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Reisen.
geben, der die Leutlein gemüthlich beschäftigt. — Die Erziehungsanstalt Stetten, welchevon dem Unterzeichneten 9 Jahre lang geleitet wurde, hatte, abgesehen von größeren Va-canzreiscn mit einer beschränkteren Anzahl von Zöglingen, einen jährlichen Neiseausflugvon 5—6 Tagen in ihren Plan für alle Zöglinge vom 10. Jahre an ausgenommen.Man wählte dazu in der Regel die Zeit des Frühsommers, wo die Natur inihrem schönsten jungfräulichen Schmucke stand. Unsere beiden württembergischenFeiertage, Johannistag am 24. und Petri- und Paulitag am 29. Juni, bildeten ge-wöhnlich Anfang und Ende der „Turnfahrt", um zugleich die dem Unterrichte ent-gehende Zeit möglichst zu beschränken. Die ganze Schar der Zöglinge wurde je nachAlter in geistiger wie körperlicher Entwicklung in 5—6 kleine Heere abgetheilt, jedesderselben gewöhnlich von zwei Lehrern begleitet. Der Plan war entworfen und kund-gegeben. Am frühen Morgen wird alles lebendig. Reisefertig singt und betet mannoch zusammen und nun geht es unter fröhlichem Liederklang nach verschiedenen Rich-tungen hinaus. Eine Truppe richtet ihre Schritte etwa nach der schwäbischen Albmit ihren romantischen Thälern und Höhlen, Burgen oder Burgtrümmern: Teck, Neuffen,Achalm, Lichtcnstein, Urach, Gust. Schwabs schöne Beschreibung davon in der Tasche;eine andere dringt nach der südlichen Abdachung der Albhöhen vor, namentlich durchdas burgenreiche Lauterthal bis zur Donau und dem Bussen. Wieder eine andereSchar zieht das Filsthal hinauf zu dem kahlen Bergkegel, der einst die stolze Burgder Hohenstaufen trug, über den nachbarlichen Rechberg nach der alten ReichsstadtGmünd und das Remsthal wieder herab über das alte Lorch, der Grabesstätte derHohenstaufen, und Schorndorf, während wieder eine andere dem Schwarzwalde zueiltund von irgend einer Höhe aus das Silberband des fernen Rheins erspäht. Ein an-dermal lockt das gewerbreiche Heilbronn mit seinen Schiffen. Man wagt sich denNeckar hinab in den frisch belaubten Odenwald und zu der Krone der Ritterburgen,Heidelberg, oder zur Weinsberger Weibertreu, zur Burg des letzten Ritters, Götz vonBerlichingen, durch das freundliche Jaxt- und Kocherthal, Wohl gar in die SalzstadtWilhelmsglück tief unter der Erde in der Nähe der alten Salzstadt Hall über dersel-ben. Unser Württemberg ist nach allen Seiten hin reich an interessanten Puncten.Das war nun ein sich Freuen, Erzählen, Rühmen, was man alles gesehen und erlebt,wenn alle Abtheilungen wieder eingerückt waren, die jüngeren natürlich am ersten; dennfür die Knaben unter 10 Jahren dauerte der Ausflug nur 2—3 Tage. Die Reiseer-lebnisse boten Stoff zu schriftlichen Beschreibungen. Die gelungensten wurden dannetwa an einem Sonntagsabend oder zum Schlüße des „Kirchenfestes" vor der gesumm-ten Hausbewohnerschaft unter Einfügung paffender Lieder vorgelesen und gewährtenso noch einen freundlichen Nachgenuß. Zu größeren Reisen kam es nur in den Feriengewöhnlich mit denjenigen älteren Zöglingen, die nicht nach Hause gehen konnten. Sohaben Zöglingsabtheilungen von Stetten aus den Rhein bis Cöln bereist, ein ander-mal Bayern mit seinem herrlichen Nürnberg, wieder einmal die Donau von Regens-burg bis Linz, das schöne Salzburg mit seinen Umgebungen und das deutscheAthen, München. Die Gebrüder Paulus im Salon bei Ludwigsburg überstiegen miteiner Zöglingsschaar gar einmal die Alpen. Kapff beschreibt erst in Barths Jugend-blättern, dann in besonderer erweiterter Bearbeitung (Stuttgart bei Steinkopf 1843)eine Reise, die er im Jahr 1829 als Lehrer in der Erziehungsanstalt Fellenbergszu Hofwyl mit 20 Knaben von 10—14 Jahren durch die Schweiz gemacht hatte.Man kann diese Reiseschilderung nicht lesen, ohne sich für die Knaben zu freuen, welcheein solches Land unter solch einem Führer durchwandern durften. Es giebt wohl keineirgend bedeutendere Erziehungsanstalt für männliche Jugend, wo es nicht lange herschon ähnlich gehalten würde, so sehr ist die Ueberzeugung von der Zweckmäßigkeit jugend-licher Reisen schon in das Bewußtsein unserer Zeit eingedrungen. Die württembergischenKlosterschulen, die als niedere Seminare je eine Anzahl junger Leute für den künftigenKirchendienst vorbilden, haben schon seit geraumer Zeit Ausflüge von einem und mehre-