Mädchenschule.
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auch bei dem besten Wetter, andere setzen ihre Promenaden auch bei dem schlechtestengern fort. Auch auf eine gerade Körperhaltung muß geachtet werden. Die wünschcnS-werthe Verbindung einer Turnanstalt mit der Schnle, welche cs möglich machen würde,Wenigstens täglich eine Stunde lang der Weiblichkeit angemessene körperliche Hebungenvorzunehmen, existirt, wie es scheint, in Deutschland erst in einer einzigen Töchter-schule, und zwar in der unter der Leitung des Herrn Devrient stehenden zu Mannheim.
Die Frage, ob der Unterricht der Mädchen in Privatanstalten oder inöffentlichen Schulen größere Gewährleistung des Erfolges biete, hat Seinecke imJahre 1846 („Die höhere weibliche Bildung des weiblichen Geschlechts" I. HeftS. 74) zu Gunsten der Privatschulen beantwortet. Die öffentliche Meinung scheintdurch die an so vielen Orten seitdem errichteten öffentlichen höheren Töchterschulen aufentgegengesetzte Weise entschieden zu haben. Freilich ist es wahr, daß der häufigeWechsel der Lehrer, der den Privatschulen vorgeworfen wird, durch die auf den öffent-lichen Schulen lastende Nothwendigkeit, untüchtige Lehrer viele Jahre lang tragen zumüßcn, ausgewogen wird. Aber die Frage ist, woher die schwachen Lehrer gekommensind, denn sie sind nicht erst mit zunehmendem Alter untüchtig geworden, sondern cSvon Anfang an gewesen. Die Bemerkung Magers, daß die weibliche Jugend dazuverurtheilt sei, fast immer Lehrer zu haben, die man an Knabenschulen nicht gebrauchenkönne, trifft zwar in unserer Zeit nicht mehr zu, mag auch Wohl für seine Zeit zuscharf gewesen sein, denn eS haben sich seit einer Reihe von vielen Jahren in Deutsch-land eine Menge tüchtiger Pädagogen auch diesem Gebiete mit Hingebung gewidmet.Dennoch ist etwas wahres an der Sache. Da die Mädchenschule noch immer nicht,wovon bereits oben die Rede war, von Seiten der staatlichen Gesetzgebung ins Augegefaßt worden ist, und über Ziel und Wesen der weiblichen Bildung noch immer soviel Schwanken und Widerspruch der Ansichten existirt, so ist es natürlich, daß sichviele tüchtige Leute einem Gebiete abwenden, auf dem, wie es scheinen mag, die Will-kür und die Unklarheit zu Hause ist, und daß andererseits manche schwache Kraft indiesem stilleren Thale pädagogischer Wirksamkeit sich mit Vorliebe niedergelassen hat.Mit der gesetzlichen Organisation der höheren Töchterschule wird auch der Begriff desMädchenlehrers seiner Unbestimmtheit enthoben, es werden bestimmte Forderungen anihn gestellt, und es wird allgemeiner, als bisher, erkannt werden, daß es sich hier umeine Frage von höchster Bedeutung für das Gesammtwohl handelt, und daß dieMädchenerziehnng an den Menschen wie an den Lehrer, an die Bildung urkd an denCharakter des Erziehers Ansprüche erhebt, welche denen, die auf andern Gebieten päda-gogischer Wirksamkeit gemacht werden, keineswegs nachstehen. Wenn dann die öffent-lichen Töchterschulen von den Uebelständen befreit sein werden, unter welchen sie gegen-wärtig zu leiden haben, so werden die schwachen Lehrer an denselben nicht zahlreichersein, als in anderen Schulen. Dann wird die Frage, ob Privatschule oder öffentlicheSchule, leicht zu beantworten sein, denn abgesehen von dem dann erledigten BedenkenSeineckes gegen die öffentlichen Schulen, besitzen diese viele Vortheile, welche sich diePrivatschule als solche nie aneignen kann, während alle Vortheile der Privatschuledurch eine verständige Organisation in die öffentliche übertragen werden können. Wiesehr das Bedürfnis eines vorsichtigen, schonenden, die Gesundheit achtenden, einen sitt-lichen, auf lauterer Frömmigkeit ruhenden, Geist erzeugenden Mädchenunterrichtes em-pfunden wird, das beweisen die hohen Schulgelder, welche den Privatanstalten gezahltwerden. Dieses Schulgeld steigert sich an verschiedenen Orten von 1 Thlr. bis auf6 Thlr. und 8 Thlr. monatlich, in Wien sogar bis auf 15 Gulden, während in denöffentlichen Schulen größtentheilS 1 bis 2 und 3 Thlr. monatlich gezahlt werden. Unddoch wird die Gunst, welche die höheren Stände den Privatanstalten so oft zuwenden,hauptsächlich nur durch den Umstand begründet, daß hier die Elasten nicht übersüllt,und die Ansprüche an die Kraft der Schülerinnen nicht überspannt sind. Aber diese
Pädag. Enzyklopädie. IV. 60