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Naturwissenschaften in der Volksschule.
den ins Ungemessene vergrößerten Abbildungen kleiner Thiere rc. Wenn das Kindeinen Mehlwurm nur in spannelanger Vergrößerung gesehen hat, erkennt es ihn nichtwieder, wenn es ihn im Mehlkasten der Mutter findet. Anders steht es mit den mi-kroskopischen Vergrößerungen, indem diese Gegenstände verführen, welche außerdem derAnschauung sich ganz entziehen. Gleichwohl können wir das Mikroskop für ein derVolksschule unentbehrliches Instrument nicht halten. Schon dem unbewaffneten Augebietet sich ein überreicher Lehrstoff dar; will man aber ja in der gehobenem Schule denUnterricht auch auf die Wunder der Welt im Kleinen und die feinsten Theile der Or-ganismen ausdehnen, so wird es ausreichen, die betreffenden Objecte, z. B. das Zellen-gewebe der Pflanzen, in Abbildungen nach mikroskopischen Vergrößerungen zu veran-schaulichen. Wie von dem Mikroskop, so wird die Volksschule auch von dem Fernrohrabsehen können und in den meisten Fällen absehen müßen. Am allerwenigsten darfman die mikroskopischen Entdeckungen für die Schule in der Art benutzen wollen, daßin den Kindern die Meinung erzeugt wird, es gebe für den Naturkundigen keine Ge-heimnisse in der Natur mehr. Das Wort Hallers: „Ins Innere der Natur dringtkein erschaffener Geist," hat in unserer Zeit noch dieselbe Bedeutung, wie vor 100 Jahren,und die Schule soll daran festhalten, wenn sie nicht Nährerin eines eingebildeten, fri-volen Dünkels werden will.
Excursionen mit ganzen Schulclassen haben, wie im Art. „Natursinn" schon be-merkt worden, ihre besonder» Schwierigkeiten. Dennoch dürfen sie nicht ganz unterbleiben;sie sind mehr als alles andre geeignet, richtige Anschauungen und naturtreue Lebensbilderzu geben. Selbst Naturaliensammlungen, so reich sie immer sein mögen, Modelle undApparate, können die lebende Natur nicht ersetzen und geben keine Vorstellung von derMannigfaltigkeit, dem Reichthum der Formen, welcher bei aller Gesetzmäßigkeit undRegel in derselben herrscht und aus denen das Gesammtbild sich zusammensetzt, welchessie im Großen darbietet. Nur wer hinaustritt in die Natur selbst mit offenem Augeund gewecktem Sinn kann ihr Freund und Vertrauter werden. Gegen die auffallendeAeußerung Pestalozzis, es sei gar nicht der Wald oder die Wiese, wohin man dasKind führen solle, um Bäume und Kräuter kennen zu lernen, weil dort Bäume undKräuter nichts in den Reihenfolgen stünden, welche die geschicktesten seien, dasWesen einer jeden Gattung anschaulich zu machen, bemerkt Raumer (Gesch. der Pä-dagogik, III. 151 — Ausg. 3 S. 337.) sehr richtig, es komme ihm das vor, jalsbehauptete jemand, man müße das Kind keine Symphonie hören lassen, weil es danur ein Gehörchaos auffasse; man solle ihm vielmehr die Stimme der ersten Violineallein Vorspielen, dann die der zweiten, dann die der Bratsche, der Flöte, der Clarinetten,Trompeten u. s. w. Die einzelnen Stimmen hat es dann freilich, „fehlt leider nurdas geistige Band," was sie eben zur Symphonie macht. — Noch jweniger kann dieunmittelbare Anschauung der Natur ersetzt werden durch jene stilistischen Elaborate, welcheunter dem Namen von „Lebensbildern aus der Naturgeschichte und Naturlehre," inneuerer Zeit der Schule in Menge dargeboten werden. Gute Schilderungen dieser Arthaben unstreitig für die Belebung des naturkundlichen Unterrichts einen Werth. Wermöchte das hohe Interesse ableugnen, welches die Darstellungen aus der Thierseelen-kunde von Scheitlin, die Biographien aus der Naturkunde von Grube, TschudisThierleben der Alpenwelt, Br eh ms naturgeschichtliche Schilderungen und ähnlicheDarstellungen für Alt und Jung haben! Sie sind in der That ganz geeignet, demSchüler Liebe zur Natur einzuflößen und den angebornen Zug zu ihr hin zu steigernund zu vergeistigen. Durch sie kann dem Unterrichte Seele und Leben eingehancht werden,welche ihm da fehlen, wo die Pflanze nur nach Wurzeln, Stengel, Blättern, Blüte undFrucht betrachtet und beschrieben wird. Aber zum Entwerfen solcher Lebensbilder fürdie Schule gehört mehr als einige stilistische Gewandtheit, nämlich volle Kenntnis desNaturlebens nach allen Seiten hin, im Großen wie im Kleinen, ein sinniges Gemüthund große Lehrweisheit, was aber alles den meisten der bekannten Lebensbilderfabri-