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Reisen.
Es ist aber nicht bloß die Befriedigung dieses ahnungsvollen „Hinaus in dieFerne!" was für jugendliche Reisen spricht, sondern es lassen sich auch manche reelleVortheile nennen. Da ist die Uebung und Kräftigung des Leibes. Unserepädagogischen Reisen sind natürlich Fußreisen, wo der junge Wanderer sich, in derRegel wenigstens, mit eigenen Kräften von dannen hilft. Wenn hie und da eine min-der interessante Strecke ans einem Leiterwagen durchfahren wird, wenn sich da unddort einmal ein Kahn auf dem Fluße bietet oder ein See zu überschiffen ist, so för-dert das mir den Zweck solcher Reisen. Wir lassen auch das Dampfgefährte zu Wasseroder zu Land für einige Zeit als Erholung gönnende oder Zeit gewinnende Abwech-selung gelten; aber im ganzen sei Fußgehen die Regel. (Vgl. den Art. FußreisenS. 574 rc.) Man ist manchmal versucht, unsere männliche Jugend um der Leichtigkeitund Bequemlichkeit willen, mit der sie jetzt ihre meisten Reisen mittelst der Eisenbahnmacht, wahrhaft zu bedauern. Wie mancher Schulweg vom Lande in die Stadt, dersonst rüstig abmarschirt wurde und der den jungen Schulpilger für sein Lebenlangknochen- und wetterfest machte, wird jetzt abgefahren: — fahrende Schüler in neuerPhase. Die schönen Reisen der Gymnasiasten und Studenten in die Vacanz und ausderselben, das omnia man moenm xorto ans dem Rücken, den Ziegenhainer in derHand, liebendes Sehnen oder Erinnern im Herzen, das muntere Reiselied im Munde,das verschwindet mehr und mehr. Man drückt sich bequem in eine Dampfwageneckeund kommt wie in Schlaf und Traum zum Ziele.*) Auch das bißchen Poesie, dassich unserer wandernden Handwerkcrjugend aufthat, wenn es in die Fremde gieng, istnun vom Gerassel der alles nivellirenden Eisenbahn verscheucht. Wir wollen nichtgricsgrämlich mit den Fortschritten unserer Zeit rechten. Sie sind unaufhaltsam undhaben auch ihre Lichtseiten. Aber da manche Uebung und Stärkung der jungen Leibes-kraft, wozu früher das Leben selbst gezogen, nun infolge der so sehr geförderten Reise-mittel wegfällt, so hat die Erziehung um so mehr darauf zu denken, diesen Mangeleinigermaßen durch künstliche Mittel zu ersetzen. Man hat einen Alpenclubb, die Er-steigung nie betretener Höhen zu fördern. Ein weit verzweigter Fußreiseclubb, derdie ursprünglichste, natürlichste, gesündeste und bildendste Art des Reifens pflegte undbewahrte und seinen Einfluß bis auf die reisende Jugend zu erstrecken suchte, dürfteleicht ersprießlicher für das Wohl der Völker sein. — Eines von den näher liegendenMitteln zur Förderung dieser Reiseart auch ohne Clubb ist der jeweilige Reiseausflugmit jungen Leuten. Auf solcher Reise gilt es, die eigene Kraft aufzubieten, Ermüdungnicht zu achten, Wind und Wetter zu nehmen, wie sie kommen, gewohnte Bequem-lichkeiten zu entbehren, Hunger, Durst und sonstige Strapatzen zu ertragen. Dasstählt Kraft und Gesundheit. Besonders den Stadtkindern, die seltener ins Freie kommen,thut solche tagelange Bewegung in Gottes freier Luft und Natur auf das viele Sitzenauf der Schul- und Studirbank wohl.
Ein besonderer Vortheil ist die Bereicherung der Naturanschauung. Einfür pädagogische Zwecke unternommener Reiseausflug sucht sich natürlich eine Gegendaus, die auch, was Naturgenuß betrifft, mehr oder weniger von Bedeutung ist, eineGebirgsgegend, ein Flußland. Wald, Felsen, Berggewässer, in ihrem muntern, stür-zenden Laufe, die Aussicht von der Höhe auf die fernen Thäler und Ebenen hinab,die wechselnden malerischen Gebilde, wie neu ist das alles den meisten jungen Wan-derern! Da lagern sich Anschauungen im Gedächtnis, die mit heimziehen und demAlaun noch als freundliche Bilder vorschwebcu.
An die Natur schließt sich das Menschenleben an in seinem manchfaltigenTreiben. Die Zeugnisse von der Geschichte alter Zeiten, alte Städte und Städtlein,Schlachtfelder mit ihren geschichtlichen Erinnerungen wechseln mit den Warzeichen
Doch kennen wir auch manche Beispiele davon, daß Studenten gerade aus einer ArtOppositionSlust gegen die Eisenbahn jetzt zu Fuß iu die Ferien gehen. D. Red.