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6 (1867) Philologie, classische - Reformation
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Philosophische Propädeutik.

vielen inneren Verwirrungen zu kämpfen. Wird man ihr aufhelfen, indem man ihrentzieht, was sie hatte? Glaubt man, es werde den Wissenschaften frommen, wenndie Philosophie in Verfall gerathe?"

Jetzt nur Herbarts Klage. Von der Art und Weise zu sprechen, wie er demNebel, welches er beklagte, abhelfen wollte, werden wir mehr innere Veranlassungweiter unten haben. Gewiß blieben die von ihm ausgesprochenen Besorgnisse nichtohne Einwirkung ans die ganze Angelegenheit in Preußen. Das Unterrichtsministeriumforderte im Herbste 1822 von Hegel ein Gutachten, wie ein zweckmäßiger philosophischerUnterricht auf Gymnasien anzuordnen sei (Giesebrecht, a. a. O. S. 133). In demdaraus unter dem 7. Febr. 1823 erstatteten Gutachten (Hegels Werke, XVII. Bd.S. 357 ff.) unterscheidet Hegel eine materielle, indirecte und eine formelle,directe Vorbereitung auf das Studium der Philosophie. Jene findet er l) in demStudium der Alten, insofern dadurch Gemüth und Vorstellung der Jugend indie großen geschichtlichen und Kunstanschammgen von Individuen und Völkern, derenThaten und Schicksale, wie von ihren Tugenden, sittlichen Grundsätzen und Religio-sität eingeführt werden" und insofern in den hohern Classendie formelle Sprach-kenntnis mehr als Mittel angesehen, jener Stoff dagegen zur Hauptsache gemachtwerde," und 2) in der Bekanntschaft mit demdogmatischen Inhalte unsererReligion, indem derselbe nicht nur die Wahrheit an und für sich, sondern sie auchdem specnlativen Denken so sehr entgegengehoben enthält, daß er sogleich selbst denWiderspruch gegen den Verstand und das Darniederschlagen des Naisonnemcnts mitsich führt." Diese auf das speculative Denken vorbildende Beziehung habe der Re-ligionsunterricht jedoch nur dann, wenn die kirchlich dogmatische Lehre nicht nur alseine historische Sache betrieben und die Hauptsache nicht auf deistische Allgemeinheiten,moralische Lehren.oder gar nur auf snbjective Gefühle gestellt werde. Das eigent-liche Wesen der Philosophie, fährt Hegel nun fort, beruhe darin, daß jener Inhaltspeculative Form gewinne. Da aber der Vortrag der Philosophie noch vom Gym-nasialunterrichte ausznschließen sei, bleibe dem Gymnasium das Mittelglied übrig, derUebergang von der Vorstellung und dem Glauben des gediegenen Stoffes zu demphilosophischen Denken. lind so findet er die formelle Vorbereitung zum Studiumder Philosophie in derBeschäftigung mit den allgemeinen Vorstellungen, und nähermit Gedankeuformen, wie sie dem bloß raisonnirenden Denken und dem philosophischengemeinschaftlich sind," so daß es also darauf ankäme, dieBekanntschaft und Gewohn-heit, mit förmlichen Gedanken umzugehcn," schon auf dem Gymnasium zu gewinnen. Von dem Kreise der Kenntnisse, auf welche sich der Unterricht in dieser Rücksichtzu beziehen habe, schließt Hegel die Geschichte der Philosophie ausdrücklich aus,indem sie, ohne die speculative Idee vorauszusetzen, nur eine Erzählung zufälliger,müßiger Meinungen sein könne und darum nur die Ansicht Hervorrufen müße, daßmit der Philosophie alles nur vergebliche Mühe gewesen sei. Dagegen nimmt'er inden Kreis jener Kenntnisse auf: 1) die sogenannte empirische Psychologie, dienamentlich als eine Einleitung in die Logik zu behandeln sei, 2) als Hanptgegenstanddie Anfangsgründe der Logik (die Lehre von dem Begriffe, dem Urtheile undSchluffe und deren Arten, dann von der Definition, der Eintheilung, dem Beweiseund der wissenschaftlichen Methode, Bekanntschaft mit den Kantischen Kategorien, Er-wähnung der Antinomien), 3) aus der ehemaligen Wölfischen Philosophie die Be-weise vom Dasein Gottes, 4) aus der Moral richtige und bestimmte Begriffevon der Natur des Willens und der Freiheit, des Rechts und der Pflicht. InBeziehung auf die dem philosophischen Unterrichte zu widmende Zeit schlägt Hegel vor,für ihn entweder ein Jahr lang, oder besser drei bis vier Semester hindurch wöchentlich2 Stunden anzusetzen und in diesen bei nur einem Jahre nach einer psychologischenEinleitung Logik zu treiben, bei längerer Zeit aber die leichtere Logik vorauszuschickenund ausführlichere Notizen von der Natur des Geistes, seinen Thätigkeiten und Au-