180
Lebenslust.
Lcctionsplan.
Lust am Leben. Unlust ist Schwäche, gehemmter Trieb, entleertes Vermögen. Da inder Jugend die Reizempfänglichkcit am größten ist, in der Kindesseelc alle Processeam schnellsten und lebendigsten vor sich gehen und — weil für sie noch alles neu ist —sie nur ans dem Vollen zu nehmen braucht, die Triebe und Kräfte am frischesten sichregen, am reichsten sich entwickeln: so muß auch in der Jugend die Lebenslust amgrößten sein und am kräftigsten sich offenbaren. Das jugendliche Blut, weil es frischersich erneuet und lebendiger kreist, giebt auch dem Seelenleben jene Frische, die alsLustgefühl empfunden wird und wieder fördernd auf alle psychische Functionen zurück-wirkt. Die lebhafte Erregung der sensibel» Nerven geht um so schneller auch auf diemotorischen Nerven über, das Gefühl wird zum Bewegungsdrang, muß sich nachaußen hin gleichsam entladen — daher das oft unbändige Schreien und Toben, dieunruhige und unermüdliche Beweglichkeit der Jugend. Die Erzieher sollen sich dieserLebenslust freuen, denn sie ist ein Zeichen der Lebenskraft und Gesundheit; sie sollennicht zu ängstlich und pedantisch sechsjährige Buben nnv Mädchen in die zwängendeRegel äußerer Wohlanständigkeit und „feinen" Benehmens einschnüren, nicht mittantenhafter Aengstlichkeit jede lebhafte Bewegung hemmen und über das laute unge-stüme Wesen erschrecken. Mit übereilter und unvorsichtiger Unterdrückung der Aeuße-rungen der Lebenslust drückt man auch das Leben selber nieder und macht die Jugendauch zum Guten verdrossen. Daß die Erzieher in die Jugendlnst und Lustigkeit ein-gehen sollen, daß der Frohsinn auch wieder dem Gehorsam zu Statten kommt und derStrenge der Zucht keinen Abbruch thut: dies ist von uns bereits im Art. „Frohsinn"hervorgehoben worden. Es heißt die Lebenslust gewaltsam unterdrücken und sich ander Jugend versündigen, wenn man sie im Arbeiten und Lernen überfordert, über-mäßig streng behandelt, ihr fortwährend unfreundlich begegnet, anstatt ihr zu erlaubtenAeußerungen der Lebenslust Raum zu schaffen und Gelegenheit zu bieten. Andererseitsist wiederum die Strenge und der Ernst, womit das Kind im Gehorsam erhalten, zumFleiß, zur Ordnung und Pünctlichkeit in allem, was ihm zu thun obliegt, angchaltenwird, das beste Mittel, ihm auch seine Spiele, Beschäftigungen und Unterhaltungen,in denen es sich mehr selbst überlassen bleibt, werthvoll und seine Lebenslust um sonachhaltiger zu machen, je weniger sie in gewaltsamen und regellosen Ausbrüchen ver-pufft. Ist nur die Zucht rechter Art, so wird auch die lärmende und tobende Jugendnicht vergessen, daß sie unter erziehlicher Leitung steht und nicht jene Haltung ver-leugnen, die man von jedem wohlerzogenen Kinde fordern muß. Eine gewisse Hem-mung und Friction stärkt die Kraft und damit das Lustgefühl. Würden die Fericntageso angenehm sein, wenn an den Schultagen nicht tüchtig wäre gearbeitet worden? Jeselbstthätiger das Leben, desto genußreicher ist es auch. Mit der geistigen Regsamkeitsteht es aber bedenklich, wenn die leibliche Gesundheit ihr keine Grundlage bietet. Darumsorge man auch aus diesem Grunde für regelmäßige Bewegung in freier Luft und steteUebung der leiblichen Kraft. Man mache es der Jugend zum Bedürfnis, stets undallseitig ihre Kräfte zu regen, damit sie diesen Bcwegungsdrang in das spätere Lebenhinübernehme, an passiver Ruhe nimmer Gefallen finde, jede neu erreichte Stufe zumrüstigen Vorwärts- und Aufwärtsstreben benutze und im Wirken mit dem ganzen vollenMenschen die Jugendfrische sich bewahre. Wenn im Organismus Ein System aufUnkosten der übrigen angestrengt oder ausgebildet wird, oder wenn eins krankhafterregt und leidend ist, so leidet eben der ganze Organismus, mag nun die Störungvon leiblicher oder geistiger Seite erfolgen. Mit dem Gefühl der Gesundheit Leibesund der Seele steht und fällt auch die Lebenslust. A. W. Grube.
LcctionsstllM. Zur Ordnung des Unterrichts gehört die Eintheilnng des Unter-richtsstoffes nach der Unterrichtszeit. Der Umfang jenes und seine Theilung in Fächerund Classenpensa, wie die Cursusdauer der Schule und ihrer einzelnen Elasten wirddurch den Lehrplan der Schule vorgeschrieben (s. d. Art.). Durch Anwendung des-selben auf eine bestimmt bcgränztc Zeit, etwa ein Jahr, und die in demselben in der