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Lateinische Schule.
Unterrichts bei 3 bis 4 Altcrsclassen auf sich hat, wie auch sogar in einclassigen Latein-schulen manchmal recht schöne Erfolge erzielt werden. Allein es erfordert dies docheine außerordentliche Begabung und eine fast übermenschliche Anstrengung des Lehrers,und wir können solche Verhältnisse nicht für die normalen halten, wir können insbeson-dere nicht annchmcn, daß die humanistischen Studien in dem oben bezeichnet«: Sinnedadurch gefördert werden; es ist fast nicht möglich, daß der Lehrer selbst in: Standeist, an seiner wissenschaftlichen Fortbildung weiter zu arbeiten. Wir glauben, daß auchdiese Lateinschulen die Concurrenz mit den Realschulen nicht in die Länge werden ans-haltcn können, namentlich in Gemeinden von beschränkten Mitteln. Man wird sichüberzeugen, daß die Söhne von Bauern und Gewerbetreibenden, welche dem Berufeihrer Eltern folgen, die Zeit, welche sie auf das Latein verwenden, in welchem sie dochmeist nur sehr Unvollkommenes leisten, nutzbringender in einer Realschule zubringenwürden. Aus dein Eingehen dieser kleinen Lateinschulen wird freilich für mancheEltern, insbesondere für die Beamten, die Nothwendigkeit entspringen, ihre Söhne, so-fern sic zu akademischen Studien bestimmt sind, in fremde Schulen zu bringen. Alleindiese Nothwendigkeit liegt nicht nur in andern Staaten, in welchen sich diese kleinen La-teinschulen nicht finden, sondern auch in Württemberg für die Geistlichen und andere Be-amte ans dem Lande längst vor. Sic ist selbst bisher an solchen Orten, wo sich lateinischeSchulen befanden, wenn die Lehrer nicht genügten, den Eltern nicht erspart geblieben.
Wir wissen daher nur solchen vereinzelten Lateinschulen unseren Beifall zu schenken,an Welchen die Arbeit des Unterrichts von einer größeren Zahl von Lehrern getragenwird, welche die vom 8. bis 14. Jahr bestehenden 6 Altersclassen gleich unter sich inentsprechende Kurse vertheilen und in Beziehung auf gewisse Fächer, für welche dereine oder andere mehr Geschick hat, auch gegenseitig eintreten können. Solche Latein-schulen, meist au volkreicheren, belebteren, mit reichlicheren Mitteln ansgestatteten Orten,wie deren Württemberg auch eine Anzahl besitzt, sind dann eigentliche Progymnasien,Vorbereitnngsanstalteu für die Gymnasien, mit welchen sie in einer inneren organischenVerbindung stehen. Sie müßen, je mehr die Zahl der kleineren Lateinschulen sich min-dert, um so mehr an Frequenz wachsen und ihren localen und particularistischen Cha-rakter verlieren, welcher den neben ihnen bestehenden Realschulen ganz znfallen wird.Solche Anstalten können und müßen dann auch das Griechische als obligates Fachaufnehmcn, nicht mit der eisernen Strenge, daß in besonderen Fällen nicht auch eineDispensation stattsinden könnte, aber sie dürfen nie Stätten werden, in welchen dasUmgehen des Griechischen erleichtert und gefördert wird. An solchen Anstalten, dievermöge ihres Princips mehr der Staatsfürsorge als der Gemeinde anheimfallen, wirddann auch in naturgemäßer und folgerichtiger Weise die von dem Lehrstande so vielfachvermißte und angestrebte Emancipation von der örtlichen Schulbehörde dnrchgeführtwerden können. Die Lehrer würden unter einen Vorstand gestellt werden, welcher derStaatsbehörde, am besten einem benachbarten Gymnasialrcctor untergeordnet wäre, ohnedaß deshalb eine Cognition und Theilnahme der Gemeindebehörden an der in ihrerMitte befindlichen und zum Theil aus ihren Mitteln unterhaltenen Anstalt ausgeschlossenwürde. Wir meinen, durch solche, sorgfältig gepflegte, Wohl ansgestattete und würdiggestellte größere Lateinschulen würde dem Gemeinwesen besser gedient, als durch diekleinen, ärmlichen, obscuren Anstalten, an welchen die Lehrer unter anstrengender Arbeitihre besten Jahre und Kräfte opfern, die für ihren Berus so nöthige Frische und Freu-digkeit verlieren und in einer unwürdigen und vergessenen Stellung verkümmern. Hirzcl.
ch Ganz dieselbe Bemerkung wird hinsichtlich der kleinen lateinischen Schulen in Hollandgemacht; s. d. Art. Holland S. 878 und 878: „Man muß durchaus verlangen, daß die kleinen,ungleich über das Land vertheilten lateinischen Schulen verschwinde», um Progymnasien —hauptsächlich aber um Anstalten Platz zu machen, die den Mittelschulen Belgiens oder den Real,und Bürgerschulen Deutschlands entsprechen."
2n Sachsen sind die kleinen lateinischen Schulen auf dem Lande fast alle eingegaugen.