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7 (1869) Reinlichkeit - Schule
Entstehung
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Reiseunterstützung.

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er Ansehen, daß auch auf andere Weise, als die er die seinige nennt, sich etwas leistenläßt; der Wahn, daß die eigene Methode die einzige zulässige sei, wird gebrochen; erwird dadurch veranlaßt, ein mildes und weises Eingehen ans die individuelle Ausstat-tung und die individuellen Bedürfnisse des Schülers treten zu lassen an die Stelleeines rigoristischen, alle gleich behandelnden Zwanges. In der That, der Verschieden-heit der einzelnen Individualität wird inan sich dadurch am besten bewußt, daß mandieselbe an der Verschiedenheit der Stämme und Nationen studirt. Die Neigung zubestimmten Fehlern und die Ausstattung zu besonderen Vorzügen und Tugenden treienhier gleichsam im großen auf, und leicht erkennt man, wie sehr der Unterrichtsbetrieb,die Haltung von Lehrern und Schülern, der Ton, in dem beide mit einander verkehren,abhängig ist neben anderem auch von dem Charakter des Stamms. Hier Beweglich-keit der Zunge, des Auges, aller übrigen Glieder, die Lust und das Bedürfnis anf-zutreten und sich auszusprechen, die Beachtung des Lehrers und der Mitschüler aufsich zu ziehen, dort tiefäugige Aufmerksamkeit und beklommene Schüchternheit, beiwelcher die geistige Thätigkeit sich in innerlichem Verarbeiten offenbart, und der gewon-nene Besitz still und bescheiden im Innern sich ablagert. Hier ein lebhafter, an denPräsidenten einer Volksversammlung, manchmal an den Commandanten einer Abthei-lung Soldaten erinnernder Lehrer, dort ein sinniger, gemüthvoller, pastoraler Vortrag.

Durch die Auffassung solcher nach Stämmen und Völkern sich richtender Grund-verschiedenheiten aber wird das Verständnis für die individuellen Verschiedenheitengeweckt und ein taktvolles Eingehen auf diese, soweit es sich mit den objectiven Normendes Classenunterrichts verträgt, ja diesem Leben einznhauchen vermag, veranlaßt.

Ans dem Bisherigen folgt, daß zwar für jeden Lehrer eine wissenschaftliche Reisevon großem persönlichem und dienstlichem Interesse sein wird und muß, allein derNutzen wird nur dann im Verhältnis zum Aufwand stehen, wenn gcwiße Vorbedingungenerfüllt sind, und die Verfolgung eines bestimmten Zwecks vor Zerstreuung und dilet-tantischem Herumtasten schützt.

Vor allem muß ein gewißes Lebensalter, eine gewiße Reife des Urtheils erreicht,die wissenschaftliche Ausbildung schon bis zu einem gewitzen Grade vollendet sein,damit die den Jüngling erwartenden Zerstreuungen, die Menge neuer und unerwarteterEindrücke nicht den Sinn für ein ernstliches Studium ersticken. Für die Reise selbstaber, ihre Dauer und Ausdehnung, dürfte die Erfahrung, daß zur innerlichen Ver-arbeitung der Eindrücke eine gewiße Zeit erforderlich ist, den längeren Aufenthalt aneinem Orte behufs der Erreichung wissenschaftlicher Zwecke im allgemeinen wünschens-wcrther erscheinen lassen, als den Besuch möglichst vieler Universitäten und Akademien.Denn daß diese das erste Ziel jeder wissenschaftlichen Reise sein werden, liegt in derNatur der Sache. Sie sind die Puncte, an denen das geistige Leben aller Nationenam stärksten pulsirt. Hierhin muß der Candidat sich wenden, um zu erkennen, inwelcher Art und Weise das Licht der Wissenschaft sich in den fremdländischen An-schauungen bricht. Hier wird er bekannt mit denen, die berufen sind, die Träger desNationalgcistes zu werden. Als Nebengewinn wird, ihm die Einsicht und das Ver-ständnis über das sociale, politische, künstlerische Leben und die Eigenthümlichkeiten desfremden Volkes zufallen, weil jene Akademien meist in größeren Städten sich findenund, wenn an kleinen, für diese tonangebend geworden sind. Mitzustudiren aber istdas beste Mittel, die Schätze und Vorzüge des fremden Volkes sich anzueignen undals mitwirkendcn Factor in das eigene Geistesleben aufzunehmen.

Ein unentbehrliches Hülfsmittel zur nöthigen Ausbildung ist aber der Besuch desAuslands für alle diejenigen, welche Lehrer der modernen Sprachen zu werden beab-sichtigen. Die fremde Sprache in ihrem vollen Umfang und ihrer ganzen Tiefe auf-zunehmen, giebt es nur dieses Mittel. Nur in der lebendigen Gemeinschaft mit denen,die die Sprache reden, kann diese selbst in einem Fremden lebendig werden; nur so