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Reisen.
der neuen und neuesten Zeit. Hier rauchende Kamine. Sie verkündigen eine Fabrik,ein Eisenwerk, eine Glashütte, und erinnern an den Gesammtflciß von tausend Händen zueinem Zweck. Dort ein schlanker Dampfer, der rüstig die Wellen des Stroms durchschnei-det. Oder wir steigen gar, das Grnbenlicht in der Hand, den tiefen Schacht hinab in einBergwerk und belauschen den Bergmann, wie er der Erde ihre tief verborgenen Schätzeentreißt. Ueberall Beiträge znm Verständnis des menschlichen Lebens und Treibens,seiner Sitten nnv Gebräuche, seiner Sprache und Art. Der Gesichtskreis der Jugendwird weiter, sie merkt, daß „hinter dem Berg auch noch Leute wohnen." Was erauf der Schulbank und aus Büchern von Land und Leuten gelernt, das tritt nun demjungen Pilger leiblich und anschaulich entgegen, und das wirkt auch wieder belebend,berichtigend auf seine Vorstellungen von den Dingen zurück. Der Anblick einer oft ge-nannten Stadt, eines Berges, Stroms, wie wichtig wird ihm dieser für den Schatzseiner Erkenntnis! Die Anschauung fremder Gegenden, Städte, Länder regt an zurVergleichung mit dem Heimischen und Bekannten; sie reizt und schärft das Urtheil,lehrt die beiderseitigen Vorzüge oder Mängel abwägen, hilft das heimische Guteschätzen, das Mangelhafte erkennen und bessern.
Auch Wille und Charakter können aus solchen jugendlichen Reisen manche För-derung gewinnen. Selten geht es dabei ohne Anstöße, ohne unerwartete Verwicke-lungen und Abenteuer ab. Daran kann sich Besonnenheit, Klugheit, Geistesgegenwart,Beharrlichkeit rc. üben und erproben. Ist ein Lehrer oder Erzieher als Führer bei derjungen Wandcrschar — und wir setzen das als Regel voraus — so kann das Zusam-mensein auf der Fahrt, das gemeinsame Ertragen der gleichen Mühen und Anstren-gungen, das gemeinsame Genießen der Neisefreuden, die nothwendig gegebene nähereBerührung beiderseits auch innerlich näher führen. Da gehen dem Erzieher Herzenauf, die ihm vielleicht bisher verschlossen geblieben, wie sich umgekehrt auch sein eigenesHerz mehr menschlich aufthun kann gegen die jungen Gefährten, als das währendder Schulzeit zu geschehen pflegt. Es knüpft sich auf solch einer gemeinschaftlichenReise leicht ein humanes Band des Vertrauens, der Liebe, das auch in der Zeit, daman wieder unter Dach und Fach in der Schule eingerückt ist, fortdauert.
Auch das wird der Erzieher nicht gering anschlagen, daß mit einem solchen Aus-flug ins Land auf geraume Zeit ein harmloser Gedanken- und Unterhaltungs-stoff weiter unter die dabei betheiligten jungen Leute kommt. Im jungen Gemütheist ein natürlicher llorror vaoui; es will immer etwas umtreiben, und es ist keine derkleinsten Aufgaben für die häusliche und Anstaltserziehung, zu sorgen, daß die jungenLeute immer etwas gesundes und tüchtiges oder mindestens harmloses in sich undin Gesprächen umtreiben, da sonst leicht böse Mächte und nichtige oder unfeine, jafaule Geschwätze sich einnisten.
„Ein Mühlstein und ein MenschenherzWird stets herumgetriebeu:
> Wo beides nicht zu reiben hat,
Wird beides selbst zerrieben",singt der alte Fr. v. Logau.
Der Unterricht giebt zwar den Gedankenmühlsteinen des jungen Geistes allerlei zureiben; aber dieser hat eben neben dem beruflichen Lern- und Arbeiksleben gewöhnlichnoch seine Sonderwirthschaft, die aus den Dingen der eigenen Wahl und des eigenenfreien Wohlgefallens ihre Nahrung zieht. Diese will auch versorgt sein. Er suchtsich zwar selbst sein Material dazu, wie der Vogel zu seinem Nest, auch ohne Zuthundes Erziehers. Aber es lohnt sich doch je und je, gutes Material ihm nahe zu legen,und das geschieht namentlich auch durch einen je und je eintrctenden Neiseausflng, undwäre es nur auf einen oder etliche Tage. Wochenlang wird derselbe schon zum vorausbesprochen: wann, wie, wohin? Der Tag erscheint endlich; das Werk wird ausgeführt,und nun ist mit den Erlebnissen desselben wieder auf Wochen hinaus ein Stoff ge-