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7 (1869) Reinlichkeit - Schule
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Reisen.

Jugend zu versetzen weiß, wo er bald ernst belehrend, bald heiter scherzend die Be-schwerden theilt, die Freuden würzt nnv so die Vorkommnisse der Wanderfahrt auchgeistig und sittlich zu verwertheu vermag. Namentlich ist es auch eine werthvolle Gabe,wenn der erziehende Führer sang- und liederkundig ist und so auch dazu helfen kann,daß sich Gesang und Poesie in das Wanderleben flechten. Und hat er vollends auchdie Gabe des Erzählens, so ists zweimal gut. Solche Reisen werden dann Glanz-puncte im Leben der Jugend und lassen auch dem Erzieher eine freundliche Erinnerung,obgleich er in der Sorge für das anvertraute Corps keine geringe Last und Verant-wortung mit sich trägt.

Werfen wir noch einen Blick auf unsere Zeit, zu deren Signatur u. a. auchdie schnelle Ueberwindung der räumlichen Entfernungen zu zählen ist. Die Vortheiledes Dampfes kommen auch den Reisen der Jugend zu gut. Während früher die Durch-wanderung wenig anziehender Gegenden einen großen Theil von Zeit und Geld auf-zchren konnte, bis man zu der lohnenderen, etwa einem Gebirge, kam, so ist es jetztmöglich, eine Schaar von jungen Wanderern in wenig Stunden und um verhältnis-mäßig wenig Geld auf einen Boden zu versetzen, wo die eigentliche Wanderung erstbeginnt. Es wird zwar auch mit diesem Vortheile, den die Zeit bietet, rücksichtlichder Jugend behutsam umzugehen sein. Man wird Wohl thnn, so lange noch interessanteGegenden von kleinerem Maßstabe in der Nähe liegen, erst diese zu bereisen und nichtseine junge Mannschaft gleich auf das Große und Weltberühmte losstürmen zu lassen.Ein kleineres Gebirge, die Alb, der Schwarz- oder Odenwald, das Fichtelgebirge, sind,pädagogisch gesehen, der Alpenwelt vorzuziehen. Lieber die kleine fränkische Schweizmit ihren reizenden Felsenthälern, Höhlen, Burgen, als die große eidgenössische mitihren riesenhaften Massen; lieber die Thäler des Neckar, Main und ihrer Nebenflüsse,als die große Wcltstraße des Rheins; lieber zunächst zum Uracher oder TribergerWasserfall, als mit dem auf Berühmtheiten jagenden Asntlsman hin zum weltkundigenFalle von Schaffhausen. Kleinen Leuten ist auch das Kleine groß. Man pflege dasmöglichst lang. Nichts ist widriger als das Ml nckinirnri bei jungen Leuten, jenes ver-achtende Messen des Kleinen an dem etwa schon gesehenen Größeren, wo nichts ge-sehen, wer nicht das Größte sah. Daher sind auch jene Abonnementsreisen mittelstDampfes, wo man für wenig Geld in etlichen Tagen durch eine ganze Fülle vonBergen, Wassern, Städten hinfliegt und die Merkwürdigkeiten nach Bädeker absicht,für die Jugend vom Nebel. Sie machen oberflächlich, satt, blasirt. Was dem Menschenso leichten Kaufes geboten wird, das achtet er bald nicht mehr. Der verständige Vateroder Erzieher wird indes auch hier das wahre Bedürfnis der Jugend mit den Vor-theilen, welche unsere Locomotiven zu Land und zu Wasser bieten, in Einklang zubringen wissen.Alles ist euer", auch der Dampf. Unserer Jugend ist jetzt leicht er-reichbar, wonach sonst der Mann sich lang, oft lebenslang vergeblich gesehnt. DieserStand der Dinge hat für sie seine Gefahren. Zum gesunden Wachsthum gehört auchim geistigen und sittlichen Leben der Jugend eine gewisse Stille. Diese wird jetzt viel-fach bedroht. Dennoch sind unsere Kinder nun einmal Kinder unserer Zeit, und wirkönnen es nicht verhindern, daß sie, die schon mit Dampfwägen spielen, nicht aucheinen andern Maßstab für die Entfernungen bekommen, als wir älteren Leute ihn bishergehabt und gebraucht. Unsere Zeit ist durch und durch weltbürgerlich und großdeutschangelegt; wir können dem nicht wehren. Unsere Sorge bleibt nur, daß unsere Söhneden sichern Führer mitbekommen, damit sie sich in den jetzt so leicht fahrbaren Wegender Welt und Zeit nicht verfahren und unter der Vielheit von Eindrücken, die auf sieeindringen, nicht zerfahren. Am schlimmsten ist Wohl derjenige Theil unserer Jugenddaran, dessen Eltern selbst in der jetzt so ruhelos dahin fahrenden Zeit kaum mehr eineHeimat haben, sondern als Nomaden höherer Ordnung bald in diesem, bald in jenemLande ihr Zelt aufschlagen. Engländer auf der großen Tour, Diplomaten, reiche Rentner,Schauspieler, reisende Künstler u. dgl. sind mehrfach in diesem Falle und ziehen ihre