Druckschrift 
7 (1869) Reinlichkeit - Schule
Entstehung
Seite
6
Einzelbild herunterladen
 

6

Reinlichkeit.

in einem Schulhause, wo oft Hunderte von Kindern und jungen Leuten mit ihren Be-dürfnissen darauf angewiesen sind, und diese Massenhaftigkeit des Bedürfnisses wird nochgewichtiger durch die aus verschiedenen Gründen wünschenswerthe Gleichzeitigkeit ihrerBefriedigung. Es gilt hier die Rücksichten, welche Naturbedürfnis, Ordnung, Rein-lichkeit, Schamhaftigkeit und Sittlichkeit fordern, mit einander zu vereinigen. Vorallem ist eine solche bauliche Lage der Abtritte nöthig, daß die Luft des Hauses nichtdadurch verpestet werde. Die Schulhäuser lassen in dieser Beziehung häufig noch vielwünschen. Die Orte sind nicht gehörig abgelegen, oft nicht geräumig genug, nichtzweckmäßig construirt. Wo irgend möglich, sollten sie nicht im Schulhanse selbst, son-dern neben demselben stehen. Die Wafserrinnen sollten im Interesse der Schamhaf-tigkeit stellenweise abgetheilt sein. Die Schule kann hierin von den Eisenbahnhöfenlernen, die gleichfalls für die Möglichkeit massenhafter Befriedigung solchen Bedürfnisseszu sorgen haben. Zur Verhinderung des rohen und verunreinigenden Stehens auf dieSitzbretter hat sich die schiefe Richtung derselben in einem Winkel, der das Stehendarauf unmöglich macht, ohne doch den Hauptzweck zu verhindern, bewährt. Es trägtsich aus, täglich einen Blick nach diesen Stätten zu thun, einreißender Unsauberkeitgleich anfangs zu begegnen und die Schüler selbst dabei in das Interesse zu ziehen,z. B. durch Auflage alsbaldiger Anzeige einer Vorgefundenen Verunreinigung. Auchdie Wände sind rein zu halten. Die Heimlichkeit sowohl als die Natur dieser Ortereizt bekanntlich eben so den Witz als die Unfläterei zu Inschriften aller Art. Mankönnte fast von einer Abtrittliteratur reden. Auch die Schule liefert schon ihre Lite-raten dazu. Hiegegen gilt strenge, alsbald und alles vernichtende Censur, damit derheimliche Ort nicht eine Stätte des Aergernisses werde. Uriueipiis obsta. BeideGeschlechter erfordern natürlich abgesonderte Orte mit entsprechender Einrichtung. Demmassenhaften Andrange zu diesen Stätten könnte durch Benützung derselben währendder Unterrichtszeit zwar begegnet werden; allein die Kontinuität des Unterrichts würdedadurch beeinträchtigt, wiewohl sich immer einzelne Ausnahmen durch die nöthigeRücksicht auf Krankheits- oder Schwachheitszustände aufdrängen werden. In der Regelgebietet der Hauptzweck der Schule die Beschränkung dafür auf bestimmte Zwischen-zeiten : doch möchte der Uebelstand des massenhaften Andranges auch wieder sein Guteshaben; denn es liegt eben darin, wenn nur dabei über der nöthigen Ordnung gewachtwird, eine gewisse Sicherung gegen die bekannten Sünden der Unreinigkeit, die sichje und je an solche Orte flüchten. Behagliches Verweilen an denselben ist es nicht,Worauf der Erzieher zu denken hat. Doch genug von dieser xartis liontsuss, dieschon manchem gewissenhaften Schulmanne das Herz beschwert hat.

Es bleibt uns nur noch übrig, etwas von den Mitteln zu sagen, durch welchedie Jugend in Haus und Schule für Reinlichkeit zu ziehen ist. Einzelne derselbensind bereits gelegentlich genannt worden. Wir beschränken uns darauf, zwei Haupt-puncte hervorzuheben. Einmal: die Erziehenden, sie seien Eltern oder Lehrer, müssensich des leb end igen Zusammen!) angs b ew ußt sein und bleiben, in welchemdie Tugend der Reinlichkeit mit ihren Schwestern und mit der Ge-sammtaufgabe der Erziehung steht, und dürfen die in diesen Bereich fal-lenden Dinge nicht als Kleinigkeiten wegschätzen. Sie sind es, wenn man will, aberauch sie mehren sich, wie alles Kleine, im Entwicklungsleben der Jugend mit der Zeitzu bedeutenden Summen. Der Herr will, daß man ihm die auf seinen Namen ge-taufte Jugend zu einem Volke heranziehe, das vor ihm diene in heiligem Schmuck; dazubedarf es der äußeren wie der inneren Heiligung. Wer sich dieses Willens Gottesklar bewußt bleibt, der wird in dem allerdings beschwerlichen Kleinkriege gegen denzähen Feind nicht so leicht ermüden. Nirgends fast rentirt sich die Treue im Gering-sten so sicher als in der Erziehung. Dann aber sei man selbst auch in dieser Tugendein ermunterndes und ziehendes Vorbild. Jede Krebspredigt ist mißlich; eine Rein-lichkeitspredigt aber im Munde eines selbst nicht reinlichen Vaters oder Lehrers ist es