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Leseunterricht.
entsprechende Vorstellung in seiner Seele haben. Kommt man hernach znm Lesen vonkleinen Sätzen, so ist es verfehlt, jeden Schüler nur eben eine Zeile lesen zu lassen, so-fern nicht der Satz mit der Zeile aufhört. Das Kind beschäftigt sich zunächst nur mitden Worten, die es selbst laut zu lesen hat, und ruht, wenn es damit fertig ist, geistigein wenig ans. Liest es mm nur einen Theil deS Satzes und das nächste den andern,so haben beide nichts von dem Inhalt desselben und werden somit durch den Lehrerselbst dahin geführt, daß sie auf das Verstehen des Gelesenen verzichten und sich ansNichtsdenken beim Lesen gewöhnen. Wenn aber nun die Kinder je einen vollständigenSatz gelesen haben, ist es nöthig, das Gelesene, wenn auch nur kurz, abzufragen,damit sie niemals Nachlassen, ans den Inhalt dessen, was sie lesen, zu achten. Hinund wieder wird da ein berichtigendes, erläuterndes, ergänzendes Wort des Lehrersnöthig sein, und dann soll es unter keinen Umständen unterbleiben; aber ebenso wenigsollen darüber unnöthig viele Worte gemacht werden, welche sowohl den Inhalt nurverhüllen und umnebeln, als die Zeit dem Pensum der Stunde entziehen. Besondersaber ist es für das verständige Lesen nöthig, auf die Jnterpunctionen die Schüler achtenzu lehren, weil diese „Satzzeichen" sind, d. h. die einzelnen Theile des Satzes sowohltrennen, als auch ihre Beziehung aus einander andeuten. Müßten unsere Schüler einLesestück ohne alle Jnterpunction lesen, welche Noth hätten wir, sie zum Verständnisseines Inhalts zu bringen, und wie manches tolle Mißverständnis würde entstehen!Mir wollen deshalb dankbaren Gebrauch von diesen Erleichternngsmittcln für das Ver-ständnis machen. Dazu gehört nicht nur, daß wir die Schüler mit dem Namen undder Bedeutung derselben, soweit es noth thut und angeht, bekannt machen, sondern sieauch anhalren, bei jeder Jnterpunction auf die richtige Weise zu pansiren und dieStimme zu senken oder zu heben. Geschieht dies auch in vielen Fällen von denSchülern nur mechanisch, so ist ihnen damit doch die Möglichkeit eines richtigeren Ver-ständnisses gegeben. Zn bedauern ist es daher, wenn in ihren Schulbüchern, nament-lich in Bibeln, Gesangbüchern n. s. w. die Jnterpunctionen unrichtig gesetzt oder zusparsam angewendet sind, weil ihnen damit das Verständnis erschwert wird, vielleichtohne daß der Lehrer es weiß, der ein anderes, besseres Exemplar in der Hand hat.—Ob die Schüler das Gelesene verstehen, läßt sich Wohl nicht immer zum voraus er-kennen. Zwar wenn ein Schüler einen sinnentstellenden Lesefehler macht, wenn erfalsch pansirt, manchmal auch wenn er falsch betont, läßt sich erkennen, daß er dieSache nicht oder falsch versteht. Aber auch bei einem ganz richtigen Leser ist es mög-lich, daß er den Inhalt sich nicht angeeignet und klar gemacht hat. Deswegen istimmer ein Abfragen nöthig, um auf diesen aufmerksam zu machen und zu finden, wasin Beziehung ans die Auffassung desselben zu berichtigen, zu ergänzen und zu erklärenist. Manchmal mag es gut sein, schon vorher, che ein Lesestück gelesen wird, einigeWorte über den Inhalt desselben zu reden, etwa auch einige Fragen aufzuwerfcn, answelche die Antwort im Lescstück sich finden soll. Unerläßliche Bedingung aber ist esdabei immer, daß nur solches gelesen wird, was die Schüler richtig anfzufassen imStande sind, und was ihre Aufmerksamkeit anzieht. Tenn sonst werden sie stumpfund matt und gewöhnen sich an gedankenloses Lesen und keine Lebendigkeit des Lehrersund keine Trefflichkeit der Methode ist im Stande, ihr Interesse für den Inhalt deSLesestücks zu wecken; und wenn es auch für den Augenblick gelänge, für die Dauerkönnte es nicht geschehen. Es ist darum ein großer Fehler beim Lesen in der Bibel,im Gesangbuch und Katechismus, wenn man, statt ausznwählen, was für die Alters-stufe und Fassungskraft der Schüler taugt, immer der Ordnung nach von Capitel zuCapitel, von Buch zu Buch, von Lied zu Lied n. s. w. fortlesen läßt in der irrigenMeinung/entweder eS handle sich dabei nur um das mechanische Lesen, oder die Kraftdes Wortes werde sich auch ohne Aufmerksamkeit und verstandesmäßiges Auffassen anden Herzen der Schüler von selbst wirksam erweisen. Wie vielen ist damit schon in