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7 (1869) Reinlichkeit - Schule
Entstehung
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Reiseuntcrstühung. 10

geworden. Aber ihr stereotypesAlles schon dagewcscn" ist nur der Ansdruck ihrerBlasirtheit.

Bon solchen Auswüchsen, die das Reisen hervorbringt, soll hier ans nahe liegendenGründen nicht weiter die Rede sein; aber eine andere Gefahr, die mit dem Reisenverbunden ist, vermeiden nicht alle, wie aus den Reiseberichten so mancher Candidatenersichtlich ist, ich meine, die Geneigtheit zu absprechendem, wenn auch nicht wegwerfen-dem, doch keck und unbescheiden zugreifendem Urtheil ans Grund einer flüchtigen Be-kanntschaft. Zwar läßt sich der Löwe ans der Klane erkennen und construiren, abernur wenn die Klane einem tüchtigen Zoologen vor die Augen und in die Hand kommt;der Besuch einer oder einiger Vorlesungen, einer Predigt, eine einzige Abendunterhal-tung muß in gar manchem Reisebericht genügen, um das einschneidendste und zuver-sichtlichste Urtheil über eines bedeutenden Mannes Charakter und Wirksamkeit abzugeben.Es scheint mir dieser Fehler besonders bei denen hervorzutreten, welche in der Welt,die sie sehen, mehr sich selbst zu spiegeln suchen, statt daß sie die Welt, deren Bekannt-schaft sie zu machen das Glück haben, in sich aufnehmen. Der Geck sieht in derMeeresbucht nur sein eigenes, verzerrtes Bild, auf deren Grund der Taucher diePerlen sucht.

Doch auch solche flüchtige, nach Art der Touristen ausgeführte, wissenschaftlicheReisen sind nicht ohne Wirkung. Je tiefgehender der Contrast ist, der sich zwischendem Bilde, das man sich von einem bedeutenden Manne ans dessen Schriften gemachthat, und der wirklichen Erscheinung desselben findet, desto wirksamer und wohlthuenderzeigt sich die dadurch veranlaßte Corrcctnr, schon deshalb, weil sie die der wucherndenVorstellungskraft entstammten Auswüchse in der Bewunderung oder im Tadel abschneidetund ans das Maß der Wirklichkeit zurückführt. Das Bild aber, das von den bedeuten-deren Männern und ihren Verhältnissen ausgenommen wurde, zeigt sich auch nachhernoch wirksam, es unterstützt während des ferneren Studiums ihrer Schriften die Ent-scheidung des streitenden Verstandes in dem Für und Wider, das ihre Ansichten inuns Hervorrufen. Es ist eine Art Wechselwirkung eingeleitet, oft die Fortsetzung einereinzelnen Abendunterhaltung, in welcher der junge Mann bescheiden vor dem Heroensaß, wenn er auch hernach in seinem Berichte seinem kritischen Sinne frei die Zügelschießen lassen zu dürfen geglaubt hatte.

Was aber seither von dem wissenschaftlich gebildeten Jüngling überhaupt ausge-führt wurde, das gilt nun in ganz besonderer Weise vom künftigen Lehrer.

Er, der vor andern Ständen berufen ist, seinen Schülern im Lichte echter Mensch-lichkeit sich darznstellcn, darf das Mittel nicht unbcnützt lasten, das in hervorragenderWeise die eckigen und verunstaltenden Formen, die der Mensch zwar nicht mit auf dieWelt bringt, aber so gerne annimmt, wenn er beständig unter den Seinigen sich be-wegt und gehen läßt, in Worten und Manieren abzuschlcifen geeignet ist, das dieSicherheit und Liebenswürdigkeit im äußeren Auftreten, die Herrschaft des Geistes überdie ihm dienenden Organe fördert, zu der Bestimmtheit des Willens die Höflichkeit inder Form fügt, und ein gewinnendes Ebenmaß aller Bewegungen und Urthcile zuerzeugen im Stande ist. Für den Lehrer besonders ist es wichtig, sein Urtheil nichtunter einer einseitigen und befangenen Auffassung der Menschen und ihrer Verhältnissegefangen zn geben.

Nichts aber schützt so sehr vor Einseitigkeit, als die Berührung und die Bekannt-schaft mit fremdartigen Elementen, und beschränkt den schulmeisterlichen PedantismuS,der glaubt, daß alles nach des Lehrers Meinung gehen müßc, und daß der Maßstabfür das, was als gut und lobenswerth zu declarircn sei, in der Annäherung an seineeigenen Ausdrücke und Grundsätze liege. Ans seinen Reisen sicht sich der Lehrer einerMacht gegenüber gestellt, die seinem Einfluß völlig entzogen, seinem Charakter, seinerWeltanschauung vielleicht diametral entgegengesetzt, in ihrer Einwirkung auf die Jugenddoch Resultate erzeugt, die er anerkennen, vielleicht bewundern muß. Dadurch lernt