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7 (1869) Reinlichkeit - Schule
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Rciseunkerstützung.

bringt ihm nur so viel Achtung entgegen, als er sich selbst erwirbt, und in so fern liegtetwas wahres in dem Worte: Reisen macht den Mann. Und gerade in unserer Zeit,in welcher ans Grund der Vereinfachung und Beschleunigung aller Verkehrsmittel dieWogen geistigen Lebens ungehindert und ungebrochen in die Weite schlagen, geradejetzt, da, bei der innigen Beziehung aller Völker zu einander, der Wettkampf um diehöchsten Güter des Geistes, das Ringen nach Wahrheit und Weisheit, das Bestreben,das Geistesleben in schönen und geschmackvollen Formen zum Ausdruck zu bringen,geradezu einen internationalen Charakter angenommen hat, gerade jetzt ist das Reisenzu einer besonderen Nothwcndigkeit für jeden geworden. Oder sollte die jährlicheSteigerung der Reiselust nicht auch Hinweisen auf das Neisebedürfnis? Ist es nicht,als ob viele nur ans die Erniedrigung der hohen Preise, mit denen früher die gleisenverbunden waren, gewartet hätten, um dem allgemeinen Bedürfnisse gerecht zu werden?Und läßt sich leugnen, daß gerade in so fern ein civilisatorisches Element in unserenerleichterten Verkehrsmitteln liegt?

Welchen Einfluß aber das Reisen ans die Bildung des Charakters hat, auf dieAusprägung der Grundsätze, nach denen das Leben einzurichten ist, auf die Entwicklungder Urteilskraft über gegebene Verhältnisse, das beweisen nicht bloß einzelne Beispieleehrwürdiger Kaufherren, sondern die Geschichte giebt glänzende Belege genug dafür,daß die durch das Reisen, durch die Berührung mit fremden Völkern und fremdenVerhältnissen entwickelten Tugenden sogar im Staatsleben sich kennzeichnen.

Unter diesem Gesichtspunkt tritt das Reisen in Parallele mit der Philosophie.Beide führen, wenn auch auf ganz verschiedenen Wegen, zu jener Weltanschauung, dieman, im guten Sinne des Wortes, als die kosmopolitische bezeichnen kann. Führt unsder Philosoph auf dem Wege der Abstraktion, die alle Erscheinungen des Daseinsihrer unwesentlichen Merkmale entkleidet, zu den ewigen und unveränderlichen Formendes Seins und des Denkens, denen die Gesetze aller Weltordnung entspringen, so ent-wickelt das Reisen auf praktischen: Wege das Bewußtsein des Individuums und derFamilie zun: Bewußtsein des Volkes und der Menschheit.

An der strengen Gliederung der Gedanken erkennen wir das Studium der Logik,an der das Herz erregenden, die Aufmerksamkeit spannenden Darstellung das Verständnisdes Seelenlebens, an der Glut und Begeisterung für das Erhabene und Große, diesich wie ein warmer Hauch über die ganze Persönlichkeit in Glück und Unglück ver-breitet und das Gebrechliche des menschlichen Individuums vergessen läßt, so wie ander Fähigkeit, die Dinge in ihrem Princip zu erfassen, den praktischen und theoreti-schen Philosophen. So sind eg nicht bloß die abgeschliffenen, einnehmenden Formenin den Gcberden und der äußerlichen Bewegung, es ist nicht bloß die Leichtigkeit, sichüber individuelle, provinciellc, selbst nationale Sonderbarkeiten wegzusetzen, es ist derrasche und sichere Blick, der, gewohnt ein weites Gebiet zu überschauen, sofort denwirklichen Kern einer Sache von seiner zufälligen Schale abzulösen versteht, es ist dasUrtheil, scharf gegenüber von Verhältnissen, mild gegenüber von Schwächen, es ist diemaßvolle, besonnene Haltung im Austheilen von Lob und Tadel-, was dem gereistenManne das Jmponirende philosophischer Würde, das Ansehen eines Weltpreisen verleiht.

Natürlich hat das Reisen nicht bei allen diese hohe und weittragende Bedeutung.Unbedeutendes kann dadurch nicht bedeutend werden, unedle oder solche Menschen, dieverkehrten Herzens sind, werden dadurch nicht Wohl erneuert werden. An die Stelleder tieferen Bildung wird bei ihnen höchstens die äußere Gewandtheit in den Umgangs-sormen treten, mit denen sie wie mit falschem Goldschaum den Mangel an wirklichemGoldgehalt, an tieferer sittlicher und intellektueller Bildung bedecken. Es ist dies jeneSorte von Leuten, an denen sich die Kraft, die dem Reisen inne wohnt, als schnellund stark wirkendes Mittel für die Entfaltung ihrer schlimmen Eigenschaften wirksamerwiesen hat. Auch für sie ist das nil aämirari des Philosophen zum Grundsatz