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Reisen.
Schäflein selber an, so werden auch solche Tage oder wenigstens Nachmittage lieblich,wenn cs sich dabei gleich weniger um die sonst auf der Reise zn gewinnenden Vor-theile, sondern mehr um eine kindlich gemächliche Nachfeier des kirchlichen Actes unduni eine angemessene Hinüberleitung der jungen Kirchengenossen aus der Spannung undErhebung des Gemüths in das christliche Alltagsleben handelt. Dem Unterzeichnetensind diese Montagsausflüge mit seinen neuconfirmirten Zöglingen, oder Nachmittage,Welche er also nachfeiernd mit solchen Kindern von Landgemeinden im neu ergrünendenWald oder Wiescnthale unter Gesang, Erzählung, auch Wohl einem harmlosen Jugend-spiele hinbrachte, noch in lieblicher Erinnerung. Fehlt aber die verständige, liebendeFührung, dann können diese Confirmirtenausflüge auch eine recht widrige Gestalt an-nehmen und den kaum empfangenen Segen der Handauflegung von den jungen Häupternwieder abstreifen.
Dieser Ungunst der Verhältnisse in der Volksschule gegenüber steht jene günstigsteConstcllation, wo der Jüngling zur Vollendung seiner gesummten Ausbildung aufReisen gehen und durch Anschauung fremder Länder und Völker, ihrer Sitten undGebräuche, ihrer politischen, kirchlichen, gewerblichen Einrichtungen, durch Benützungihrer wissenschaftlichen oder artistischen Sammlungen und Anstalten gleichsam den letztenSchliff erlangen kann. Die Stipendien und Staatsunterstützungen, welche für tüchtigejunge Männer, Theologen, Künstler, Industrielle zu wissenschaftlichen, Kunst- undGewerbsreisen gereicht werden, beweisen, wie auch Staat und Kirche den Werth desReifens für ihre reifere Jugend zu schätzen wissen. Württemberg z. B. läßt schon langeher jährlich einige von seinen jungen Theologen auf.wissenschaftliche Reisen gehen undfördert so eine Erweiterung des Erkenntniskreises und eine Vertiefung des wissenschaft-lichen Verständnisses bei den künftigen Dienern der Kirche, die dem Vaterlande gewißschon reichlich zu gut gekommen ist; und unsere jungen Theologen sind schon geraumeZeit nicht mehr die einzigen, welche dieses Vortheils genießen. Von solchen Reise-stipendien abgesehen, die auch weniger bemittelten jungen Männern einen Flug in die Welthinaus möglich machen, wird freilich diese Krone einer die Jugendbildung abschließendenwissenschaftlichen oder Kunstreise immer nur ein Privilegium der höheren und begüter-teren Stände bleiben. So gut, wie es z. B. den Zöglingen Karl Ritters gewordenist, daß sie von Frankfurt aus unter den Augen und der Führung eines so tüchtigen Mentorsbald in den Thüringer Wald, bald den Rhein hinauf oder hinab, bald in die Schweizwandern, sich am Schlüße ihrer Gymnasialzeit auf Monate (K. Ritters Leben vonKramer S. 269 rc.) in den Schoß des herrlichen SchweizerlandcS setzen, den Umgangmit den feinst gebildeten Menschen zu Gens wie mit der großartig schönen Natur amFuße des Montblanc behaglich genießen, endlich noch die Alpen übersteigen und dies-seits und jenseits den Sinn für Großes und Schönes weiter nähren konnten, so gutwird es freilich nur wenigen Menschenkindern.
Die Vortheile, welche pädagogische Reisen der Jugend gewähren können, sind nachdem Bisherigen manchfaltig und wir freuen uns für jeden Knaben und Jüngling, demdie Gunst zu Theil wird, von der Eichendorf singt:
Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
Den schickt er in die weite Welt,
Dem will er seine Wunder weisenIn Berg und Wald, in Strom und Feld.
Doch darf man sich auch von Reisen und Ausflügen allein nicht zu viel ver-sprechen. Sie sind immerhin nicht das eigentlich nährende Brod, sondern mehr eineangenehme, würzige Zukost. Sie bekommen ihren rechten Werth erst im Zusammen-hang mit der übrigen Erziehung. Namentlich setzen sie, abgesehen von einem em-pfänglichen Sinn und offenen Blicke, die Grundlage einer tüchtigen Arbeit und Uebnngvoraus. Je mehr man auf die Reise mit hinausnimmt, desto reicher die Ausbeute.Das über den Rhein fliegende Gänslein kommt, nach dem alten Spruch, als Gigag