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7 (1869) Reinlichkeit - Schule
Entstehung
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Reisen.

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wieder heim. Wer meinte, daß ein Reisemarsch von einigen Tagen für sich schondie Knaben körperlich abhärten würde, der wäre im Jrrthum. Nur bei einem ge-wißen Grade von Hebung und Härtung werden sie die sich bietenden Anstrengungenmunter und mit Lust ertragen. Es wird dadurch die in vernünftiger Gewöhnung ge-wonnene Kraft und Gewandtheit mehr bewährt und belohnt, als daß sie mit einigenWenigen Tagen zu gewinnen wäre. Weichlinge, Schwächlinge, faule Bäuche erliegenleicht, werden eine Last für die übrigen und haben davon leicht mehr Schaden alsNutzen für Leib und Gemüth. Dagegen macht dem Knaben, der auf dem Turn- undSpielplätze bereits Glieder und Kräfte geübt hat, jeder Sprung über den Bach, jedeGelegenheit, die erlernte Kunst praktisch anzuwenden, hohe Freude. So darf manauch seine Erwartungen in Beziehung auf die Bildung des Sinns für die Natur undihre Schönheiten nicht zu hoch spannen. Der Sinn für die Schönheit der Natur, fürlandschaftliche Anmuth oder Großartigkeit schläft noch bei den meisten Knaben. Sievermögen sich noch nicht liebend in die bedeutsamen Gestalten desselben hineinzusetzen.Naturverständnis setzt einen gewißen Grad entwickelten Geistes- und Gemüthslebensvoraus. Die Natur spricht in Hieroglyphen; der Geist des Menschen muß den Schlüsseldazu mitbringen. Der Knabe lebt selbst noch zu unmittelbar in der Natur, sie ist ihmnoch nicht gegenständlich genug geworden, das innere Leben hat noch zu wenig feste Ge-stalt gewonnen, um sich in dem Spiegel der Natur wieder zu finden und ihre stumme Pan-tomime zu deuten. Es ist immer mehr das Einzelleben der Steine und Pflanzen, derThier- und Menschenwelt, was ihn anzieht.Die Knaben", sagt Kapff einmal inseiner Schweizerreise einer großartig schönen Landschaft gegenüber,waren bald fertig.Es fehlt ihnen noch an Einsicht und Uebersicht." So stand einmal der Director miteiner Schar von etwa 15jährigen Zöglingen auf dem Thurm des Cölner Doms undschaute mit Entzücken auf das deutsche Rom und das weite Land umher. Da bringtder Thürmer ein Mäuslein in der Falle und läßt es in die Tiefe springen. Weg waralle Natur- und Geschichtsandacht über dem tragischen Geschicke der armen Kirchen-maus. Also keine sanguinischen Hoffnungen für die Bildung des Natursinns! Dochsind darum die Anschauungen einer großen, schönen Natur für den jungen Geist nichtverloren, wenn er auch darüber nicht Laut giebt.

Auch die Ausbeute, welche man sich von Reiseausflügen für geographisches, ge-schichtliches und vaterländisches Verständnis verspricht, ist wesentlich von der voraus-gegangenen Bildung des Sinns und dem bereits vorhandenen Wissensschatz abhängig.Berge, Flüsse, Städte, Schlösser, Denkmäler, Kirchen, Klöster sehen sich ganz andersan, wenn ein tüchtiger Unterricht vorgearbeitet hat und die Anschauung gleichsam nurdie Illustration zu dem bereits bekannten Texte liefert. Wie anders steht der Jüng-ling auf dem letzten Mäuerlein der alten Hohenstaufenburg, wie anders liest er das:»Uie transilmt Oavsar« in der alten Kirche am Fuße des Staufenkegels, wenn seineEinbildungskraft ihm die Gestalten, Zeiten und Thaten der Helden aus seinem Ge-schichtsunterrichte vergegenwärtigt, die einst hier ein- und ausgegangen sind! Dasselbegilt auch von dem Einflüsse, den der Anblick des fremden Lebens und Treibens unterden Menschen üben kann. Auch hier geht es nach der Regel:Wer da hat, demwird gegeben;" er findet'um so mehr, je mehr er hat. Hiemit ist zugleich auch einWink gegeben über das Alter, in welchem Reiseausflüge von Nutzen sein mögen.Nicht zu früh! Der Nutzen vermehrt sich im allgemeinen mit den Jahren. Vor dem10., vielleicht 12. Jahre sollte es nicht über Eintagsausflüge hinausgehen, danebenaber tägliches Bewegen und Tummeln im Freien und öfters mehrstündige Spaziergänge.

Daß die Ergebnisse kleinerer wie größerer Reisen der Jugend vielfach durch dieBeschaffenheit des führenden Lehrers und Erziehers bedingt sind, liegt nahe. Siewerden sich anders gestalten, wo dieser nur mehr aufsehend, hofmeisternd als bloßerReisemarschall nebenher geht, und anders, Wo er als ein kundiger Cicerone die Auf-merksamkeit auf alles Merkwürdige zu richten, wo er sich jugendlich in die Art der