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Lateinische Schule.
Weiter folgt aus dem Gesagten, daß für die Interessen der Mehrzahl, welche mitder Confirmation die Schule verläßt, nicht nur durch eine kleine Real-, sondern auchdurch eine kleine Lateinschule, soweit es überhaupt möglich ist, gesorgt wird, daß da-gegen diejenigen, welche sich den Weg zu wissenschaftlichen Studien offen halten möchten,durch die erstere benachtheiligt werden. Die Rücksicht auf die evangelischen Geistlichenund die Beamten der Stadt und des Rayons, welche ihre Söhne studiren lassenmöchten, sowie auf die Eltern aus dem Bürgerstande, welche einem talentvollen Sohnedieselbe Bildung zu geben wünschen, fallen unter diesen Umständen doch schwer insGewicht; die Beamtenlaufbahn soll auch den Söhnen der niederen Stände in mög-lichster Allgemeinheit möglich bleiben; mancher treffliche Mann, der dem Staat undder Kirche ersprießliche Dienste geleistet, ja dem schwäbischen Stamme Ehre gemachthat und zu seinen Zierden gehört, hätte die wissenschaftliche Laufbahn nicht eingeschlagenund nicht einschlagen können, wenn nicht die kleine lateinische Schule seines Geburts-orts ihn die ersten Stufen derselben hinangeführt hätte.*) Auch für diejenigen Eltern,welche ihre Söhne in die Kost geben müßen, ist die Benützung solcher Schulen durch diegrößere Wohlfeilheit der Lebensmittel in kleineren Städten und infolge dessen dieniedrigeren Kostgeldsansätze erleichtert. Würden nun diese in Realschulen verwandelt,so würde damit die Universitätsbildung für viele nur mit größeren Kosten erreichbar,also erschwert, und ein Zug in der Charakteristik von Württemberg, die große Zahlsolcher geistigen Brennpuncte von kleinem Umfang, aber zuweilen unverhältnismäßigintensiver Wirkung, würde mehr und mehr zurücktreten.
Wir sprachen im Bisherigen vorzugsweise von zweiclassigen Schulen. Be-schränkter sind freilich die Verhältnisse der einclassigen, und die Männer, welche auchan solchen noch erfreuliche Ergebnisse erzielen, verdienen unsere besondere Hochachtung;eine Art Vorschule, die ein Volksschullehrer neben seinem Hanptamte leitet, nimmtihnen ja doch in der Regel einen Theil der umfangreichen Arbeit ab. Aber durch Ver-wandlung in eine einclassige Realschule wäre mit nichten geholfen; der überbürdeteLehrer wäre dann nur statt eines Präceptors ein Reallehrer und die Leistungen derSchüler wären nicht minder ungenügend, wenn sie im Französischen, als wenn sie imLateinischen hervorträten.
Sind zwei einclassige Schulen, eine Real- und eine Lateinschule, die wegen Unzu-länglichkeit der Mittel nicht erweitert werden können, in einem Städtchen, so würdenwir rathen, lieber eine zweiclassige Lateinschule daraus zu machen, in deren Lehrplandie Bedürfnisse künftiger Gewerbtreibenden thunlichstc Berücksichtigung fänden. An denmeisten Orten würde freilich, wie die Strömung der neueren Zeit ist, wenn nicht indem stiftungsmäßigen Charakter der Lateinschule ernstliche Schwierigkeiten liegen, einsolcher Rath bei der Mehrzahl der Betheiligten wenig Eingang finden; es kommt Leieiner Waare nicht immer nur auf die Qualität, sondern auch auf die von dem Ge-schmack der Abnehmer bedingte Nachfrage an, und die Mehrheit behält zuweilen Recht,auch wenn sie Unrecht hat.
*) Man wird sagen können, daß von den Männern, die sich in Württemberg in Staats-,Kirchen-, Schnl- und Gemeindeämtern hervorgethan haben und Hervorthun, mindestens dieHälfte in den kleinen lateinischen Schulen des Landes ihre erste Bildung empfangen habe.Viele derselben würden zwar, wenn die lateinische Schule ihres Städtchens nicht bestanden hätte,größeren Anstalten übergeben worden sein, aber viele, sehr viele auch nicht. Ich habe mir theilsaus den vortrefflichen, vom statistisch.topographischen Bureau herausgegebenen Beschreibungender württembergischen Oberämter, theils durch gefällige Mittheilungen der Lehrer an solchenSchulen ein Verzeichnis der namhafteren ehemaligen Zöglinge unserer lateinischen Schulenangelegt, welches eine überraschend große Anzahl von Namen bedeutender Männer enthält. Umdes Raumes willen muß ich mich auf die Nainen der Hervorragenden beschränken. Ich nenneans vorigen Jahrhunderten: von Theologen Jac. Andreä (ff 1590), den Orientalisten W. Schickard(ff I63S), Joh. Val. Andrea ich 1654), Kanzler Joh. Ad. Osiander (ff 1697), Hofprediger und