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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Mädchenschule.

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Eindringen von gemeiner und zuchtloser Sitte zu verhindern, und sie wird, wenn einKind durch auffallend bösartigen Einfluß solcher Art hervortritt, dasselbe aus der An-stalt entfernen können, auch wird sie mancherlei andere Mittel haben und anwenden,um die übrigen vor diesem Einflüsse zu schützen. Ganz aber vermag sie cs nicht, gutzu sagen für alle sittlichen Gefahren der Art, die oft lauge unbemerkt bleiben; sievermag es um so weniger, als solche Gefahren auch von den andern Kindern ausgehen,gegen deren Stand an sich nichts eingewendet wird. Ja, es kann als das Gewöhnlichebezeichnet werden, daß die Kinder geringer Eltern, mögen sie zuweilen roher sein, alsdie anderen, doch meist nicht die gefährlicheren und schlimmeren sind, da sie von ihrenEltern, die nur mit schweren Opfern ihnen den Besuch einer solchen Schule ermöglichenkönnen, mit größerem Ernst zur treuen Erfüllung der Pflichten gegen die Schule ange-halten werden. Wir haben es also hier nicht eigentlich mit einer Schwierigkeit zu thun,welche aus dem Eindringen der untern socialen Elemente hervorgeht, sondern mit einerSchwierigkeit der Schule als solcher, die gute und schlechte Elemente vereinigt. Dadurchwird die Frage eine andere. Es kommt darauf an, ob die sittlichen und intellectuellenVortheile der Schule für die Mädchen größer sind, als die Gefahren, welche für ihreGeistes- und Gemüthsbildung aus dieser Gemeinschaft hervorgehen. Mit Recht hatvr. Kühner (s. die Abhandlungdie Grenzen der weiblichen Schulbildung" inHöhereBürgerschule" von Vogel und Körner 1854 Heft 1.) diese Frage entschieden besahtund sogar gezeigt, daß die sittlichen Gefahren der Schulen für die Bildung derjenigenSchichten des Volkes, von denen hier die Rede ist, nicht einmal entbehrt werden können,denn wer seine Zukunft nicht in Weltverlassenheit verleben könne, dürfe auch nicht inWeltentfremdung erzogen werden. Solchen Eltern, welche dennoch ihre Töchter diesenGefahren entheben wollen, bleibt aber ferner übrig zu prüfen, ob derjenige Privat-unterricht, den sie ihren Töchtern würden angedeihen lassen können, nicht viel größereNachtheile sittlicher und geistiger Art herbeiführen müße, als diejenigen sind, zu welchendie Schulgcmeinschaft Veranlassung bietet. Da ein Privatunterricht, der mit den Lei-stungen einer guten Schule den Vergleich aushalten kann, und der zugleich nach einemfesten Plane geordnet, nach allen Seiten überwacht und durch tüchtige Lehrkräfte ver-treten ist, einen Kostenaufwand erheischt, den nur wenige erschwingen können, so ergiebtsich, daß nur eine ausgezeichnete Lebensstellung dazu berechtigen kann, die Mädchen derSchule zu entziehen, weil nur sie im Stande ist, dem dadurch herbeigeführten Verlusteinen höheren Gewinn entgegeuzustellen; womit freilich durchaus nicht gesagt sein soll,daß in allen Fällen, in welchen dies geschieht, eine so gewissenhafte und glücklicheAusgleichung der aufgegebenen Vortheile wirklich erreicht wird. Wenn also hochgestellteund reiche Leute ihre Töchter nur privatim unterrichten lassen, so machen sie von einemRechte Gebrauch, welches ihnen ähre Lebensstellung giebt, und befinden sich in Ueber-einstimmung mit ihren socialen Verhältnissen, denn auf allen Höhen des Lebens istetwas von jener Weltentfremdung und Weltverlassenheit zu finden, von welcher Kühnerredet. Wer seine Rechnungen durch den Intendanten bezahlen läßt, wer mit den unternund mittleren Volksclassen nur in indirecte Beziehung tritt, oder doch nur dann, wennes ihm beliebt, braucht allerdings jene Art von Menschenkenntnis weniger, die derVerkehr des gewöhnlichen Lebens erfordert, und ist eben durch seine Stellung vor vielenGefahren geschützt, die ein Mädchen und eine Frau des Mittelstandes überall umgeben.Ohne Zweifel wird auf der andern Seite für vornehme Leute manches, was die ganzeGestaltung der Persönlichkeit betrifft, wichtiger, als es den mittleren Ständen ist, undfordert besonders in der Erziehung der Töchter seine Beachtung. Für eine solche aus-gezeichnete Lebensstellung kann es also zur dringenden Nothwendigkeit werden, den Privat-unterricht der Schule vorzuziehen, und dieser wird daher immer in jenen Kreisen bestehen.Aber wenn vornehmthuende Eltern, denen die Mittel, die Erziehung der Töchter in großemStile zu betreiben, gänzlich fehlen, die Schule zwingen wollen, nur ihres Gleichen auf-zunehmcn, wenn sie, falls sie dies nicht thut, sie verachten und die Bildung der Mädchen