Reisen.
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Kinder in dieses Wanderleben mit hinein. Hier wird das, was bei der übrigen Jugendnur Würze ist, zur gewohnten Nahrung, das Confect zum täglichen Brod. Solchen:Wandervögeln, die, wie die Taube Noahs, nicht finden, wo ihr Fuß ruhen konnte,sollte die elterliche Liebe, wenn sie wirklich lieben will, vor allem eine sichre Arche ver-schaffen, einen sesten Ort für ihre Ausbildung, ein gutes Haus in einer mit tüchtigen.Lehranstalten gesegneten Stadt, eine gute Erziehungsanstalt oder des etwas; denn wodie schrillende Pfeife der Locomotive immer wieder den Vogel von den kaum ange-brüteten Eiern ausscheucht, da kann Unterricht und Erziehung nicht gedeihen.
Um nur noch mit einem Worte die weibliche Erziehung in dieser Hinsicht zuberühren, so ist klar, daß größere Massenausflüge von mehreren Tagen für Mädchenunzuträglich sind. Bei Schulen oder Erziehungsanstalten von Mädchen könnte es sichetwa einmal um eine gemeinsame Wanderung oder Fahrt nach irgend einem anziehen-den Puncte handeln, zu der ein Nachmittag oder höchstens ein Tag in der guten Jah-reszeit verwendet würde. Im übrigen ist die Tochter an Vater und Mutter gewiesen.Verwandtschaftliche oder freundschaftliche Verbindungen tragen je und je auch eine Be-suchsreise ein. „Im Frühling und Sommer", sagt K. von Raumer über die Erziehungder Mädchen (Pädag. IH. S. 237) „gesellen sich zur abendlichen Feierzeit Spazier-gänge, an denen die ganze Familie theilnimmt. Bei dem gegenwärtig so erleichtertenVerkehre kann die Mutter auch, sobald sie nicht mehr durch kleine Kinder an das Haus-gebunden ist, mit den Ihrigen schöne Gegenden und kunstreiche Städte besuchen. Kehrensie dann zurück, reich an inneren Bildern und schönen Erlebnissen, geistig gestärkt undgefördert, so blicken sie gern und oft in lieber Erinnerung an das Erlebte zurück."Und mit der Mutter abwechselnd, fügen wir hinzu, mag cs auch je und je der Vaterthun. So bleibt solchen Ausflügen das Familienmäßige als Grundcharakter weiblicherErziehung gewahrt, bis die Hochzeitreise, die nachgerade unvermeidliche, die Tochtervon Vater und Mutter ablöst. Damit kehrt sie aber auch der Pädagogik den Rückenund läßt ihr, die noch manchen guten Rath und Wunsch im Herzen trüge, das Nach-sehen.
Für die Reiseausflüge der Knaben und Jünglinge giebt die Erfahrung folgendes-Dutzend Regeln an die Hand. 1) Der junge Wanderer sei gesund und wo es sichum Massenwanderung handelt, nicht eigentlich schwächlich. 2) Wenig Gepäck. Diealte Wanderregel sagt: „Wer wandern will, Der schweig fein still, Geh gleichen Schritt,Nchm nicht viel mit, So darf er nicht viel sorgen." 3) In guter Frühe aufge-brochen; je früher, je besser. Den vollen Tag vor sich haben, ist ein großer Vortheil.4) Ohne Frühstück aus der Herberge. Das spart viel edle Zeit. Ein Marsch vonetlichen Stunden giebt treffliche Würze zum wohlverdienten Morgenimbiß, der aber keinMorgenkaffee sein möge. 5) Kein solennes Mittagessen, am allerwenigsten eines an dertadle ä'düte. Kalte Speisen und Getränke, etwa weiche Eier; dagegen Abends nahr-hafte Mahlzeit. 6) Marsch nicht zu rasch, nicht übertrieben, nicht zu groß angelegt.Man muß Zeit haben. Je und je eine kleine Rast im Freien. Mit zu großen Märschenkann man sich viel verderben. 7) Keine Vorläufer, keine Nachzügler! Beides kanngroße Verlegenheiten bringen. Vor jedem Orte, Stadt oder Dorf, gesammelt. 8) Jeund je ein munteres Lied. Gesang ist dabei die beste Feldmusik. 9) Keine Feld-flaschen. Im Trinken enthaltsam. Durst ertragen besser, als an jeder Quelle nippen.Leide dich! — Baden kaum zu rathen; wenn ja, mit großer Vorsicht. 10) Zeitig insQuartier. 11) Kann es sein, ein Strohlager mit einigen Decken. Große Hotels lassensich nicht darauf ein. Schon darum gute bürgerliche Wirthshäuscr zur Herberge vor-zuziehen. Alle beisammen, Lehrer mit dabei. 12) Ist alles zum Schlafen gerichtet^auf und ein kurzes Abendgebet. Damit nieder. Kein Wort mehr. Im Nothfalle.strenge Polizei. Wer mit Geschwätz oder Possen die Ruhe stört, steht 5 bis 6 Minuten.Schildwache. Das, streng gehandhabt, hilft, krodatum ost.
V. Strcbcl.