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7 (1869) Reinlichkeit - Schule
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Reinlichkeit.

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noch nicht erfahren hat. Hält doch die Natur dem Menschen so reichlich in ihremWerken mit dem Bilde der Ordnung und Schönheit auch das der Reinheit und Sauber-keit vor Augen. Wie rein und zierlich zugleich arbeitet die Pflanzen-, die Blumen-welt! Welch eine großartige Reinlichkeitspolizei tritt in einem großen Theile der Jn-secten auf! Daß das Auge schon der alten Völker für diese Naturwinke nicht ver-schlossen war, bezeugt u. a. die Verwandtschaft der Begriffe von Reinheit und Schön-heit mit dem der Welt bei Griechen und Römern (xöo^vb, munäus). Den indischenWeisen läßt Platen mahnen:In krystallne Quellen Schleudre keinen Stein. Betezu den Wellen: Wär auch ich so rein!" Auch Athen und Rom wußte die reine Er-scheinung des Menschen, das blendende Weiß des Palliums, der Toga zu würdigenund stieß sich an der cynischen Vernachläßigung des Aeußern. Der Werth, den manauf Baden und Bäder für Reich und Arm legte, ist zugleich ein Zeugnis für denReinlichkeitssinn der alten Culturvölker. Auch die Gebildeten unter unfern heutigenHeidenvölkern, der Bramine in Indien, der Mandarin in China, halten auf reinenLeib und reinen, schmucken Anzug. Die reine Erscheinung des Menschen ist einZeichen seiner Humanität. In dem Maße, als diese überhaupt entwickelt ist, trittauch jene ins Licht. Doch vermochte und vermag die bloß äußerliche und eben nuraus dem natürlichen Menschen stammende Reinlichkeit, und wäre sie bis aufs äußerstegetrieben, nicht die Reinigtest des inncrn Menschen zu bewirken. Die wahre, diechristliche Reinlichkeit geht von der inwendigen Reinigung des Herzens und Gewissensans. Der von allem ungöttlichen, unheiligen Wesen gereinigte und sich in der dar-gereichten Geisteskraft von oben fort und fort reinigende Geist dringt aus dem Hei-ligthum des inwendigen Menschen heraus und leuchtet als ein Licht auch in das leib-liche Leben hinein. Als auf dem Berge der Verklärung das sonst verborgene Lichtder Gottesherrlichkeit aus dem Herrn auf Augenblicke hervorleuchtete, da ward (Luc. 9,29.)die Gestalt seines Angesichts anders, und sein Kleid ward weiß und glänzte." Etwasvon dieser Durchleuchtung des Leibes und der Kleidung, von dieser Beleuchtung dernächsten Umgebung vollzieht sich bei jedem wahren Christen, etwas von dem Lichtglanze,der sein Inneres durchleuchtet, fällt auch auf seine leibliche Erscheinung. Wer dasVolk auch in seinen niedrigen und ärmeren Schichten kennt, der weiß aus Erfahrung,daß wahrhaft christlicher Sinn und Wandel in der Regel auch mit leiblicher Reinlich-keit verbunden ist. Die Stuben der frommen Armut sind gewöhnlich gekehrt, geordnet,die Kinder derselben gewaschen, gekämmt, ihre Kleider verhältnismäßig sauber undgeben, auch wenn sie schadhaft geworden, Zeugnis, daß die Nadel nicht müßig gewesen.

Aus alle dem leuchtet von selbst die pädagogische Bedeutung der Reinlichkeit ein.Die Gewöhnung zu dieser Tugend ist kein geringer Theil der Arbeit, durch welche dasMenschenkind und sonderlich das Christenkind seinem Bildungsziele zuzuführen ist. DasEbenbild Gottes und Nachbild Christi soll auch in einem reinen Leibestempel wohnenund der Tempel in reiner Umgebung stehen. Es war darum dem höchsten Erzieher,der sein Volk Israel zog,wie ein Vater seinen Sohn zeucht," nicht zu gering, dieReinigung des innern Menschen auch durch allerlei leibliche Waschungen und Reini-gungen abzuschatten und vorzubilden, und sein Knecht Mose hat, wie Zeller sagt,auch das Schänfelein nicht vergessen" (5. Mos. 23, 14.), mit dem Beisatze:Darumsoll dein Lager heilig sein." Zeller fügt noch bei:Reinlichkeit gehört zur äußernHeiligung." Rechnen wir noch hinzu, wie eng Reinheit und Schönheit verschwistertsind (das Schöne kommt von schonen," sagt Nückert), ferner, wie innig sich Rein-lichkeit und Ordnungssinn berühren, nehmen wir dazu den Einfluß, den die persönlicheund örtliche Reinlichkeit oder ihr Gegentheil auch auf die leibliche Gesundheit übt, ja,wie selbst das Gedeihen des Haushaltes dabei mit berührt wird, so ist gewiß dieForderung an die erziehenden Personen in Haus und Schule wohlbegründet, daß sieden Sinn für leibliche Reinheit mit aller Sorgfalt wecken, nähren und bilden.

Das Erste und Beste muß hiebei schon in der Kinderstube geschehen. Schon