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7 (1869) Reinlichkeit - Schule
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Reinlichkeit.

lappen täglich das Ihrige. Auf dem Lande ist es gar nicht übel, ältere Kinder, beson-ders Mädchen, in passender Abwechslung mit dem täglich oder wenigstens einigemalin der Woche zu wiederholenden Auskehren der Schulzimmer zu betrauen. Es ist einDienst für das gemeine Beste und zugleich eine Hebung, durch die sie auch an dieReinhaltung der eigenen Wohnungen erinnert werden könnten. Das Schulzimmerwerde auch, was Reinerhaltung betrifft, für die Kinder wir denken dabei nament-lich an Landgemeinden ein Muster. Mit allem Ernste werde darüber gewacht,daß der Boden des Schulzimmers nicht mit Abfällen von Papier, von Aepfeln,Birnen, Nüssen rc. bedeckt werde. In Schulen, wo der Lehrer kein Auge dafür hat,bilden sich unter Tischen und Bänken von dem, was die Kinder, sei es vor der Schule,sei es in der Zwischenzeit, verspeisen, oft wahre Miststätten. Ein Kästchen, Korb,Füßchen oder ähnliches Gefäß zur Aufnahme von Abfällen hilft die Reinhaltung desBodens ermöglichen. Reine Sitze! Die Schultische und Bänke sollten jedesmalvor Anfang der Schule abgekehrt, besser noch abgewischt werden, da sonst die Kleiderdiesen Dienst thun müßen. Zu dieser kleinen Bemühung für das Ganze sind gleich-falls Kinder in beliebiger Abwechslung anzuhalten. Die Sache ist der nöthigen Staub-hadcrn Wohl Werth. Namentlich ist das Hinein- oder Heraussteigen über Tisch undBänke, um zu einem Sitze oder von diesem heraus zu gelangen, im Interesse derReinlichkeit durchaus nicht zu gestatten. Man halte darauf, daß, wenn einzelne Schüleraus ihren Sitzen herauszugehen haben, diese die im Wege sitzenden Mitschüler ersuchen,aufzustehen und Platz zu machen, und mache es diesen ein- für allemal zur Humani-tätspflicht, solchem Gesuche zu willfahren. So kommt man menschlich und gesitteter-weise heraus und hinein. Ist das zu umständlich? raubt es zu viel Zeit? Was Rein-lichkeit und gute Sitte zugleich fördert, was in der Selbstverleugnung um einer hu-manen Rücksicht willen übt, ist das kleine Zeitopfer Wohl Werth. Oder ists nichtwirklich eine Roheit, wenn die vielleicht schmutzigen Füße der Ein- und Aussteigendenauf die Sitze der Kameraden treten und, was dann kaum zu vermeiden, ihre Kleiderbeschmutzen? Daß es aber kein Ueberfluß sei, solche Dinge noch manchem Lehrer zuGehör zu reden und wäre er ein Priester der Immaniora am Gymnasium,beweist die Praxis. Reine Subsellien! Ohne Farbanstrich sind sie schwer vorBeschmutzung zu bewahren und sollten darum von Zeit zu Zeit gründlich gefegt werden.Besser ists, wenn sie mit Oelfarbe angestrichen sind. So wagt sich auch weniger leichtdas beschnipfelnde Messer an sie. Dem Verewigungstriebe durch Einschneiden vonNamen ist mit Ernst zu wehren, nöthigenfalls durch alsbaldige Reparatur auf Kostendes Thäters. Reine Wände! Frei von Inschriften derNarrenhände". Dertrostlosen Nacktheit der Wände sollte neben entsprechenden Karten durch passende Bilderabgeholfen werden, die sich ohne große Kosten beschaffen lassen. Das Gymnasium,welchem Schreiber dieses seine Bildung verdankt (Ansbach), hatte in dieser Beziehungeine Einrichtung, die im Interesse des mit der Reinlichkeit so eng verbundenen Schön-heitssinnes Nachahmung verdient. Jährlich wurde eine Anzahl der besten Zeichnungenans Kosten der Anstalt eingerahmt und nach der Ausstellung zur Schlußprüfung am Endedes Schuljahres im Saale des Hauses aufgehängt. Von diesem aus empfiengen nach undnach die Lehrzimmer je eine Anzahl von solchen Bildern zur Belebung und Verzierungihrer Wände. Da finden Kinder und Enkel Zeichnungen von Vater und Großvater.Erscheint hier die Reinlichkeit in ihrer Verwandtschaft mit dem Schönheitssinn, so tratbei einer in der Erziehungsanstalt Stetten bestehenden Einrichtung noch die weitereVerwandtschaft derselben mit der Ordnung hinzu. Da stand ein vorne offener, draht-gegitterter Schrank, in dem alles, was unaufgeränmt liegen blieb oder verloren war,ausgestellt wurde und gegen ein gcwißeS Strafgeld von den Eigentümern gelöst wer-den mußte. Aus dem Erlöse wurde von Zeit zu Zeit ein schönes Bild gekauft, unterRahmen und Glas gebracht und demjenigen Zöglingskreise zur Verzierung seines Zim-mers geschenkt, der dieFindel", wie der jugendliche Witz den Schrank benannte, am