Mädchenschule.
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Und eben darum, Weil dieser pädagogische Zweck in deni allgemeinen Berufe des Weibesenthalten ist, gehört die Fortbildungsschule in den Gesammtorganismus der weiblichenBildungsanstalten und hat allerdings eine innere Beziehung zur höheren Mädchenschule,ohne doch einen integrirenden Theil der letzteren auszumachen. Für die Beurthei-lung der Kategorie, in welche eine höhere Töchterschule gehört, ist es daher gleich-gültig, ob sie auch mit einer Fortbildungsschule verbunden sei oder nicht, und daswesentliche Kennzeichen ihrer vollständigen Organisation bleibt immer dies, ob sie diedreitheilige Gliederung in eine Elementar-, Mittel- und höhere Stufe bestimmtund ausreichend darstelle oder nicht. Das Classensystem hat gegenüber dieser drei-fachen Gliederung geringere Wichtigkeit und! ist hauptsächlich von der Frequenz der Schuleabhängig. Es giebt Mädchenschulen von 5 bis 12 und 13 Elasten. Denkt man sichbei ö Elasten das Pensum jeder Elaste, wie an der Schule zu Elberfeld, als ein zwei-jähriges, bei 13 Elasten die unteren 6 auf ein halbjähriges, die folgenden 7 Elastenauf ein einjähriges Pensum gestellt, so kommt man auf dieselbe Zeit. Im allgemeinenist es rathsam, die Elementarstufe in solche Elasten zu scheiden, welche ihre Aufgabein einem halben Jahre vollenden, um die Correctheit der clementarischen Bildung ge-nauer controlliren zu können, in den mittleren und oberen Elasten dagegen die jährigenCurse festzuhalten.*) Bei der durchschnittlichen Zeit von 9 Jahren, welche das Mädchender Schule anzugehören pflegt, werden 3 Jahre für die Elementar-, 3 für die Mittel-und ebenso viele für die höhere Stufe zu berechnen sein. Das natürlichste Classensystemeiner vollständig organisirten höheren Mädchenschule würde sich auf dieser Grundlageetwa so darstellen: 1. Elementarstufe (3 Jahre) Elaste VIII—VI je b und a, zusammen6 halbjährige Curse, 2. mittlere Stufe (3 Jahre) Elaste V—III, 3 Elasten mit jeIjährigem Curse, 3. höhere Stufe (3 Jahre) Elaste II mit Ijährigem, Elaste I mit2jährigem Kursus. Was, die Zahl der in einer Elaste zu vereinigenden Schülerinnenbetrifft, so sollte dieselbe nicht über 40 steigen, und dürfte eine Zahl von 30 Schüle-rinnen als die wünschenswertheste erscheinen. Vom Gesichtspuncte der weiblichen Er-ziehung lassen sich mehrfache ernste Bedenken gegen die Ueberfüllung der Classengeltend machen. Es ist schon oben hervorgehoben worden, daß die Mädchenschule mehrnoch als die Knabenschule die Aufgabe hat, durch den Unterricht selbst die Kenntnissezu befestigen, weil sie sich in der Forderung an den häuslichen Fleiß sehr beschränkenmuß. Genügende Erfolge kann daher der Unterricht nur dann haben, wenn der Lehrermit Sicherheit das Wissen und Können der einzelnen zu controlliren vermag, wasihm bei einer größeren Zahl unmöglich sein wird. Für die Entwicklung edler Weib-lichkeit ist es ferner stets ungünstig, wenn Mädchen in größeren, nicht leicht zu über-sehenden Massen miteinander vereinigt werden. Nicht nur, daß in der Menge dieeinzelne sich steichtcr verbirgt, daß die bewegliche Mädchennatur, von so vielen Seitengereizt, schnell in Aufregung geräth, daß in dieser Aufregung manches gewagt wird,was sonst nicht gewagt worden wäre, sondern vornehmlich auch das ist schädlich, daßder ganze Ton des Umganges, solchen Massen gegenüber, ein anderer wird, als derin der Mädchenschule herrschen soll. Es muß gerufen, vielleicht geschrieen werden, wogeredet werden sollte, es muß zum Gesetz, zur steifen Regel gemacht werden, wasgute Gewohnheit sein sollte, es muß die Rücksicht auf die Individualität der für diezu bewältigende Masse weichen und durch alles dies wird der Ton ein unedler. DieVerwandtschaft, welche die Mädchenschule immer mit der Familie bewahren soll, hörtvöllig auf. Auch das endlich verdient Berücksichtigung, daß der weibliche Körpermehr Wärme entwickelt und stärker ausdünstet, als der männliche, und dadurch dieübermäßig gefüllten Classen in Mädchenschulen für die Gesundheit aller schädlicherwirken, als in Knabenschulen.
fl Vgl. b. Art. Classenlehrsystem, namentlich S. 7S0. Anm. D. Red.
Pudag. Encyklopadie. IV. HO