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7 (1869) Reinlichkeit - Schule
Entstehung
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Rciseuntcrstützung.

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gerade das, durch welches dieses Wort erst ein lebendiges und Leben schassendes wird,das wiederzugeben ist dem Buche schwer, vielleicht unmöglich; es giebt höchstens denTon in seiner schulgerechten Schwingungszahl, die Klangfarbe, das Erschütternde undEinschmeichelnde, das Seelische an demselben vermag es nicht zum Ausdruck zu bringen.

So wenig sich daher die Möglichkeit bestreiten läßt, daß ein Jüngling, dem esan Fleiß und Ausdauer nicht fehlt, auchans den Büchern stndiren" kann, so sehrspringt es in die Augen und so laut verkündet eS die Erfahrung, daß deshalb dieUniversitäten nicht überflüssig geworden sind.

Jede Universität aber steht einigermaßen unter dem Einflüsse des Geistes, der einVolk, sogar einen einzelnen Stamm beherrscht; und unter sonst gleichen Verhältnissenwird derjenige besser daran sein, welcher, nachdem er auf einer Universität das Ge-bäude seiner wissenschaftlichen Ausbildung aufgerichtet hat, gleichsam der innern Aus-stattung wegen, oder auch um eines nützlichen Anbaus willen an weiteren Universitätensein Wissen abzurnndcn in der Lage ist. Seitdem aber die Universitäten nicht mehrdas gesammte wissenschaftliche und künstlerische Leben in sich aufzunehmen vermögen,seitdem jede Facultät mehr in die Tiefe eindringt und dahin ihr zu folgen von ihrenStudirenden verlangt, seitdem die Theilung der Arbeit auch auf wissenschaftlichem Feldeebenso wie die Erschließung neuer Gebiete des Wissens eine jährlich steigende Anzahlneuer Lehrstühle und Fachschulen nothwendig macht, seitdem das Verlangen einer aus-gezeichneten Leistung das wissenschaftliche Verständnis zwingt, an einem einzigen Puncteanzugreifen, seitdem ist auch die Gefahr der Einseitigkeit gestiegen, und verlangt alsGegengewicht die Ausbildung der'Fähigkeit, das Erlernte auf die Verhältnisse desLebens anzuwenden, sich der hunderterlei Beziehungen bewußt zu werden und bewußtzu bleiben, durch welche jedes Detailstudium wieder mit dem Ganzen, mit den Bewe-gungen des gesummten Culturlebens zusammenhängt. Hiezu gehört ein freier großerBlick, ein erhöhter Standpunct, der den Gesichtskreis erweitert und das Nächste unterdem Eindruck des Ganzen, dessen Theil es ist, erscheinen läßt.

Mag auch für Kant der Rayon von Königsberg groß genug gewesen sein, seineallumfassende Weltanschauung entstehen zu lassen, für Alexander v. Humboldt warenseine Reisen ein wesentliches Hülfsmittel, durch das er sich zu seiner kosmischen, bisin die Tiefen des Sternenhimmels greifenden Auffassung der Dinge erhob. Und werwill es sagen, ob in die starren und eckigen Formen des SystemeS, dessen Vater Kantgeworden, und des Stils, dessen er sich zur Darlegung desselben bediente, nicht einlieblicheres Licht und mehr Wärme gedrungen wäre, wenn der 50jährige Autodidaktsein Herz dem Pulsschlag des Völkerlebens ebenso eröffnet hätte, wie er es dem Ein-druck des sternbesäten Firmamentes darbot? Auf jeden Fall ist nur den wenigstenMenschen beschieden, einen solchen, von allen Fäden des äußeren Lebens losgelöstenBerufskreis zu erhalten. Er kann daher für die nicht als Muster gelten, die mit ihrerganzen Wirksamkeit in die Mitte unseres heutigen Völkerlebens gestellt sind.

Jener freiere und umfassendere Blick aber wird durch nichts so leicht und so durch-greifend gewonnen, als durch das Reisen. Es verliert sich die übertriebene Wert-schätzung des eigenen Selbsts und der engen, kleinen Interessen, mit denen sich derMensch an seine nächste Scholle gefesselt sieht; er lernt sich kennen und fühlen, beruf-lich wie menschlich, als einen unter vielen, führt das natürliche Gefühl, vermöge dessener seine kleine Heimat und die darin in Beziehung zu ihm getreten waren, idealisirthatte, auf das wirkliche Maß der Berechtigung zurück; erkennt, daß der Einzelne, dieheimatliche Gemeinde, sein Stamm, ja sein Volk selbst in ihrem Fortschreiten abhängenvon dem Fortschreiten der Menschheit im großen und ganzen, und daß der Geist derGeschichte wie er selbst das Product aller Völker und Jahrhunderte ist, sich auch allerals seiner Organe zu bedienen hat. Durch dieses alles ist er gezwungen, aus sichherauszutreten, seinen innerlichen Werth zum Ausdruck zu bringen; denn der Fremde

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