese Reizungen wirken um so schädlicher, als sie den natürlichen rhythmischenVorgang, welcher die volle Ernährung des Gehirns wiederherstellt, den Schlaf, stören;es ist bekannt, daß eine fortgesetzte psychische Reizung zu Gchirncongestionen, znEntzündungen der Gehirnhäute, zu psychischen Störungen auf anämischer oder con-gestiver Grundlage führen kann; alltäglich ist zu beobachten, wie die gestörte Ernäh-rung des psychischen Gehirns nach dem Ablauf der Periode gesteigerter psychischerThätigkeit bei gestörtem Schlafe zur Abnahme der psychischen Energie führt und dabeieine Verstimmung des Gemeingefühls je nach dem Charakter in Form großer Empfind-lichkeit und gemüthlicher Depression ähnlich einem melancholischen Affecte oder aus-nehmender Heftigkeit, ähnlich einem maniacalischen Affect, bei geringfügigen Anlässenhervortritt; allmählich wird der Affect der psychischen Depression mit Verbitterung desGemüths ein stehender. Ein weiterer Anlaß zur Ueberreiznng durch Anämie undunzureichende Ernährung liegt in den Perioden gesteigerter körperlicher Entwicklung»Von geringerer Bedeutung und von kurzer Dauer sind die psychischen Verstimmungen,welche ohne die besprochene Grundlage allein durch eine vorübergehende Ucberanstren-gnng, somit Erschöpfung der Nervensnnctionen, namentlich der psychischen, ferner die-jenigen, welche durch peripherische Reize, namentlich im Magen und Darmkanale —saure Dyspepsie, Würmer, Stuhlverstopfnng — hervorgerufen werden.