Reinlichkeit.
die Wiege fordert dazu auf. Kleine Kinder, reine Kinder! Die Mutter, die ihrenSäugling fleißig badet, ihr Kindlein nach jeder Beschmutzung wäscht, seine Windelnund Kleidlein immer wieder von geschehener Verunreinigung säubert und es nach undnach auch selbst zu rechtzeitiger Reinigung anhält, legt dafür den Grund. Das Kindwird so gewöhnt, den Schmutz als etwas ungehöriges zu erkennen und zu meiden. Eslernt so sich vor Beschmutzung hüten oder dieselbe alsbald wieder entfernen, sich rei-nigen und rein halten. Es ist ihm alsdann selber nicht mehr Wohl, wenn es etwasunsauberes an sich sieht. Und dies gilt sogleich auf der ersten Stufe von seinem Leibe,namentlich Gesicht und Händen, von seinen Kleidern und seinem kleinen Besitzthum. —Von großer Wichtigkeit ist in dieser Hinsicht die Reinlichkeit des elterlichenHauses, in dem das Kind zunächst seine Welt hat. Wie für jede andere Tugend,so wirkt das Bild der Umgebung, in der das Kind aufwächst, auch für die mehr-genannte maßgebend, grundlegend. Das Kind hat an dem, was es von seinen erstenSehübungen an um sich her an Menschen und Dingen erblickt, einen Maßstab, andem es unwillkürlich alles andere bemißt und daran ihm mehr und mehr das Schöneder reinen Gestalt und das Häßliche in jeder Verunreinigung zum Bewußtsein kommt.Das Beispiel der eigenen Reinlichkeit entbindet die Eltern zwar nicht von der erziehendenSorgfalt und Arbeit, um das Kind immer mehr zur Vermeidung alles Unreinen zugewöhnen; aber diese Arbeit kann in solchem Falle auch ihres Erfolgs ziemlich sichersein, während Kindern aus unreinlichen Häusern die Unreinlichkeit anhängt. Es fehltihnen der hiefür gebildete Blick; sie sehen den Schmutz nicht als Schmutz, er hat fürsie nichts ihre Augen beleidigendes. Es wird solchen Leuten, die in Schmutz und Un-saubcrkeit ausgewachsen sind, darin mehr und mehr wohl, heimlich und gemüthlich,wie der Sau im Schlamm, während sie sich in Orten und Umgebungen, wo der Geistder Reinlichkeit waltet, fast unbehaglich fühlen. ES bildet sich da mehr und mehr einGeist der Unsauberkeit, der sich'auch leicht noch mit andern verwandten Geistern, miteiner gergesenischen Abstumpfung gegen alles Edle und Schöne, mit geschlechtlicherUnreinigkeit, faulem, schandbarem Geschwätz u. dgl. vergesellschaftet.
Vom Schulalter an tritt die Schule mit in die Arbeit ein. Sie muß ihreKinder nehmen, wie sie kommen, aus reinen und unreinen Häusern. Höhere Schulen,die ihr Contingent aus den Familien der gebildeteren Stände ziehen, genießen daeinen fühlbaren Vorzug; die Volksschule hat auch hier mehr aus dem Groben zu ar-beiten. Wir fragen bei dieser Arbeit zuvörderst nach den Räumlichkeiten. DasSchulgebäude sei zwar kein Palast, aber anständig und wohl erhalten; der Zugang zurThüre nicht durch Koth und Pfützen, sondern wohl gebahnt; Streifeisen vor derselben;vor den Thüren zu den Schulzimmern zweckmäßige Streifbretter. Im Schulzimmer,das nach Weite und Höhe geräumig genug sein muß, vor allem reine Luft. Esist noch weit nicht von allen Lehrern begriffen und praktisch bezeugt, daß reine, recht-zeitig und zweckmäßig erneute Luft ein wesentliches Lebens- und Gesundheitsmittel fürden Lehrer selbst und namentlich für die in der Entwicklung stehenden Kinder sei.Mancherlei scrophnlose Erscheinungen, schwerer Athen:, der neuentdeckte Schulkropfu. dgl. stehen damit im Zusammenhang. Auch das geistige Leben der Jugend ist dabeinicht ganz unbetheiligt. Eine böotische Schulluft wirkt auch auf die Köpfe und Herzenderselben verdumpfend ein. Schlimm genug, daß die meisten Eltern, besonders aufdem Lande und in ärmeren Häusern, von der Wichtigkeit der Luft für die eigene undihrer Kinder Gesundheit keine Ahnung haben und die Luft für ein bloßes Nichtsachten. Die Schule muß hiegegen mit Wort und That protestiren. — ReinerBoden! Diesen bei dem täglichen Ein- und Ausgehen einer Kinderschar in derWeise rein zu halten, wie den Zimmerboden in einem Privathause, ist unmöglich.Aber der Kampf mit Schmutz und Staub muß auch da nach Kräften ausgenommenwerden. Von Zeit zu Zeit — Stadt und Land , Natur und Art der Schulen nor-miren die Zeiträume — Hauptreinigung. Sonst thun Besen, Kehrwisch und Staub-