Druckschrift 
6 (1867) Philologie, classische - Reformation
Entstehung
Seite
40
Einzelbild herunterladen
 

40

Philosophische Propädeutik.

Zu diesem Zwecke wird gestattet, die wöchentliche Stundenzahl da, wo der Lehrer einpassendes Lehrbuch vorschlägt, um eine Stunde zu vermehren. Die Schwierigkeiten inder Behandlung dieses Gegenstandes werden als der Grund , bezeichnet, daß nicht sofortallgemein auf ihm bestanden werde. — Der Ministerialerlass vom 16. Dce. 1854 ver-hieß dem propädeutischen Unterrichte eine „größere Ausführlichkeit" und dem Lehrzweigeselbst die Erhebung zum Gegenstände der Maturitätsprüfung. Der Erlaß vom 10. Sept.1855 dehnte den Unterricht in der pH. Pr. auf die zwei obersten Elasten (d. h. ans diebeiden einjährigen Curse der 7. und 8. Elaste) ans, und der Erlaß vom 5. Febr. 1856bestimmte, daß die formale Logik in der 7., die empirische Psychologie in der 8. Elastegelehrt werden sollte. Die günstigeren Umstände, deren sich das Unterrichtsfach in-folge dieser Anordnungen zu erfreuen hat, gestatten eine durchgehendere Aufnahme der„Einleitung" in das Lehrpcnsnm. Daher hat auch Nob. Zimmermann in derzweiten Auflage seiner zunächst für die österreichischen Gymnasien bearbeiteten „Philo-sophischen Propädeutik" (Wien, 1860) der Logik und der empirischen Psychologie eine„Einleitung" hinzugefügt (vgl. zu dem Vorstehenden die Vorrede Zimmermanns).

Was die Stellung unseres Unterrichtsfaches in den Gymnasien anderer Länderanlangt, so verweisen wir auf die betr. Artikel der Encyklopävie namentlich über Baden(I, S. 403 und 409), Bayern (l, S. 445 und 453), Hannover (111, S. 307), Hcsteu-Darmstadt (III, S. 522 f.), Nassau (V, S. 69), Frankreich (II, S. 461 und 468).Nachtragen wollen wir Folgendes.

Das Regulativ für die Gelehrtenschulen im Königreich Sachsen vom 27. Dec.1846 nannte in H. 36 die Propädeutik der Philosophie als Unterrichtsgegenstand undbestimmte in Z. 41 für sie in der obersten der 6 anderthalbjährigen Elasten wöchentlich1 Stunde. Nach H. 54 hatte sie sich auf eine möglichst kurz zu fastende Erörterungder wichtigsten Grundbegriffe der Logik in einem halbjährigen Cnrsus und auf die-jenigen Primaner, welche mit Ablauf des Halbjahres die Universität beziehen, zu be-schränken. Durch die Ministerialvcrordnung vom 29. Oct. 1847 wurde gestattet, daßfür die pH. Pr. auch ein einjähriger Cursus in den Lehrplan ausgenommen und dieserUnterricht nicht bloß den Abiturienten, sondern zugleich der ganzen Elaste ertheiltwerde. Er sollte lediglich in einem Vortrage der Logik bestehen, der sich etwa anTrendelenbnrgs Elemente anschließen könne und nicht bloß doetriuär sein dürfe, sondernmit praktischen Hebungen verbunden werden müße. Hinzngcsetzt wurde aber: „Willjedoch ein Lehrer von Zeit zu Zeit in einem der für den Aufenthalt in Prima fest-gesetzten drei Semester zur Abwechslung und nach Beendigung des für die Logik be-stimmten einjährigen Cursus eineu geschichtlichen Grundriß der griechischen Philosophiegeben oder einige Grundbegriffe der Psychologie erörtern, so mag ihm auch solchesfreigestellt sein". Die Verordnung bezog sich zunächst auf die Landesschule zu Meißenund war jedenfalls eine Antwort auf einen durch den Oberlehrer Graf daselbst vcr-anlaßteu Autrag. Zu vergleichen ist daher dessen Programmabhandlung vom 1.1847:„Die philosophische Propädeutik im Gymnastalunterricht". Der Verf. verlangt in ersterLinie Logik und Psychologie und in zweiter eine kurze Geschichte der alten Philosophiebis zu Cicero herab nud eine gedrängte Uebcrsicht des Kant'schen Systems. Dabeihält er es für „wichtiger, das formale Interesse zu spannen, welches an der Operationdes philosophischen Denkens selbst Freude findet, als das materiale, welches nachResultaten lüstern macht".

Aus den betr. Stellen des Artikels über Bayern geht hervor, daß die pH. Pr.aus den dortigen Gymnasien seit dem Erlaß der Schulordnung vom 13. März 1830verschwunden ist. Auch die „revidirtc Schulordnung" vom 24. Febr. 1854 nahm sienicht wieder auf. Dieser letztern sind keine Motive beigefügt. In dem CommissionS-bcrichte zu der Schulordnung von 1830 findet sich aber S. 4 folgende Stelle: „Dasfür diese Elasten ausdrücklich vorgeschriebene Lesen philosophischer Werke des Altcrthumsbietet Gelegenheit genug dar, die Aufgaben der Philosophie zu berühren, zur Kenntnis