Lehrer.
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des allerconcretesten und lebensvollsten Wissens von der Welt, nämlich in den Spra-chen, d. i. in den Gedanken und Ausdrucksweisen sonderlich der alten Völker und ihrerhervorragenden Geister, seine Wurzeln und sein Wesen haben muß, hat hauptsächlichmittelst seiner Persönlichkeit, d. h. mittelst der Art und Weise, wie er selbst jeneGüter des Alterthums in sich zu Geist und Leben hat werden lassen, zu wirken, uman seinen Schülern die allseitige Befähigung zur Hingabe an wissenschaftliche Bildungzu bereiten, sonderlich sie selbst zu strebenden Persönlichkeiten heranzubilden. Der Ele-mentarlehrer hat für seinen Betrieb eine Erkenntnissubstanz, welche so verdünnter, abs-trakter, fast subtiler Art ist, daß in ihr die bildende Kraft nur in formaler Richtungscheint zur Geltung gebracht werden zu können. — Ein Elementarlehrer, wenn er nichtdurch eine religiöse Gediegenheit ersetzt, was ihm seiner Lehrgegenstände Betrieb ver-sagt, ist übel daran; denn seine didaktische Bedeutung könnte nur in der Art und Weisegesucht werden, wie er die elementaren Dinge seines Bereiches behandelt, d. i. in derMethode. Auf dem Gebiete des Elementarunterrichtes war deshalb auch nur dieVerirrung möglich, welche als Ball-Lancasterismus u. dgl. anftrat, daß Schüler zuLehrern verwendet wurden. Für diese Art der Unterweisung muß die Behandlung somechanisirt und abgestnft sein, daß eben in der Beobachtung der vorgeschriebenen Formdie bildende Kraft des Unterrichts angenommen erscheint; derartiges ist auf dem Gymnasial-gebiete gar nicht denkbar. Es ist darum auch ganz erklärlich, daß Gymnasiallehrer sichfür die Lehrförmlichkeit meist nicht so interessirt bezeigen, wie Elementarlehrer, und dochsehr gute Lehrer in ihrer Sphäre sein können. Der Pedantismus des Lehrers, überwelchen Döderlein und andere als ein gewisses Erfordernis jedes Lehrers gehandelt,ist an einem Gymnasiallehrer auf etwas anderes gerichtet, als bei einem Elementar-lehrer. — Alle drei Arten von Lehrern werden nur ebendadurch zu Künstlern im Leh-ren, daß jede ihr specisisches Merkmal mit originaler Kraft in jedem bestimmten Falle,welchen ihr Handeln herbeiführt, zur Geltung zu bringen vermag. Der akademischeLehrer dadurch, daß er Person und Methode in dem Gegenstände seiner Darbietungso birgt, daß nur diesem letztem die Lehrwirkung zufällt, Person und Methode aberdabei gleichgültig erscheinen. Wenn einzelne das Heft durch den Famulus ins Colle-gium sandten, so mochte das infolge von solcher Auffassung geschehen sein; bis aufden heutigen Tag wird der akademische Unterricht deshalb auch lesen genannt und dieLection eben Vorlesung, offenbar weil es nur auf die vorgelesene Sache, aberganz und gar nicht auf die Art wie, und auf die Person, durch welche es geschah,im Grunde ankam.*) Der zweite dadurch, daß er die Sache und deren methodegerechteAnfassung vor der Kraft und Eigenthümlichkeit, in welcher jene beiden Stücke zu einerlebensvollen Persönlichkeit verleiblicht worden sind, in den Hintergrund gera-then läßt, dagegen die Schüler auf den Höhepunct seiner Bildung hin zu sammeln undzu heben weiß. Der letzte dadurch, daß er die Correctheit der Form, in welcher derUnterricht von ihm gehandhabt wird, zur Hauptbedeutung an der Bildung der Lernen-den werden, dagegen die Sache in der Fülle aller ihrer Momente, sowie die Personin ihres Wesens Eigenthümlichkeit zurückbehält.
Ein Lehrer der Wissenschaft zu sein wird nur derjenige sich getrauen dürfen, derseinen Gegenstand in seinem Inhalte sowie in seinen Zusammenhängen mit allem Ver-wandten vollkommen beherrscht. Der humanistische Lehrer wird seinen Lehrgegenstand alseinen Bestandtheil seines persönlichen Wesens vorzuführen haben. Wer wüßte nicht,
ch Das wäre doch noch insofern zu mildern, als bekanntlich viele akademische Lehrer nichtblos „vorlesen", sondern entweder ganz oder theilweise (d. h. die Erläuterung zu gegebenen ZZ)frei vortragen und sich so in einen viel lebendigeren, Persönlichen Rapport mit ihren Zuhörernsetzen. Der Ausdruck: „Lesen", xraelsotio, rührt ja daher, daß vor der Erfindung und demallgemeinen Gebrauche des Buchdrucks der Professor den Text des Schriftstellers, den er tractirte,immer erst den Zuhörern vorlesen mußte, die dann, in Ermanglung gedruckter Exemplare, auchden Text nachschrieben. Palmer.